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So wurde aus der "Plantage" vor 125 Jahren amtlich Ludwigsthal

Ludwigsthal. Im Frühsommer dieses Jahres hat der Pensionärverein Ludwigsthal auf Vorschlag seines Vorsitzenden Adolf Müller die Erinnerung an die Änderung des Ortsnamens von "Plantage" in Ludwigsthal vor 125 Jahren gefeiert Von SZ-Mitarbeiter Gerd Meiser

Ludwigsthal. Im Frühsommer dieses Jahres hat der Pensionärverein Ludwigsthal auf Vorschlag seines Vorsitzenden Adolf Müller die Erinnerung an die Änderung des Ortsnamens von "Plantage" in Ludwigsthal vor 125 Jahren gefeiert. Zum Fest schenkte der ehemalige Furpacher Metzgermeister Bernhard Becker Adolf Müller eine besondere Urkunde: Der Text über den Beschluss des Mittelbexbacher Gemeinderates, den Namen der Siedlung "Plantage" in "Ludwigsthal" umbenennen zu dürfen. In leicht zittriger Sütterlinschrift, der damaligen Kanzleischrift, wird auf einem 40 mal 30 Zentimeter großen, braunen Papier der "1. Beschluss des Gemeinderates von Mittelbexbach bekannt gegeben", dass die Plantage wünscht, den Namen "ihres Landesfürsten" führen zu dürfen. Bei dem Text kann es sich um einen amtlichen Aushang des Gemeinderates, aber auch um eine später kopierte und vergrößerte Protokollseite des Bürgermeisteramtes Mittelbexbach vom 29. August 1884 handeln. Der 78-jährige Bernhard Becker weiß nichts Näheres über das Blatt. Er hatte es lediglich vor Jahren "von einem Rentner gekauft", weil er dachte, "das ist etwas Besonderes". Jetzt aber soll die Urkunde in der Obhut von Adolf Müller bleiben, "wo sie hingehört", wie Becker wünscht. Adolf Müller, Jahrgang 1941, aber will, "nach Rücksprache mit dem Ortsrat", sein Geschenk für "Ludwigsthal nutzen". Wie er auf Vorschlag von SZ-Fotograf Willi Hiegel mit Bernhard Becker überlegte, könnte die Urkunde "in einer Vergrößerung am Ortseingang oder im Ortszentrum angebracht werden". "Da sollten wir uns mit dem Ortsrat noch etwas einfallen lassen", meinte Stuckateurmeister und Diplombautechniker Adolf Müller, auch bekannt als Buchautor und dreifacher Gewinner des ARD-Titels "Witzbold der Nation". Der Text des Beschlusses ist auf ein braunes, grobkörniges, etwa 40 mal 30 Zentimeter großes Papier in Sütterlinschrift geschrieben. Die Nutzung von Satzzeichen ist in dem Text etwas eigenwillig. Der Text lautet: "1. Beschluß des Gemeinderates von Mittelbexbach, 29. August 1884. Die Bewohner der Plantage wünschen den Namen Plantage geändert und dafür den Namen Ludwigsthal führen zu dürfen Laut höchsten Erlasses seiner Majestät König Ludwig II. soll der Ort Plantage fortan Ludwigsthal heißen, Zur beigefügten öffentlichen Kenntnis daß der Ort nur mit Ludwigsthal bezeichnet werden darf. Der Ort müsse es sich zur besonderen Ehre rechnen daß er den Namen seines Landesfürsten führen dürfe. Mittelbexbach 29. August 1884. Das Bürgermeisteramt gez. Schirber." gm




HintergrundAnno 1884 war das Königreich Bayern Teil des 1871 ausgerufenen Deutschen Reiches und reichte linksrheinisch bis vor die Tore der Hüttenstadt Neunkirchen. Am Fuße des Hirschberg, nahe der preußisch-bayerischen Grenze, lag die Siedlung "Plantage". Hier lebten etwa 400 Einwohner, die ihren Ortsnamen etwas despektierlich fanden und daher ihren Gemeinderat, den von Mittelbexbach, um eine Namensänderung nachsuchten. Sie wünschten sich den Namen ihres Landesherrn, König Ludwig II. führen zu dürfen. Was Ende August 1884 als Wunsch veröffentlicht wurde, wurde im Dezember des gleichen Jahres Wirklichkeit. Ihre Majestät, König Ludwig II. erfüllte den Wunsch der Plantager, nachdem der Mittelbexbacher Gemeinderat und das Homburger Bezirksamt die Bitte der Plantager befürwortet hatten. Mitten im Dezember feierten die Ludwigsthaler anno 1884 ihre Namensänderung. gm