Ein Grünstreifen für die Bundesstraße 40

Baustelle auf der B 40 zwischen Schafbrücke und Rentrisch: Der Bund übergibt die Straße an das Land und investiert viel Geld, um die Fahrbahn schmäler zu bauen. SZ-Leser-Reporterin Gertrud Kronz sieht darin keinen Sinn.

Auf einer gut ausgebauten, breiten Bundesstraße lässt es sich angenehm fahren. Und Autofahrer kommen zügig voran. So war es bisher auch auf der Kaiserstraße - so heißt der Abschnitt der Bundesstraße 40 zwischen Schafbrücke und Rentrisch. Kein Grund also, diese Straße baulich zu verändern, findet Leser-Reporterin Gertrud Kronz. Der Bund ist da anderer Meinung.

Parallel zu diesem Teil der B 40 verläuft die Autobahn 6. Da die meisten Kraftfahrzeuge auch problemlos die A 6 nehmen können, sieht der Bund keinen Grund, beide Straßen zu unterhalten - sagt Wolfgang Sauer, Leiter des Fachbereichs Straßenbau beim Landesbetrieb für Straßenbau in Neunkirchen. Also solle ab dem Jahreswechsel das Saarland für diesen Teil der B 40 zuständig sein.

Und Manuela Vanoli vom Landesbetrieb für Straßenbau ergänzt: Der Bund hat die Straße vermessen und festgestellt, dass die Fahrbahn 5,22 breit ist. Das aber sei zu viel - sowohl für eine Landstraße als auch für eine Bundesstraße. Beide dürften - laut bundesweit gültiger Richtlinie - maximal 3,75 Meter breit sein. Damit die Straße bei der Übergabe in einem ordnungsgemäßen und guten Zustand sei, solle sie schmäler gemacht werden. Dazu werde ein Grünstreifen angelegt. Außerdem erneuere der Bund die Fahrbahn. Das alles koste den Bund etwa 1,2 Millionen Euro. Durch diesen "Rückbau" würden für das Land aber in Zukunft geringere Unterhaltungskosten anfallen - zum Beispiel im Hinblick auf die Winterdienste.

Vor einer Woche haben die Bauarbeiten begonnen. Die Fahrbahn der Kaiserstraße wird ab dem Grumbachtalweg in Richtung St. Ingbert auf einer Länge von 870 Metern verschmälert und zwischen "Am Katzental" und dem Ortseingang Rentrisch auf einer Länge von 340 Metern. Das teilte der Landesbetrieb für Straßenbau mit.

SZ-Leser-Reporterin Gertrud Kronz versteht nicht, warum dafür "unsere Steuergelder aus dem Fenster geworfen werden". Kronz: "Wenn es tatsächlich Rechtsvorschriften über die Breite von Bundes- und Landstraßen gibt, können die doch nur bei der ersten Anlegung von Straßen gelten. Aber nachträglich eine in gutem Zustand befindliche Straße zu verschmälern, ist für mich unsinnig."

Das Land ist gegen die Entscheidung des Bundes aber machtlos, sagt Sauer. Auch er ist der Meinung, dass es einige Landstraßen in schlechtem Zustand gibt, in die eher investiert werden müsste. Doch dafür fehle das Geld.

Dennoch sieht Sauer auch Vorteile in der baulichen Veränderung: "Auf der breiten Bundesstraße sind viele zu schnell gefahren. Das wird hoffentlich nicht mehr so sein, wenn die Straße schmäler ist." Außerdem sei die Straße hauptsächlich von Lkw genutzt worden. Und die könnten auf die Autobahn ausweichen. Im Dezember solle die neue - schmalere - Landstraße fertig sein.

Meinung:

So ein Quatsch!

Von SZ-Redaktionsmitglied Patricia Heine

Schlaglöcher, klappernde Kanaldeckel oder abgebrochene Fahrbahnränder - es gibt viele Gründe, warum Straßen dringend saniert werden müssten. Aber sicher nicht, weil sie zu breit sind. Erst im Sommer legte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ein milliardenschweres Programm zur Sanierung maroder Straßen auf. 1,5 Milliarden Euro will er bis 2017/18 für Autobahnen und Bundesstraßen ausgeben. Anscheinend weiß der Bund gar nicht, wohin mit dem Geld. Da kommt er schon mal auf die Idee, eine völlig intakte B 40 unsinnigerweise schmäler zu machen. Kein Wunder, dass sich die Bürger veräppelt fühlen. Schließlich sind es ihre Steuern, die so verplempert werden. Und die Straßen, die es wirklich nötig haben, bleiben auf der Strecke. Dafür fehlt es dem Land an Geld. Für Autofahrer geht der Schlagloch-Wahnsinn auf vielen Straßen also weiter. Dafür verschönert ein Grünstreifen ab Dezember die B 40. Herzlichen Dank lieber Bund.