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Grubenwasser
Kommunen sehen Grubenflutung kritisch

Ex-Grünen-Chef Hubert Ulrich (vorne) und weitere Mitglieder der Bündnis90/Die Grünen haben gestern im Wasserpark in Landsweiler-Reden in Schutzanzügen, mit Masken und symbolischen Giftfässern auf die Gefahren des Grubenwasseranstiegs aufmerksam gemacht.
Ex-Grünen-Chef Hubert Ulrich (vorne) und weitere Mitglieder der Bündnis90/Die Grünen haben gestern im Wasserpark in Landsweiler-Reden in Schutzanzügen, mit Masken und symbolischen Giftfässern auf die Gefahren des Grubenwasseranstiegs aufmerksam gemacht. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Obwohl sich viele Gemeinderäte gegen die RAG-Pläne aussprechen, gab es gestern im Landtagsausschuss auch zuversichtliche Stimmen – und Erfahrungen. Von Johannes Schleuning
Johannes Schleuning

Die meisten sind dagegen. Vertreter von 22 saarländischen Gemeinden haben gestern vor dem Landtagsausschuss für Grubensicherheit und Nachbergbau ihre Positionen zu den Flutungs-Plänen des Bergbaukonzerns RAG wiedergegeben. Die deutliche Mehrheit von ihnen lehnt das Vorhaben als zu risikolastig ab. Argumente sind unter anderem mögliche Hebungen und Senkungen, Tagesbrüche, Ausgasungen, eventuelle Trinkwasserverunreinigungen und weitere Umweltgefahren (wir berichteten).


Vereinzelt gab es jedoch auch weniger kritische Stimmen. So rief Barbara Beckmann-Roh vom Saarländischen Städte- und Gemeindetag dazu auf, „dem Verfahren nicht von vornherein mit Misstrauen zu begegnen“. Es sei eine sorgfältige Risikoabschätzung erforderlich. Der Städte- und Gemeindetag gehe aber davon aus, „dass dies derzeit gewährleistet ist“. Zudem berichtete Jörg Dreistadt (SPD), Bürgermeister von Großrosseln, durchaus positiv von den Erfahrungen mit der Grubenflutung des Bergwerks Warndt. „Die Befürchtungen, die wir hatten, sind nicht eingetreten.“ Im Warndt hatte man vor acht Jahren die Pumpen abgestellt. Das Grubenwasser sei bis heute auf rund 20 Meter über Null angestiegen. Es habe dabei „konsequent Messungen“ gegeben, um die Auswirkungen zu überwachen. „Während der Hebungsphase gab es keine Schäden an Gebäuden und Kanälen“, so Dreistadt. Bei der flächigen Hebung von zehn bis zwölf Zentimetern sei es nicht zu Abrisskanten gekommen. Zudem sei die Trinkwasserqualität unverändert.

Illingens Bürgermeister Armin König (CDU) riet seinen Amtskollegen dagegen: „Lassen sie sich nicht vormachen, dass Hebungen keine großen Schäden auslösen.“ Das vom Bergbau betroffene Gebiet im Saarland nannte er „hochkontaminiert und verseucht“. Das bisherige Planfeststellungsverfahren zu den REAG-Plänen bezeichnete er erneut als fehlerhaft. Nalbachs parteiloser Bürgermeister Peter Lehnert gab in einem längeren Vortrag das langfristige Ziel aus: „Ohne Phase eins, keine Phase zwei.“ Gemeint ist damit, die jetzt diskutierte erste Flutungsphase schon allein mit Blick auf die zweite (von der RAG aber noch nicht beantragte) Phase zu stoppen. In der ersten Phase soll das Grubenwasser bis auf -320 Meter unter Normalnull ansteigen, in der zweiten drucklos in die Saar fließen. Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam (CDU) schlug die Einrichtung eines Ombudsmanns durch Landesregierung und RAG vor, der Fragen von besorgten Bürgern aus einer Hand beantworten sollte.



Ausschussvorsitzender Eugen Roth (SPD) gab den überwiegend skeptischen Gemeindevertretern abschließend mit auf den Weg: „Überlegen sie, ob es wirklich besser ist, mit dem Pumpen auf ewig einen künstlichen Zustand aufrecht zu erhalten, oder ob man nicht einen anderen Weg finden kann.“