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Der teure Weg zum Babyglück

Saarbrücken. Ein kleines Würmchen auf dem Monitor des Ultraschallgerätes zu sehen, den Herzschlag dazu zu hören, macht Paare mit Kinderwunsch glückselig. Aber was, wenn sich der sehnlichste Wunsch nicht erfüllt? Chancen, schwanger zu werden, bietet die Reproduktionsmedizin. Der Begriff "künstliche Befruchtung", hat sich dabei in den Sprachgebrauch eingeprägt Von SZ-Mitarbeiterin Heike Theobald

Saarbrücken. Ein kleines Würmchen auf dem Monitor des Ultraschallgerätes zu sehen, den Herzschlag dazu zu hören, macht Paare mit Kinderwunsch glückselig. Aber was, wenn sich der sehnlichste Wunsch nicht erfüllt? Chancen, schwanger zu werden, bietet die Reproduktionsmedizin. Der Begriff "künstliche Befruchtung", hat sich dabei in den Sprachgebrauch eingeprägt. Ein Begriff, den Andreas Giebel vom In-vitro-Fertilisations-Zentrum Saar allerdings nicht gerne hört. Das Zentrum in Saarbrücken berät kinderlose Paare, hilft ihnen, den Kinderwunsch zu erfüllen."Wir reden über eine natürliche Befruchtung in künstlicher Umgebung", sagt Giebel. Er beschreibt den Prozess als Umleitung auf einem geraden Weg, der vielen Paaren versperrt bleibt. Zwischen 1500 und 2000 Patienten suchen jährlich das IVF-Zentrum auf. Sie wollen herausfinden, warum "der gerade Weg" nicht gelingen will. "Manchen ist im Kleinen schon geholfen, durch Aufklärung und Informationen", sagt Giebel. In 25 Prozent aller Fälle ließe sich der Kinderwunsch jedoch nicht erfüllen.

Mit der Universitätsklinik Homburg gibt es im Saarland ein weiteres Zentrum, das versucht, kinderlosen Paaren zu helfen. Die Reproduktionsmedizin ist eine der drei Säulen der Klinik für Frauenheilkunde. "Bei uns erfolgen jährlich etwa 75 künstliche Befruchtungen mit einer 20-prozentigen Baby-take-home-Rate", sagt Professor Erich-Franz Solomayer, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin.

Zwischen 750 und 800 Befruchtungen im Glas pro Jahr nimmt das Team im IFV-Zentrum in Saarbrücken bei Patientinnen vor. Zwischen 1200 und 1300 Euro müssen die Patienten für eine In-vitro-Fertilisation (eine Reagenzglasbefruchtung, bei der das Sperma alleine zur Eizelle wandert), kurz IVF, selbst zahlen. Zwischen 1400 und 1500 Euro liegen die Kosten für eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ein Einspritzen des Samens in die Eizelle), kurz ICSI. Maximal drei Versuche werden bezuschusst.

Das Durchschnittsalter bei Frauen, die sich für die Reproduktionsmedizin entscheiden, liegt, laut Giebel, bei 35 Jahren. Die größte Chance schwanger zu werden bestünde allerdings mit 51,2 Prozent bei Frauen unter 30 Jahren, 39 Prozent sind es bei Frauen im Alter zwischen 31 und 37 Jahren, lediglich 20 Prozent werden mit über 39 Jahren schwanger.

Dr. Klaus Bühler, Vorsitzender des Deutschen IVF-Registers (DIR), empfiehlt Frauen, nicht zu lange zu warten, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen: "Die innere Uhr tickt bereits mit 32." DIR ist eine Maßnahme zur Qualitätssicherung in der humanen Reproduktionsmedizin in Deutschland. Die Statistik des Registers zeigt auf, dass seit 1996 in Deutschland 160 000 Kinder über eine Befruchtung aus dem Reagenzglas zur Welt kamen. Allerdings erhielt die Reproduktionsmedizin 2004 einen Dämpfer, als das Gesetz geändert wurde und Patienten die Hälfte der Kosten übernehmen mussten.

Das Saarland scheiterte 2008 auf Bundesebene mit dem Versuch, dieses Gesetz nochmals zu Gunsten der Kinderwunsch-Paare zu ändern. Mit Thüringen gemeinsam soll nun ein neuer Vorstoß gewagt werden. Die Gesamtkosten sollen, laut Antrag, jeweils zur Hälfte von Krankenkassen und Bund getragen werden. "Die Äußerungen von Bundesfamilienministerin Schröder geben begründete Hoffnung, dass wir dieses Mal mehr Zustimmung erhalten", erklärt Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) der SZ. Ein weiterer Antrag liegt von Mecklenburg-Vorpommern vor. Danach soll sich der Bund zumindest mit 25 Prozent beteiligen. Der Bundesrat befasst sich morgen in seiner Sitzung mit der Kostenübernahme.

Meinung

Seid fruchtbar und…

Von SZ-RedakteurDietmar Klostermann

Es ist sicher nur Zufall, dass ausgerechnet während des Papstbesuchs der Bundesrat befindet, ob die künstliche Befruchtung stärker gefördert wird. Doch es geht den Politikern weniger um Ethik als ums liebe Geld. Bereits bei der Abschaffung der vollen Förderung für Babys aus Reagenzgläsern stand dieser Gedanke obenan. Was nicht sein kann: Denn nicht nur für die potenziellen Eltern ist ein Erfolg bei diesen Versuchen ein großes Glück, sondern auch für Vater Staat. Der doch stets über das Aussterben der Bevölkerung lamentiert. Deshalb: Volle Förderung, damit alle Eltern die Chance haben, sich und unsere Gesellschaft zu beglücken.