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Flüchtlinge lernen nun mit Büchern

Flüchtlinge lernen nun mit Büchern

Im Ex-Schwesternheim in Brotdorf lernen derzeit zehn Flüchtlinge die deutsche Sprache. Damit diese noch besser lernen können, hat der Saarbrücker Rotary Club dem Sprachkurs Lehrmaterial zur Verfügung gestellt.

"Alt, älter, am ältesten", wiederholen die rund zehn jungen Männer und Frauen gemeinsam in der Gruppe. "Wir machen gerade die Steigerung der Adjektive ", erklärt Lehrerin Carmen Koscheny, die die Flüchtlinge aus Eritrea und Syrien im ehemaligen Schwesternheim in Brotdorf unterrichtet. Unter ihnen sitzt Ehrenamtler Joachim Collmann. Er greift dem ein oder anderen schwächeren Schüler unter die Arme und versucht, die Rechtschreibung zu kontrollieren.

Unterricht fehlte Struktur

Bislang hatten die beiden Dozenten kein Lehrmaterial, das sie für den Unterricht verwenden konnten. Daher habe man sich am kostenlosen Angebot von Übungen und Texten im Internet bedient. "Dem Unterricht hat durch diese fliegende Blätter die Struktur gefehlt", sagt auch Collmann. Doch die "elende Zettelwirtschaft" hat jetzt ein Ende. Denn der Rotary Club Saarbrücken hat dem Sprachkurs Lehrmaterial im Wert von rund 400 Euro zur Verfügung gestellt. "Wir wollen helfen", sagt der Präsident des Saarbrücker Rotary Clubs , Peter Eppers. Koscheny und Collmann würden hier "eine tolle Arbeit" leisten. Es sei daher wichtig, Flüchtlinge für den Alltag und auf das Berufsleben vorzubereiten. Im Mai hatte nach Eppers Worten Joachim Collmann dem Rotary Club die Arbeit des Brotdorfer Sprachkurses vorgestellt. "Viele von den Flüchtlingen hier sind seit über einem Jahr in Deutschland", erzählt Collmann. Erst vor acht Tagen haben die meisten von den zehn bis 15 Schülern Asyl erhalten. "Bis dahin hätten sie aber kein Sprachkurs besuchen dürfen", sagt er. Er verstehe nicht, wieso die Flüchtlinge so lange in einem fremden Land sitzen müssten, ohne dass sie die Gelegenheit bekämen, die Kultur und die Sprache zu lernen. Das hält der ehrenamtliche Lehrer nicht nur für die Flüchtlinge selbst für eine fatale Entscheidung, sondern birgt auch Risiken für Deutschland. "Die Stimmung kann auch bei den Flüchtlingen schnell kippen", sagt Collmann.

Kurs-Gruppe ist heterogen

Mit der Bücherspende des Rotary Clubs bekommen die Kursteilnehmer jetzt jedoch eine Struktur. "Die Jungs sollen das Gefühl haben, dass man etwas für sie tut", meint Collmann. Insgesamt sei die Gruppe sehr heterogen. "Manche sind der englischen Sprache mächtig, andere sind Analphabeten und können noch nicht mal ihre Muttersprache schreiben", weiß Collmann. Doch jeder von ihnen müsse eine Perspektive in Deutschland bekommen. Unter den Flüchtlingen ist Taha aus Syrien. Als "Sorgenkind", betitelt ihn Collmann, da der 30-jährige Orthopäde immer noch auf Asyl wartet. Taha ist über Ungarn eingereist, ohne dort registriert zu werden und hat so das Dublin-Abkommen missachtet. "Er kann aber von allen Kursteilnehmern am besten Deutsch sprechen", sagt Collmann stolz.