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In Sulzbach war's noch nie so sauber

Raimund Luscher und Theodor Maurer reinigen hier gerade die Gehwege in der Sulzbachtalstraße. Foto: Thomas Seeber
Raimund Luscher und Theodor Maurer reinigen hier gerade die Gehwege in der Sulzbachtalstraße. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Zwei Männer von der Erwerbslosen-Selbsthilfe Püttlingen sorgen in der Salzstadt für ein manierliches Erscheinungsbild. Stefan Bohlander

Seit Raimund Luscher und Theodor Maurer in der Salzstadt aufräumen, häuft sich das Lob. Die beiden Mittfünfziger gehen täglich eine fast gleich verlaufende Strecke ab, sammeln Zigarettenstummel, umherfliegendes Papier und sonstigen kleineren Unrat von den Gehwegen der Stadt. Luscher und Maurer sind als Ein-Euro-Jobber Teilnehmer der Maßnahme "Sauberes Sulzbach" des örtlichen Jobcenters.



Dass die beiden ihren Job ernst nehmen, bleibt auch den Bürgern nicht verborgen. Oftmals komme man mit den Menschen ins Gespräch, nehme Lob entgegen, wie sie erzählen, oder man sagt einfach "Hallo". Fünf Werktage die Woche sind sie unterwegs, immer zwischen 7 und 13 Uhr. "Da treffen wir meistens die gleichen Leute", erzählt Raimund Luscher. Er ist 53 Jahre alt und seit Oktober vergangenen Jahres in der Maßnahme, die über die Erwerbslosen-Selbsthilfe Püttlingen läuft und von deren Außenstelle in Dudweiler koordiniert wird.

Er hat Fliesenleger gelernt und dann als Dachdecker gearbeitet. "20 Jahre Bauwesen merkt man in den Knochen", erzählt er. Arthrose und Bandscheiben-Schäden haben ihn dazu gezwungen, seinen Beruf aufzugeben. Umso froher sei er nun, dass er vom Jobcenter die Chance bekommen habe, an dieser Maßnahme teilzunehmen. Spaß macht es ihm. Und akkurat ist er auch. Denn es gibt festgelegte Abschnitte, auf denen er und Theodor Maurer Unrat aufsammeln dürfen, und solche, die von der Kommunalen Dienstleistungs GmbH (KDI) gereinigt werden sollten. Da lasse man Fünfe auch mal gerade sein. "Es bringt ja nichts, wenn ich hier den Dreck wegmache und er ein paar Zentimeter weiter liegen bleibt", so Raimund Luscher.

Kollege Maurer war früher im Hoch- und Tiefbau tätig. Neben Rheuma plagen ihn ebenfalls Probleme mit der Bandscheibe, er war deswegen auch schon in einer Reha-Maßnahme. So sieht er den täglichen Weg vom Vopeliusbad vorbei am Parkplatz der Knappschaftsklinik über den Ravanusaplatz bis hin zum Pelzwarengeschäft Kuschel auch eher sportlich: "Das ist wie ein Spaziergang." Maurer ist seit Juli 2016 in der Maßnahme, die bis Ende Juni angesetzt ist. "Auf jeden Fall würde ich gerne weitermachen", sagt auch er.

Wenn etwas sehr verschmutzt ist, kommt auch schon mal ein Besen zum Vorschein. Wie kürzlich auf dem Ravanusaplatz. "Das sah aus, als hätte jemand eine Party gefeiert", erinnert sich Raimund Luscher.

Dass manche Zeitgenossen ihre Zigaretten auf den Boden werfen, obwohl sie direkt neben den beiden Männern stehen, die immerhin auffallend grelle Sicherheitswesten tragen, wird in Kauf genommen. Ein Gespräch sucht das Duo in Kürze mit der KDI, denn, so Luscher: "Ein paar Hilfsmittel würden uns das Leben leichter machen." Ein Akku-Sauger etwa wäre ganz prima. Zu guter Letzt äußern die Männer die Hoffnung, dass sich Bürgermeister Michael Adam für ihre Weiterbeschäftigung starkmacht.

Bernd Eichmann, der Beschäftigungsleiter der Erwerbslosen-Selbsthilfe Püttlingen, erklärt, dass die Verträge mit den Ein-Euro-Jobbern jeweils ein halbes Jahr laufen, eine Entscheidung zur Verlängerung falle relativ kurzfristig. Eine Übernahme in die KDI wäre optimal. Schließlich machten Luscher und Maurer auch einen tollen Job. Einige sind sich alle in einem Punkt: "Die Maßnahme und die gute Umsetzung kommen der Allgemeinheit zugute."