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„Barrieren sind meist in Köpfen“

„Barrieren sind meist in Köpfen“

Die SZ stellt die Behindertenbeauftragten in den Städten und Gemeinden im Landkreis Saarlouis vor, im Gespräch sowie bei einem Rundgang sollen sie zeigen, was bereits umgesetzt ist, aber auch erzählen, wo noch Handlungsbedarf besteht. Heute: Günther Puhl aus Saarwellingen.

Als im Jahr 2003 das saarländische Behindertengleichstellungsgesetz verabschiedet wurde, da konnte Günther Puhl aus Saarwellingen, inzwischen 82 Jahre alt, bereits auf eine siebenjährige Amtszeit als Behindertenbeauftragter in seiner Heimatgemeinde zurückblicken. Und, das betont er, er war nicht einmal der erste Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters gab es in Saarwellingen bereits im Jahr 1989 einen Behindertenbeauftragten. Noch eins draufgesetzt, erzählt Günther Puhl, den wir zunächst zusammen mit Roland Steffen vom Amt für Jugend, Senioren und Soziales in dessen Büro vor einem kleinen Rundgang durch die Ortsmitte treffen, hat die Gemeinde, als sie erstmals im Jahr 1996 einen Behindertenbeirat einberufen hat. Bis heute, betont Puhl, leistet dieses Gremium auf freiwilliger Basis eine hervorragende Arbeit. Gerade, wenn es um die Vernetzung geht, sind hier zahlreiche Kompetenzen gebündelt. Dazu zählen, wie Steffen erläutert, unter anderem auch die Seniorensicherheitsberater.

Mehr als 20 Jahre im Amt, Puhl weiß, dass sich schon vieles verändert hat in der Gemeinde. "Die allermeisten Barrieren sind im Kopf der Menschen, daran gilt es in erster Linie zu arbeiten", erklärt er. Ein Beispiel, wie fehlendes Nachdenken tatsächlich mit Lehrgeld in der Gemeinde bezahlt wurde, hat er mit dem Dorfgemeinschaftshaus in Reisbach parat. "Hier wurde einfach nicht nachgedacht, die soziale Teilhabe älterer und behinderter Menschen war hier noch nicht in den Köpfen der Planer angekommen", sagt er. Ganz anders soll das bei der Planung des Haus der Vereine, das in Schwarzenholz entstehen soll, aussehen.

Auch im Haus der Jugend, sagt Puhl, wurde einiges nachgebessert, allerdings stößt man hier schnell baulich an Grenzen. Die tun sich auch auf, als es nach draußen geht. Nach einem kurzen Blick in die barrierefreie Toilette, die im Sozialamt zu den Öffnungszeiten zugänglich ist, geht es ins Rathaus. Das ist von der Rückseite aus ebenfalls barrierefrei zu erreichen, ein Aufzug bringt die Kunden in alle Etagen des Verwaltungsgebäudes. Sorgen bereitet Günther Puhl dagegen die Gestaltung des Schlossplatzes. "Ich weiß nicht, was man sich hier gedacht hat, aber selbst für Menschen ohne Sehbehinderung lässt sich je nach Lichteinfall nur ganz schlecht feststellen, wo die einzelnen Stufen sind", erklärt er.

Neben der architektonischen Gestaltung des Platzes missfallen ihm auch die Haltestellen. "Für Menschen mit Gehbehinderungen ist hier das Umsteigen von einer zur anderen Linie fast unmöglich, die Wege sind einfach viel zu weit", sagt er. Ein Busbahnhof mit Wartebuchten, die eng beieinanderliegen, wäre seine Wunschvorstellung. Die Überwege hingegen sind nach den neuesten Standards umgebaut, geh- aber auch sehbehinderte Menschen können problemlos die Straße überqueren. Schwierig wird es in Sachen Barrierefreiheit beim Erreichen der Ladenlokale im Ort, selbst die Postfiliale ist nur über Treppen zu erreichen. "Die Apotheke hat sich mit der Klingel einen besonderen Kundenservice einfallen lassen", berichtet Puhl. Zugeparkte Gehwege sind in Saarwellingen ein Thema, vor allem in der Engelstraße, berichtet er, gibt es immer wieder Diskussionen zwischen Kunden und Anwohnern.

 Die barrierefreie Toilette im Haus der Jugend in Saarwellingen stellt kein Problem dar, wie Günther Puhl zeigt.
Die barrierefreie Toilette im Haus der Jugend in Saarwellingen stellt kein Problem dar, wie Günther Puhl zeigt.

Schließlich zeigt Puhl noch die Treppe des Alten Schulhauses. Hier wurden mit gelben Streifen die einzelnen Stufen kenntlich gemacht, für Sehbehinderte, betont er, ist diese Kennzeichnung überaus wichtig. Barrierefrei sind die Hallen der Gemeinde und die Friedhöfe, das Ruhebank-Konzept und etliche Toilettenanlagen sorgen dafür, dass Senioren sich innerorts auch zu Fuß gut bewegen könnten. "Mit der Lebenshilfe haben wir einen guten Partner, bieten einen integrativen Kindergarten, haben an vielen Stellen im Bereich der Bildung und Betreuung schon Barrierefreiheit erreicht. Doch an manchen Stellen, etwa an der Gutbergschule, gilt es weiterhin, an den Schrauben zu drehen", sagt Roland Steffen abschließend.