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Kita Bruchwiese blieb trotz des Streiks offen

Saarbrücken. Beatrice (5) und Leonore (3) lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Hand in Hand setzen sich die beiden Schwestern zu den anderen auf den Fußboden, um Erzieherin Sonia Gallibert zuzuhören, die gerade aus einem Bilderbuch vorliest. Erst vor wenigen Minuten wurden Beatrice und Leonore von ihrer Mutter in die Kindertagesstätte Bruchwiese gebracht Von SZ-Mitarbeiterin Alexandra Raetzer

Saarbrücken. Beatrice (5) und Leonore (3) lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Hand in Hand setzen sich die beiden Schwestern zu den anderen auf den Fußboden, um Erzieherin Sonia Gallibert zuzuhören, die gerade aus einem Bilderbuch vorliest. Erst vor wenigen Minuten wurden Beatrice und Leonore von ihrer Mutter in die Kindertagesstätte Bruchwiese gebracht. Die Kita ist neu für die beiden Mädchen. Hier kennen sie weder die Erzieherinnen, noch die anderen Kinder. Doch ihre Mutter ist froh, die beiden trotz des Streiks in Saarbrücken gut betreut zu wissen. Denn während gestern alle anderen städtischen Kindertageseinrichtungen, Horte, Abenteuerspielplätze und sozialpädagogischen Bereiche der Ganztagsgrundschulen geschlossen blieben, hatte die Kita Bruchwiese für "Notfälle" geöffnet. "Aus anderen Einrichtungen haben acht Eltern ihre Kinder für heute bei uns angemeldet", erzählt die Leiterin der Kita Bruchwiese, Ursula Staub: "Von unseren 66 Kindern sind heute nur vier da." Die meisten Eltern hätten sich wegen des Streiks um andere Betreuungsmöglichkeiten gekümmert. "Bei manchen springen Freunde oder Verwandte ein. Außerdem haben sich Eltern zusammengeschlossen, um sich gegenseitig mit der Betreuung ihrer Kinder abzuwechseln", weiß Staub. Die meisten Eltern haben Verständnis für die Erzieherinnen. So auch Ovid Kupfer, der seinen Sohn Freddi trotz des Streiks in die Kita bringt. "Als Vater zweier Kinder weiß ich, dass die Erziehung von Kindern eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit ist", sagt Kupfer. Eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen sei daher wichtig. Dennoch ist er froh, dass eine städtische Kita während des Streiks geöffnet bleibt. "Ich und meine Frau sind berufstätig", erklärt er. Eine andere Betreuungsmöglichkeit als die Notfall-Kita konnte auch Nathalie Michael für ihre Söhne Luca (5) und Toni (3) nicht finden. Die Alleinerziehende arbeitet als selbstständige Nageldesignerin. "Wenn hier nicht geöffnet gewesen wäre, hätte ich zu Hause bleiben müssen." Dann hätte der Streik ihr Umsatzeinbußen beschert. "Ärgerlich" sei das schon, sagt Nathalie Michael. Andererseits verstehe sie die Erzieherinnen, die mehr Geld und einen besseren Gesundheitsschutz fordern.Auch die Erzieherinnen der Kita Bruchwiese streiten für bessere Arbeitsbedingungen: "Deshalb arbeiten wir heute natürlich nicht gerne. Und wenn am Nachmittag nicht mehr so viele Kinder hier sind, werden einige Kolleginnen sicher noch zu der Kundgebung auf den Schlossplatz gehen." Bis dahin jedoch bleibt in der Kita Bruchwiese viel zu tun: Denn in der für sie fremden Umgebung brauchen die Gastkinder aus anderen Einrichtungen besonders viel Zuwendung. Auch manche Träne gilt es zu trocknen. So etwa bei Luca, dem der Abschied von seiner Mutter an diesem Morgen besonders schwer fällt. Doch nach wenigen Minuten kann Luca schon wieder lachen: Die Bauklötze, mit denen die anderen spielen, sind einfach zu verlockend.




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