Viel Lärm um Kita-Streik in Saarbrücken

Der unbefristete Kita-Streik bringt viele Eltern in knifflige Situationen. Am Freitagmorgen forderten sie die Gewerkschaften und den Kommunalen Arbeitgeberverband auf, sich im Tarifstreit bald zu einigen.

Laut war es am Freitagvormittag vor dem Saarbrücker Rathaus. Rund 200 Eltern und Kinder waren dort für einen Flashmob zusammengekommen, viele von ihnen mit Kinderrasseln, kleinen Spielzeug-Trommeln und Pfeifen bewaffnet. "Wir machen hier Krach, um zu zeigen, dass die momentane Betreuungssituation so nicht weitergehen kann", sagte Organisatorin Bärbel Kreutzer. Auch Stefan Kerber-Clasen hat geholfen, den Flashmob auf die Beine zu stellen. Es gehe ihm vor allem darum, dass der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) mit den Gewerkschaften verhandele: "Wir brauchen endlich ein Ende des Stillstands." Und auch eine Rückerstattung der Kita-Gebühren sei vonnöten.

Kreutzers fünfjähriger Sohn ist ebenfalls vom Kita-Streik betroffen. In eine Not-Kita kann die Mutter aus Herrensohr ihn nicht schicken. "Philipp ist sehr sensibel und kann sich nicht jeden Tag an eine neue Erzieherin gewöhnen", erläuterte sie. Wie Philipp geht es vielen anderen Kindern, so auch Leslie Dennerts dreijähriger Tochter. Ihre Tochter frage sie jeden Tag, warum sie nicht in die Kita kann. "Da vertraut man ihnen schon das Liebste an, was man hat, und dann enttäuschen die Erzieher die Kinder so", sagte Dennert wütend. Sie sei berufstätig und könne sich nicht ununterbrochen frei nehmen, um auf ihre Tochter aufzupassen. Dennert zeigte sich im Gegensatz zum Kern der Flashmob-Teilnehmer nicht sehr solidarisch mit den Erziehern, sondern appellierte viel mehr an die Moral der Str eikenden: "Wer vom Streik wirklich betroffen ist, ist das schwächste Glied der Bevölkerung: die Kinder." Daher forderte Dennert ein schnelles Ende des Streiks : "Ich möchte, dass mein Kind endlich wieder wohlbehütet wird."

Barbara Müller aus Heusweiler will auch endlich Bewegung. "Mein Sohn vermisst seine Erzieher", erzählte sie. Die Not-Kita könne man vergessen, da es dort gerade mal 50 Plätze gebe. "Nicht genug!", betonte Müller. Nadine Kasper stimmte ihr zu: "Es fehlt an allen Ecken und Enden." Die 31-Jährige hat erst im Februar eine neue Stelle angenommen und befindet sich noch in der Probezeit: "Mein Chef hat mir trotzdem erlaubt, Urlaub zu nehmen", sagte sie. Lange sei das aber nicht mehr möglich. Sie könne ja nicht ihren Jahresurlaub für den Kita-Streik opfern.

Den wütenden Eltern und Kindern stellte sich auch der Saarbrücker Bildungsdezernent Erik Schrader (FDP ). Er verstehe die Demonstrierenden sehr gut. "Auch meine zweijährige Tochter kann momentan nicht in den Kindergarten gehen", erklärte er. Eine Erstattung der Kita-Gebühr sei nur fair. "Die Oberbürgermeisterin und auch das Innenministerium haben sich bereits positiv diesbezüglich geäußert", sagte er. Schrader kündigte Beratungen im Stadtrat dazu an. Zudem bestehe auch die Möglichkeit, seine Kinder in den Räumen der Kita zu betreuen. Die Kita Winterberg steht den Eltern ab kommenden Dienstag täglich von acht bis 16 Uhr zur Verfügung. Ähnliche Vereinbarungen sollen in Scheidt und in Ensheim getroffen werden.

Zu den Verhandlungen zwischen KAV und Gewerkschaften sagte Schrader: "Wir können nur an die Beteiligten appellieren, sich endlich an einen Tisch zusammenzusetzen und zu verhandeln."