Schafbrücker feiern mit Flüchtlingen

Das Netzwerk „Ankommen“ hatte mit Feuerwehr und Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Schule ein Fest mit Flüchtlingen organisiert. Mit Schwedenfeuer, Musik, Schwenker, Kabsi und ganz vielen Gesprächen.

Berührungsängste gibt es keine mehr im ehemaligen Schafbrücker Schulhaus. Das zeigt sich am Donnerstagabend schon bei der Begrüßung. Saarbrückens Feuerwehrchef Josef Schun begrüßt die Männer draußen in deren Heimatsprache. Wegen der täglichen Besuche hat er die Aussprache gut drauf. Glaubt er zumindest. Denn die Begrüßten schmunzeln, als sie den Gruß erwidern. "Hab ich was falsch gemacht?", fragt Schun verdutzt. Noch mehr Lachen. "Sehr, sehr, sehr welcome", klärt man ihn auf. Ein Flachs, wie er unter guten Bekannten üblich ist.

Wo einst die Schafbrücker ABC-Schützen und dann die Anhänger der Montessori-Pädagogik fürs Leben lernten, sind seit Mitte Oktober Flüchtlinge untergebracht. 69 sind es aktuell, mittwochs kommen stets einige dazu, die Woche über verlassen Einwohner das Übergangsheim, in dem maximal 80 Menschen Platz fänden. Schun ist dieses Mal gekommen, weil das Netzwerk "Ankommen" gemeinsam mit der Stadt und der Feuerwehr ein weihnachtliches Nachbarschaftsfest organisiert hat.

Die Neuankömmlinge kochen in der Küche, die Feuerwehrleute aus dem Löschbezirk St. Arnual schwenken auf dem einstigen Schulhof und haben allerhand Getränke mitgebracht. Ringsum zündet man Schwedenfeuer an - es wird richtig heimelig. Die chilenische Gruppe Musikandes spielt, Nachbarn haben weihnachtliche Beiträge angekündigt.

"Hier in Schafbrücke lief es gleich unproblematisch", sagt Saarbrückens Integrationsbeauftragte Veronika Kabis. Das habe sich schon vor einigen Wochen bei einer Informationsveranstaltung gezeigt. Wenn es Probleme gebe, dann höchstens damit, die riesige Hilfsbereitschaft zu kanalisieren. Hady Abdeli, der Vorsitzende des Sportvereins, ist auch zum Nachbarschaftsfest gekommen: "Wir waren schon gleich zu Anfang im Oktober da, haben Kuchen mitgebracht." Andere haben gebrauchte Sofas abgegeben, sie schaffen etwas Gemütlichkeit im Gemeinschaftsraum. Die Schlafplätze dagegen sind spartanisch. Schmale Alu-Gestelle mit einem Tuch als Pritsche, einstige Bunkerbetten, dreistöckig aufgebaut, aber nur zwei Bettenetagen werden genutzt. Schmale Spinde müssen für die Habseligkeiten reichen, wird die Kapazität ausgenutzt, teilt man sich einen der acht ehemaligen Klassensäle zu zehnt. Nicht mehr wiederzuerkennen sind die einstigen Schultoiletten. Die Kloschüsseln sind aus den Kabinen verschwunden, stattdessen hat der städtische Gebäudemanagementbetrieb (GMS) innerhalb weniger Tage Waschzellen auf der einen, Duschzellen auf der anderen Seite einbauen lassen. Oben, wo die Feuerwehrleute ihr Dienstzimmer haben, dann ein unkomplizierter und gelungener Versuch, all das in die richtigen Bahnen zu lenken, was Nachbarn und Vereine so anbieten. Ein zusätzlicher Deutschkurs in der Einrichtung als Ergänzung zu den Pflichtstunden im Carl-Duisberg-Zentrum. Sportangebote und vieles mehr einfach auf verschiedenen Aushängen an die Wand gepinnt. Wer Interesse hat, trägt sich einfach ein.

Inzwischen knistern draußen die angezündeten Baumstämme, im Haus und auf dem einstigen Pausenhof herrscht munteres Treiben, Alteingesessene und Neuankömmlinge sind neugierig aufeinander. Dass sie sich rege miteinander unterhalten, zeigt nicht nur das Stimmengewirr. Zur Verständigung sind nämlich noch allerhand Gesten notwendig.