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Eine schallende Ohrfeige der SHG

Selten haben Worte des Bedauerns so wie eine schallende Ohrfeige gewirkt wie jene von SHG-Verwaltungsdirektor Kurt Wahrheit zur doch schon vollzogenen Verlegung der Palliativ-Station am Merziger Klinikum

Selten haben Worte des Bedauerns so wie eine schallende Ohrfeige gewirkt wie jene von SHG-Verwaltungsdirektor Kurt Wahrheit zur doch schon vollzogenen Verlegung der Palliativ-Station am Merziger Klinikum. Denn der Klinikträger hat die umstrittene Maßnahme durchgezogen, ohne sich wahrnehmbar nur einen Deut um die Proteste zu scheren, die sich in letzter Zeit in Stadtrats- und Kreistags-Resolutionen, in Leserbriefen und zuletzt in 6000 (!) Unterschriften artikuliert hatten. Dass die Verlegung kurz vor Weihnachten erfolgte, wo fast jeder mit den Vorbereitungen auf die Festtage beschäftigt (und abgelenkt) war, gibt dem Ganzen eine weitere bittere Note. Nur durch einen anonymen Hinweis an unsere Zeitung waren die Verlegungspläne überhaupt bekannt geworden.


Die SHG hätte die Verlegung wohl am liebsten heimlich, still und leise abgewickelt. Aber auch der Proteststurm, der sich dagegen erhob, hat die Verantwortlichen offensichtlich nicht angerührt: Mit sturer Konsequenz wurde der Schritt vollzogen - stets mit Verweis auf das große Defizit der Palliativ-Station. In der perversen Logik unseres Gesundheitssystem lässt sich diese Begründung vielleicht nachvollziehen. Doch darf die "finanzielle Notwendigkeit" wirklich ein Argument sein? Ist der würdevolle Umgang mit Menschen, die im Sterben liegen, etwas, was sich nach ökonomischen Kriterien beurteilen lässt? Können wir uns in einem der reichsten Länder der Welt nicht leisten, dass dieser ein "Verlustgeschäft" bleibt? Die SHG hat mit ihrem Vorgehen Vertrauen verspielt. Sie hat Menschen, die sich für etwas eingesetzt haben, enttäuscht und öffentliche Gremien vor den Kopf gestoßen. Dieser Riss wird schwer zu kitten sein.