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Die Kreativität von Heike Petersen und Stefan Petersen aus Saarbrücken kennt keine Grenzen

Porträt : Zwei Saarbrücker Köpfe voller Kreativität

Heike und Stefan Petersens Haus in Schafbrücke strotzt nur so vor Kunsthandwerk. Auch Treibholz findet seinen Platz.

Tiefenentspannt. So wirken Heike und Stefan Petersen an diesem kühlen Mittwochmorgen in ihrem Heim im Saarbrücker Stadtteil Schafbrücke. Vielleicht muss man genau das sein, als Eltern von Engeln. Was jetzt gar nicht auf Sohn und Tochter abzielt – kreative junge Leute Mitte 20, die sich beide dem Kochen verschrieben haben und längst flügge sind. Nein, es dreht sich um die Treibholzengel. Die gehören seit acht Jahren zum Leben der diplomierten Pädagogin und des gelernten Augenoptikers – als eines von vielen gemeinsamen Projekten, wie etwa dieses Haus wohnlich zu machen oder auf Flohmärkten ihrer Jäger- und Sammler-Passion zu frönen. „Das Schöne ist, dass wir beide so viel Spaß dran haben“, sagt Heike Petersen.

Das wichtigste Kriterium ist für Stefan Petersen, „gestalterisch eine gute Lösung zu finden“. „So haben wir auch die Kinder großgezogen“, nickt seine Frau. „Statt problemorientiert sein lieber gucken, was kann man machen, dass es wieder gut geht. Das ist unser Lebensinhalt – nicht verharren in dem, was nicht läuft.“ Positives Denken kultivieren also. „Optimismusvöllerei“, nennt es Stefan Petersen.

Eine Lösung – oder besser eine Bestimmung – fanden die Petersens auch für die Treibholzstücke, die sie von ihren ausgedehnten Spaziergängen an der französischen Atlantikküste regelmäßig mitbringen. Was man sich als regelrechte Beutezüge vorstellen muss, erzählt das Paar amüsiert. „Meer, Sand, Wind – das fließt bei Treibholz alles ein. Die Natur schafft so viele Formen und Strukturen.“ Weshalb es keiner von beiden übers Herz bringt, ein besonders schönes Exemplar zurückzulassen. Lieber schleppen sie die Bruchstücke etappenweise, mit Verschnaufpausen dazwischen, zum Campingplatz.

„Der Ursprung war die Malschule“, erinnert Stefan Petersen. 18 Jahre ermöglichte seine Frau in Schafbrücken Kindern und Jugendlichen einen sehr lebendigen Zugang zur Malerei: „Die Idee war, dass sie mit den Farben aus dem Vollen schöpfen und sich dabei ruhig bekleckern können“, fasst sie zusammen.

Überall im Haus begegnet man Kunst und Kunsthandwerk der Gastgeberin. Allesamt farben- und lebensfrohe Werke mit dem Potenzial, den Betrachter still vor sich hin lächeln zu lassen. Paradebeispiele sind die animalischen Porträts der „freundlichen Gesellen“, auf denen ein Schwein schon mal Perlenkette trägt, oder bei ihren „Gehörnten“: Fisch-, Papagei- und andere Tierköpfe aus Filz, den allen ein paar echte Hörner aus der Wolle „wachsen“. Auch so eine Upcycling-Geschichte: Die Geweihe stammen aus der Hütte in Mittersheim am See, die Petersens Familie gehört. Statt die Jagdtrophäen beim Bezug zu entsorgen, schenkte die Hobbykünstlerin ihnen ein zweites Leben.

Die Hütte, idyllisch gelegen am Wasser, ist der stete Rückzugsort der Petersens, ihre Oase, ihr Kreativquartier – mit ganz viel Natur und das Storchennest im Garten. Hier entstehen auch die Engel mit ihren besonderen Treibholzkörpern, den Kupfer-Köpfen und, „wir entwickeln das ja immer weiter“, inzwischen Betonfüßen. „Die gießt Stefan“, erklärt Heike. Der kann zwar auch anders, immerhin war er Jahrzehnte als Brillendesigner selbstständig – aber im künstlerischen Team ist er der Mann fürs Grobe: „Er hämmert, klopft, sägt.“

Anders als ihr Mann stammt Heike Petersen nicht von hier. Gebürtig in Frankfurt, führte sie die Liebe vor drei Jahrzehnten an die Saar. „Dann bin ich hängengeblieben.“ Und zwar „gern“. Beruflich hat sie 20 Jahre mit Straffälligen gearbeitet. Die Kunst und ihre kreative Ader kamen ihr dabei immer zugute. Woran sich bis heute nichts geändert hat – sowohl im Hinblick auf ihre Tätigkeit als Familienhelferin und im Umgang mit psychisch kranken Erwachsenen, als auch nach Feierabend: „Das ist ein Superausgleich, ideal, um Kraft zu schöpfen“. Faulenzen jedenfalls scheint keine echte Option zu sein, weder für sie noch für ihn. „Nichts tun ist nicht so befriedigend wie etwas künstlerisches.“