Im Einsatz für die Belange Behinderter

Saarwellingen · In der Gemeinde Saarwellingen gab es bereits 1989 den ersten ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten. Seit 2004 übt Günter Puhl dieses Ehrenamt aus. Er hilft unter anderem bei persönlichen Problemen weiter.

Saarwellingen. Die Interessenvertretung für Behinderte hat in der Gemeinde Saarwellingen eine lange Tradition; den ersten Behindertenbeauftragten gab es schon 1989, lange bevor Kommunen dazu gesetzlich verpflichtet wurden. 1995 rief die Verwaltung selbst einen Beirat ins Leben. Insgesamt elf Mitglieder hat der Beirat, sie vertreten Institutionen und Vereine für Behinderte, zum Beispiel die Lebenshilfe, DRK, VdK und Behindertensportgruppen. Der Vorsitzende ist immer gleichzeitig der Behindertenbeauftragte der Gemeinde. Seit 2004 ist das Günter Puhl aus Saarwellingen. Der 77-Jährige, von Beruf Ingenieur, kam über den Behindertensport zu seinem Ehrenamt.Der Behindertenbeirat bietet Hilfestellung bei persönlichen Problemen und informiert regelmäßig Behinderte und Senioren; er organisiert Vorträge, Fortbildungen und Ausstellungen zu allen Themen rund um körperliche und seelische Einschränkungen. Seine Mithilfe ist bei Gemeindeprojekten wie "Saarwellingen lebt gesund" oder der Seniorenbefragung erwünscht. Für die Bürger ist der Behindertenbeauftragte vor allem Ansprechpartner, wenn es um bauliche Barrieren geht.

"Wir haben ein sehr kooperatives Verhältnis mit dem Bürgermeister und dem Bauamt", sagt Günter Puhl. "Das ist eine schöne Situation: Wenn es ein Problem gibt, habe ich den direkten Draht zur Verwaltung und muss nicht verschiedene Instanzen durchlaufen."

Von anderen Gemeinden weiß er, dass die Zusammenarbeit nicht überall so glatt läuft. "Auch wenn natürlich nicht immer alles so schnell geht, wie ich mir das wünsche", räumt er ein. Vieles hat der Beirat aber schon erreicht, zum Beispiel zwei Behindertenwanderwege oder den Umbau des Schwimmbades, des Rathauses und der Gutbergschule. Kontinuierlich werden seit Jahren die Bürgersteige in der Gemeinde abgesenkt und die Friedhöfe umgebaut. "Unser Friedhofsprogramm ist geradezu mustergültig abgelaufen", lobt Puhl. Behinderten-WCs auf den Friedhöfen Saarwellingen und Schwarzenholz wurden eingerichtet, Reisbach und Saarwellingen-Wald folgen. "Behindertenparkplätze hat die Gemeinde auch angelegt, sogar mehr als ich wollte", sagt Puhl.

Durch den Austausch mit anderen Behindertenbeauftragten hat Puhl auch erfahren, dass diese Interessenvertreter auch an nicht-öffentlichen Sitzungen der Gemeinde teilnehmen dürfen. "Im Landesgesetz steht, dass die Behindertenbeauftragten ebenso wie die Frauenbeauftragten berechtigt sind, beratend an den Sitzungen teilzunehmen", betont Puhl. "Natürlich sind wir zur Verschwiegenheit verpflichtet. Wir haben auch ein Rederecht, dürfen jedoch nicht mit abstimmen."

Dieses Recht macht Puhl nun auch in Saarwellingen geltend. Bürgermeister Michael Philippi (SPD) prüfte sein Ansinnen bei der Kommunalaufsicht und teilte das Ergebnis dem Gemeinderat mit.

Auf der Wunschliste für 2012 steht nun noch ein behindertengerechter Aufzug im Dorfhaus Reisbach, kündigt Puhl an. Aus finanziellen Gründen musste sich die Gemeinde hier vorerst als Notlösung auf einen Treppenlift beschränken. Eine Nachrüstung hat der Bürgermeister versprochen; dafür wurden schon Zuschüsse beim Land beantragt. Foto: privat

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