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Lisdorfer Berg: Nabu ist auf Klage vorbereitet

Saarlouis. Der gesetzlich vorgeschriebene ökologische Ausgleich für das geplante Industriegebiet Lisdorfer Berg ist nach einem vom Landesverband des Naturschutzbund (Nabu) vorgelegten Gutachten völlig unzureichend. Der Lisdorfer Berg ist eines der größten in Planung befindlichen Industriegebiete in Deutschland Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Saarlouis. Der gesetzlich vorgeschriebene ökologische Ausgleich für das geplante Industriegebiet Lisdorfer Berg ist nach einem vom Landesverband des Naturschutzbund (Nabu) vorgelegten Gutachten völlig unzureichend. Der Lisdorfer Berg ist eines der größten in Planung befindlichen Industriegebiete in Deutschland. Falls es bei der jetzigen Planung des Ausgleichs bleibt, wird der Nabu dazu ein so genanntes Normenkontrollverfahren anstrengen. "Der Nabu will nicht das Industriegebiet verhindern. Wir wollen aber sicherstellen, dass ein so gewaltiger Eingriff in die Natur fachlich adäquat ausgeglichen wird", sagte Nabu-Landesvorsitzender Ulrich Heintz.Im Normenkontrollverfahren prüft das Gericht, ob die Bausatzung höherrangigen Gesetzesnormen entspricht. Ein solches Verfahren kann zwei bis fünf Jahre dauern.

Kernpunkte der Nabu-Kritik: Eine zu schwache Datenlage und fehlerhafte Bewertungen hätten zu ökologisch falschen Ergebnissen geführt. Und: Zum Teil seltene Arten wie zum Beispiel Feldlerche, Wanderfalke oder Rotmilan können nur einem "offenräumlichen Bereich" wie dem Lisdorfer Berg überleben. Ein Ausgleich müsse sich daher an dieser Funktion als Lebensraum orientieren. Dazu gebe es ein spezielles Planungsverfahren. Stattdessen sei das Planungsbüro im Auftrag der Stadt den Standardweg "Eingriff - Ausgleich" gegangen. Dazu wird der für die Natur verlorene Wert einer Fläche in Punkte umgerechnet. Um diese Punktzahl wird an anderer Stelle eine Naturfläche aufgewertet. Ziel ist der Ausgleich der Punktzahl, nicht der Funktion. Das Planungsbüro hätte den fachlich richtigen Funktionsausgleich gar nicht erbringen können, so das Gutachten. Denn der Stadtrat habe vorgegeben, dass der gesamte Ausgleich auf Stadtgebiet und nur auf Flächen im Eigentum der Stadt abgewickelt werden dürfe. Solche Flächen in der benötigten Größe stünden hier aber gar nicht zur Verfügung, erklärte Nabu-Kreisvorsitzender Ulrich Leyhe.

Meinung

Teppich weg

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Etwa vier Millionen Euro bekommt die Stadt von der Saarländischen Bau und Boden, um den Lisdorfer Berg ökologisch auszugleichen. Das Geld geben wir nur bei uns aus, beschloss der Stadtrat. Das führte zu ökologisch widersinnigen Zwängen, wie der Nabu jetzt nachvollziehbar dokumentiert hat.

Das Industriegebiet Lisdorfer Berg preist Jamaika (CDU, Grüne, FDP) als Öko-Vorzeige-Projekt an. Bleibt es beim mangelhaften Ausgleich der Riesenfläche von rund 160 Hektar, ziehen sich Jamaika und die Stadt bei diesem Prädikat selbst den Teppich unter den Füßen weg. Und Investoren braucht niemand zu suchen, solange ein Gerichtsverfahren laufen würde. Ein korrekter Ausgleich außerhalb der Stadtgrenze ist wohl möglich. Also: Plan ändern!