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Deutsch sprechen und überleben

Deutsch sprechen und überleben

Schmelz. Cora Souza hält ihre Präsentation auf Englisch, denn Deutsch spricht sie noch kaum. Seit dem 14. August lebt die Brasilianerin in Schmelz bei ihren Gasteltern Peter und Heike Eppers, beide Mitglieder im Rotary Club, der den Schüleraustausch regelt. Im Gegenzug verbringt deren Tochter Katharina ein Jahr in Brasilien

Schmelz. Cora Souza hält ihre Präsentation auf Englisch, denn Deutsch spricht sie noch kaum. Seit dem 14. August lebt die Brasilianerin in Schmelz bei ihren Gasteltern Peter und Heike Eppers, beide Mitglieder im Rotary Club, der den Schüleraustausch regelt. Im Gegenzug verbringt deren Tochter Katharina ein Jahr in Brasilien. Die 16-jährige Cora wollte unbedingt mit Rotary ihren Auslandsaufenthalt planen und durchführen, denn "dem Club geht es um einen Austausch von Kulturen. Die Familien nehmen Austauschschüler auf, weil sie sich für deren Land, Sitten und Bräuche interessieren".Familie Eppers und Cora sind mittlerweile ein eingespieltes Team. Gastmutter Heike Eppers erzählt, dass "dieser Austausch auch für die Familien eine ganz neue, spannende Erfahrung" ist. Für Cora, die aus der Stadt Minas Gerais kommt, stand von Anfang an fest, dass sie ihr Austauschjahr in Deutschland verbringen würde: "Das Land hat mich schon immer fasziniert, aber der Hauptgrund für meine Entscheidung war die Sprache." Nach ihrem Schulabschluss möchte sie "Internationale Beziehungen" studieren, "da ist es nützlich, Deutsch zu können".

Noch bereitet ihr die Sprache die größten Schwierigkeiten. "Es ist einfach kein schönes Gefühl, wenn man nie versteht, worüber sich die anderen unterhalten." Daher war vor allem die erste Zeit in ihrer Schule in Lebach schwierig, aber mittlerweile hat Cora neue Freunde gefunden - auch ihre Deutschkenntnisse werden von Tag zu Tag besser. "Wenn ich unter Druck bin, Deutsch reden zu müssen, zum Beispiel im Supermarkt, funktioniert es am besten. In solchen Situationen denke ich immer: Entweder du sprichst Deutsch, oder du stirbst. Ich will überleben."

Den größten Unterschied zwischen Deutschland und Brasilien sieht Cora in der Mentalität der Menschen. "Die Deutschen sind kühler und zurückhaltender. In Brasilien umarmen wir uns zur Begrüßung und geben uns Küsschen." Das ist es, was Cora am meisten vermisst, neben ihrer Familie und ihren Freunden.

Die Schülerin hat sich für ihre Zeit im Ausland viel vorgenommen; sie möchte eine Rundreise durch Europa machen, Köln besichtigen und auf das Oktoberfest nach München. Dort wird sie mit ihrer Gastfamilie hinfahren, ein Dirndl hat sie bereits. "Dirndl, Fahrgeschäfte und viel Bier", so stellt sich die Brasilianerin das Fest vor, verrät aber, dass sie den brasilianischen Caipirinha dem deutschen Bier vorzieht. Und welches Ziel hat sie für ihren Aufenthalt im Saarland? "Meinen Abschlussvortrag im Rotary Club werde ich auf Deutsch halten - fehlerfrei."