SPD-Ortsvorsitzender in St. Ingbert schließt erneute Kandidatur aus

Public Viewing : SPD in St. Ingbert diskutiert über Bundesvorsitz

Beim „Public Viewing“ machten sich die Sozialdemokrtaten ein Bild von den Kandidaten für den Bundesvorsitz. Der Ortsvorsitzende Sven Meier schließt eine erneute Kandidatur derweil aus.

Richtig zufrieden war Sven Meier nicht. Zumindest bei der Resonanz auf das „Public Viewing“ zur Vorstellung der Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz sah der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins St. Ingbert noch Luft nach oben. Etwa ein Dutzend Genossen hatten sich am Samstagmorgen in der Kinowerkstatt eingefunden, wo die Live-Übertragung aus dem Münchner Löwenbräukeller von der SPD-eigenen Webseite „unsere.spd.de“ auf die große Leinwand projiziert wurde.

Die öffentliche Übertragung und die breit angelegte Diskussion fanden jedoch sein ausdrückliches Lob. „Das ist ja wichtig für die ganze Partei“, so Sven Meier. Zur Erinnerung: Ab Montag dürfen alle der etwa 426 000 Mitglieder darüber abstimmen, welches Führungsduo ab der Wahl Anfang Dezember die Geschicke der größten und ältesten Partei des Landes in Zukunft lenken wird. Die Neuwahl ist nötig, da die damalige Vorsitzende Andrea Nahles im Juni vorzeitig zurücktrat.

Die Mitglieder in München zeigten sich altersmäßig gut durchmischt und bohrten die Kandidaten mit Fragen, die sie bewegten. Um die „katastrophalen Missverhältnisse“ zwischen Arm und Reich ging es da. Die Massentierhaltung und der damit zusammenhängende Lobbyismus kamen ebenso zur Sprache wie die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, die Legalisierung von Cannabis und das verstaubte Image. Sogar die CDU würde von mehr jüngeren Leuten gewählt als die SPD.

Die Vorstellung diente der Meinungsbildung – doch diese fiel teils deutlich unterschiedlich aus. Ludwig Thiel beispielsweise sprach sich sowohl vor als auch nach der Diskussion für sein favorisiertes Duo Gesine Schwan und Ralf Stegner aus. Die beiden werden dem linken Parteiflügel zugeordnet. Dazu passt Thiels Aussage: „Ich bin vom Grunde meines Herzens Sozialdemokrat.“ Seit 53 Jahren ist er Mitglied seiner Partei und saß auch selbst 20 Jahre lang im St. Ingberter Stadtrat. Mittlerweile habe er den Eindruck, dass es auf Bundesebene mehr Offenheit für neue Strukturen gebe.

Eva Buchheit wiederum, ebenfalls ehemaliges Mitglied des Stadtrates, müsse nun noch mehr recherchieren, um sich eine abschließende Meinung zu bilden. „So konzentriert habe ich das noch nie gesehen und gehört“, sagte sie über die Positionen der Bewerber für den Bundesvorsitz. Nichtsdestotrotz lägen die Duos Saskia Esken/Norbert Walter-Borjans und Nina Scheer/Karl Lauterbach in ihrer Gunst vorne. Dennoch lägen nicht nur vor der SPD, sondern vor allen etablierten Parteien große Herausforderungen, die es zu bewältigen gelte.

Für Sven Meier selbst würden Christina Kampmann und Michael Roth ein optimales Paar an der Spitze abgeben. „Es sollten schon jüngere Kräfte ran“, sagte er über die 39-jährige Landtagsabgeordnete von Nordrhein-Westfalen und den 49-jährigen Staatsminister für Europa.

Die beiden ehemaligen SPD-Stadträte Eva Buchheit und Ludwig Thiel machten sich einen Eindruck von den Kandidaten für den Bundesvorsitz. Foto: Stefan Bohlander

Im Ortsverein St. Ingbert möchte man übrigens mit gutem Beispiel vorangehen. So trete er selbst bei der nächsten Wahl nicht mehr als Vorsitzender an, um Platz für Jüngere zu machen, für „neue Köpfe mit neuen Ideen“. Zudem habe man bereits einige jüngere Menschen für die Vorstandsarbeit gewinnen können und habe alle Posten paritätisch besetzt. Immerhin, so Sven Meier: „Es geht ja um die Verjüngung der SPD.“