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Viele Lebensmittel sind zu gut für die Tonne

St Wendel. Mit einem gemeinsamen Stand haben die Saar-Landfrauen und der Entsorgungsverband Saar im St. Wendeler Globus auf die Verschwendung von Lebensmitteln aufmerksam gemacht. Außerdem gab es Tipps zur richtigen Aufbewahrung von Gemüse, Fleisch, Milch und Co. Von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider

Veronica Kisel strahlt übers ganze Gesicht. Ihr Einkaufswagen ist bestückt mit vielen Sonderangeboten. "Ist das nicht toll", sagt sie zu ihrem Gegenüber. "Toll?" Stefanie Eben ringt nach Worten. "Was kaufst du denn so viele Sachen. Ihr seid doch nur zu zweit. Was passiert mit dem Rest?"

"Den schmeiß ich weg", sagt Kisel. Nach dieser Aussage wird das Gespräch der beiden Frauen ruppig und laut. Irritiert tauschen die umstehenden Kunden Blicke aus.

Doch Veronica Kisel und Stefanie Eben vom Improvisationstheater Artefix streiten sich nicht wirklich. Sie wollen auf eine gemeinsame Aktion des Entsorgungsverbandes Saar (EVS) und der Saar-Landfrauen im Globus St. Wendel aufmerksam machen. Innerhalb der europäischen Woche zur Abfallvermeidung haben der EVS und die Landfrauen die Verschwendung von Lebensmitteln zum Thema gemacht. Eine riesige Tonne vollgestopft mit Essensresten soll zeigen, wie viel weggeworfen wird. 82 Kilogramm an Lebensmitteln landen in einem Jahr pro Person im Abfall. Und dass, obwohl vieles davon noch "zu gut für die Tonne ist", was Veronica Kisel, Claudia Knaut, Kerstin Würtz und Stefanie Eben in einem gleichnamigen Lied deutlich machen. Auf die Melodie von Abbas "Mamma mia" melden sie als Banane, Brot, Erdbeere und Salat verkleidet lautstark Protest gegen die Wegwerfmentalität vieler Verbraucher an.

Verbrauchsdatum oder Mindesthaltbarkeitsdatum - diese Begriffe werden oft gleichgesetzt. Und so landen Lebensmittel aus Unsicherheit vorschnell in der Tonne. "Bei abgepacktem Fleisch oder Fisch ist das Verbrauchsdatum verbindlich", erklärt Judith Giese, Projektleiterin von Schul-Ernährungsprojekten bei den Saar-Landfrauen. Nicht so aber bei Eiern. "Sie können noch ein/zwei Wochen nach Verfallsdatum verbraucht werden", so Giese.

Allerdings nur, wenn sie gekocht und verbacken werden. Um festzustellen, ob ein Ei frisch oder schon zu alt ist, haben die Landfrauen noch einen Tipp parat. Eier in ein Glas legen und mit Wasser auffüllen. Das frische Ei schwimmt oben, das alte setzt sich aufrecht auf dem Boden ab.

"So können sie einiges an Geld sparen", verspricht Kerstin Würtz einer Passantin. Die lächelt und scherzt: "Und davon gibt es ein Paar Schuhe für mich."

In einem Lebensmittelquiz werden Alltagsprobleme rund um Lebensmittel angesprochen. Zum Beispiel: "Darf Spinat wieder aufgewärmt werden." "Absolut", ist die Antwort der Ernährungsexpertin Giese. Allerdings müsse er nach dem Kochen in den Kühlschrank. Dann könne er später bedenkenlos aufgewärmt werden.

"Solche Alltagstipps sind gefragt", weiß Daniela Gorsler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des EVS. Die Aktion tourt durchs ganze Saarland. Erste Station war in Saarlouis. "Dort haben viele mit Aha-Effekt den Stand verlassen." Weil sie beispielsweise jetzt wissen, wie der Kühlschrank richtig eingeräumt wird. "Die kühlste Stelle befindet sich direkt über dem Gemüsefach", erklärt Judith Giese. Dort gehöre Fleisch und Fisch hin. Milchprodukte hingegen könnten weiter oben gelagert werden.

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