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Wegen des Finanzskandals
Saartoto zieht beim LSVS die Daumenschrauben an

 Die Saartoto-Geschäftsführer Michael Burkert (links) und Peter Jacoby.
Die Saartoto-Geschäftsführer Michael Burkert (links) und Peter Jacoby. FOTO: Saartoto / Peter Kerkrath/Saartoto
Saarbrücken. Saartoto will genauer hinschauen, was beim Landessportverband mit Totogeldern geschieht. Man wolle sicher sein, dass alles korrekt laufe. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Das Geschäftsklima und die Rahmenbedingungen für die Saarland Sporttoto GmbH (Saartoto) sind seit fast einem Jahr nicht gerade günstig. Der Finanzskandal beim Landessportverband Saar (LSVS), der sich hauptsächlich aus dem „Sportachtel“ der Saartoto-Erlöse finanziert, treibt die Umsätze keineswegs in die Höhe. Die Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby (CDU) und Michael Burkert (SPD) erreicht aus den 300 Annahmestellen im Land ein kritisches Echo auf die Entwicklungen bei ihrem Gesellschafter LSVS. Dem hoch verschuldeten Verband gehörten 42,86 Prozent der Saartoto-Gesellschaftsanteile. Mehrheitsgesellschafter ist das Land.


Jacoby und Burkert sprechen mit Blick auf das auslaufende Geschäftsjahr von „zugespitzten Rahmenbedingungen“ und meinen damit nicht nur den LSVS-Skandal. Tatsächlich hat die Branche auch mit illegalen Anbietern, die aus Steueroasen agieren, und mit starken Restriktionen bei Werbung und Spielangeboten zu kämpfen. Mittelfristig scheinen die Signale tendenziell auf Umsatzrückgang programmiert. Für 2018 wird derweil in einer Prognose sechs Wochen vor dem Jahresende mit einer stabilen Geschäftslage und leicht steigenden Umsätzen gerechnet. Die Saartoto-Chefs erwarten, wenn alles planläufig läuft, eine leichte Steigerung von knapp zwei Prozent. Im Vorjahr musste noch ein Rückgang um 7,8 Millionen Euro oder 6,2 Prozent auf insgesamt 118,2 Millionen Euro verkraftet werden. 2018 könnten also mit etwas Glück wieder 120 Millionen Euro in der Saartoto-Kasse klingeln, wovon unter dem Strich dann auch der LSVS proftiert. Ursache für die aktuellen Umsatzsteigerungen sind übrigens viele große Jackpots, etwa 90 Millionen Euro im Eurojackot. Solche Spitzengewinne bescheren Kassenschlager.

Der LSVS als Saartoto-Gesellschafter kann also mit mehr Geld aus dem „Sportachtel“ kalkulieren, statt 12,8 Millionen im Jahr 2017 jetzt vielleicht 13 Millionen. Der Verband profitiert aber auch kräftig von anderen Zuweisungen aus der Saartoto-Kasse, die in der Regel durch den Aufsichtsrat verteilt werden. Exakt in diesem Punkt kündigen die beiden Saartoto-Chefs einen etwas anderen Umgang mit ihrem Gesellschafter LSVS um. Die Daumenschrauben werden etwas angezogen. Die Verwendung der zugeteilten Beträge, etwa aus dem Verstärkungsfonds und aus Finanzspritzen für Spitzensportförderung, Sportgymnasium sowie Sporthallensanierung, müssen - auch rückwirkend - nachgewiesen werden. Nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten in der LSVS-Buchführung wurde von Saartoto die Kontrolle verschärft. Beide Geschäftsführer wurden auch von dem ermittelnden Oberstaatsanwalt und dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss als Zeugen vernommen. LSVS-Konsolidierungsberater Michael Blank muss im Zweifel Saartoto die ordnungsgemäße Mittelverwendung bestätigen. „Wir wollen sicher sein, dass alles korrekt läuft“, betonen Jacoby und Burkert, die für dieses Kontroll-Thema einen Fachanwalt als Berater verpflichtet haben.



 Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby.
Saartoto-Geschäftsführer Peter Jacoby. FOTO: Saartoto / Peter Kerkrath/Saartoto