Wichtig ist, das Eigene zu finden

Der Völklinger Verein Kulturgut hatte in seiner Reihe „Diskuthek“ junge Völklinger Künstler aufs Podium gebeten. Nicht nur zum Auftritt, sondern auch zum Gespräch. Das Publikum im Alten Bahnhof war neugierig.

Was Philipp Leon Altmeyer geblieben ist von der Zeit während "The Voice of Germany 2014" und wie es mit ihm weitergeht: Das interessierte das Publikum bei der jüngsten Auflage der Reihe "Diskuthek", zu der der Völklinger Verein Kulturgut am Donnerstagabend in den Alten Bahnhof Völklingen eingeladen hatte. Wie das Namens-Wortspiel - eine Mischung aus Diskussion und Diskothek - sagt, geht es nicht nur um musikalische Vorträge, sondern auch um das Gespräch. Altmeyer, einer der jungen Völklinger Künstler auf dem Podium, beschreibt das kurz "The Voice" genannte Erlebnis als aufregend und spannend. Bis ins Finale hat er es geschafft, und das hat ihm einen riesigen Bekanntheitsgrad eingebracht, wie ihm Moderator Roland Helm entlockte. "Und mit ,The Voice' kamen die Fans", blickt der Sänger zurück, der, kaum dass er sprechen konnte, mit Opa Theo Pelgen musiziert hat. Der Großvater am Piano, der Enkel "Hänschen klein" singend. Fans - das sind vor allem Mädchen. "Von zwölf bis ich weiß nicht, und die gehen richtig ran", sagt er, und der Blick verrät mehr als die Worte.

Altmeyer will sich Zeit lassen

Aber eigentlich will er die The-Voice-Zeit hinter sich lassen. Zuerst habe er sich selbst unter Druck gesetzt, den gewonnenen Ruhm schnell in Eigenproduktion und Erfolg umzuwandeln. Dann aber erkannt, dass er zunächst wieder zu sich finden, sich erden müsse. Dazu habe ihm auch sein jetziges Management geraten: "Sie sagten: ‚Lass dir Zeit', und dafür bin ich ihnen dankbar."

Ein weiterer Blick zurück. "Da sitzt meine Grundschullehrerin", verrät er und zeigt auf Traudl Bennoit, damals an der Haydn-Schule tätig, jetzt ehrenamtlich bei Kulturgut engagiert. Ob schon der Grundschüler mit musikalischen Leistungen aufgefallen ist, wird nicht thematisiert. Dafür die Zeit, als er im Bandprojekt des Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasiums gespielt hat. Zunächst nur Gitarre. "Aber wir fanden keinen Sänger , und da ich sowieso meist mitgesungen habe, haben mich die Bandkollegen gefragt: Warum singst du nicht?" Er sang, mit wachsendem Erfolg. Derzeit produziert er Eigenes. Zu hören war davon noch nichts. "Schneckenhaus" von Joris spielte er am Bahnhof und kündigte an: "Es wird etwas in der Richtung sein." Auf jeden Fall in Deutsch: "Mit englischen Titeln kann man zwar stimmlich mehr glänzen, aber man kann nie soviel reinstecken wie in der Muttersprache."

Classic Rock ist das Ding der Band Compliment for Soul, die die Diskuthek eröffnen. Mit Beatles und Pink Floyd , "Come together" und "Wish you were here". "Meine Eltern hatten diese Musik im Regal stehen, und diese Titel sind bei mir hängen geblieben", sagt Sänger Lukas Schüssler. Warum junge Leute so alte Musik spielen? Gitarrist Philipp Roth sagt: "Wenn du heute das Radio einschaltest, das ist ja nicht mehr auszuhalten. Bis auf wenige Ausnahmen." Also hat er sich für Classic Rock entschieden.

Vorbild St. Wendel?

Was in Völklingen in Sachen Musik passiert, sei okay, meinen die beiden - sie nennen aber St. Wendel als Vorbild. Lukas: "Wahnsinn, was da abgeht, ein Stadtfest mit sechs Bühnen." Philipp vermutet: "Wahrscheinlich liegt es wie so oft am fehlenden Geld."

Geld für einen guten Zweck will Marco Marian, der als Marco Twist akrobatisch Breakdance tanzt, mit einer Tanzveranstaltung sammeln. Das verkündet er unmittelbar nach seinem Auftrit in der Diskuthek. Das Wohl von Kindern ist ihm wichtig, so trainiert er auch 60 Jungs und Mädchen beim Völklinger Tanzsportclub Royal.