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In der Saarwellinger Kleiderkammer arbeiten Deutsche und Syrer Hand in Hand

In der Saarwellinger Kleiderkammer arbeiten Deutsche und Syrer Hand in Hand

Seit Juni gibt es die Kleiderkammer Saarwellingen, die binnen kurzer Zeit zu einem Treff für Deutsche und Syrer wurde. Die Flüchtlinge sind froh über diese Einrichtung, und auch die Ehrenamtler kommen gerne dort hin.

Dass Jiger in der Saarwellinger Kleiderkammer das Sagen hat, ist unbestritten. Auch wenn er noch etwas unbeholfen umhertappst und kaum ein Wort sprechen kann, der einjährige Jiger hat das ganze Team um den Finger gewickelt. Schließlich kommt er mit seiner Mutter Merdikal Hano seit der Eröffnung im Juni regelmäßig in die Kleiderkammer und gehört quasi zum Inventar. "Dank Jiger sind wir jetzt auch noch alle Omas geworden", sagt Sigrid Bettscheider und lacht. Sie zählt zum Team der sechs Damen, die sich dort ehrenamtlich engagieren, betont aber sofort: "Wir bekommen viel Unterstützung von den Flüchtlingen, die, wie Merdikal, immer hier sind und mitarbeiten."

Dank dieses Miteinanders konnte die Kleiderkammer dann vor vier Wochen auch binnen kürzester Zeit erweitert werden, als kurzfristig eine Wohnung im Stockwerk darüber frei wurde. "Da musste einiges renoviert werden. Also haben alle angepackt", sagt Sigrid Bettscheider. Dass mit Kadro Mohamad sogar ein gelernter Maler zu den Helfern zählte, war natürlich besonders hilfreich. In hellen, freundlichen Räumen stapeln sich jetzt die Kleider, wobei gerade für schlanke Herren die Auswahl noch etwas dürftig ist.

Längst hat sich Kleiderkammer auch zu einem Treffpunkt entwickelt, an dem sich Deutsche und Syrer begegnen, austauschen, über Probleme reden und, ganz wichtig: "Wir haben sehr viel Spaß zusammen. Hier wird viel gelacht", betont Pia Holz, die ebenfalls zum Team gehört. Sogar getanzt wird hin und wieder, wenn CDs mit syrischer Volksmusik gespielt werden. Dreimal in der Woche hat die Kleiderkammer, in der auch Spielzeug, Fahrräder, Küchenutensilien und andere nützliche Dinge schnell Abnehmer finden, in der Woche geöffnet, was ohne Ehrenamtler nicht zu leisten wäre. "Das ist eine sinnvolle Aufgabe", sagt Brigitte Schneider, "und man bekommt sehr viel von den Leuten zurück". Eine Meinung, die alle hier teilen. "Für mich ist es ein Gewinn, dass ich hier sein kann", findet auch Pia Holz. "Ich würde das nicht mehr aufgeben. Ich hatte selten das Gefühl, so gebraucht zu werden", sagt Sigrid Bettscheider.

Die Saarwellinger Kleiderkammer in der Wilhelmstraße 11 ist jeden Montag, Mittwoch und Freitag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Kleiderspenden werden dann entgegen genommen. Tel. (01 73) 1 94 30 71.

Meinung:
Aus Fremden werden Freunde

Von SZ-Redakteur Marc Prams

Die Kleiderkammer von Saarwellingen ist nur eines von ganz vielen Beispielen für eine gelebte und vorbildliche Willkommenskultur in unserem Land. Dort ist ein Ort, an dem das Leben pulsiert, wo ein Kommen und Gehen herrscht, wo es nie leise ist und wo viele Hände dafür sorgen, Ordnung ins Kleiderchaos zu bringen. Dort packen Saarwellinger an und werden, das ist doch klar, von Syrern unterstützt. Alle dort wissen es zu schätzen, dass sie eine sinnvolle Aufgabe haben und gebraucht werden. Dass dort Kleidung an Menschen verteilt wird, die sie dringend benötigen, ist eine Sache. Aber es wird vor allem auch viel geredet und gelacht, gemeinsam gegessen und sogar getanzt. Auf diese Weise entstehen Freundschaften. Freundschaften zwischen unterschiedlichen Kulturen.

Genau so schaffen wir das.