OB-Kandidat Sven Meier (SPD) aus St. Ingbert stellt Wahlkampfmotto vor

Wir stellen die OB-Kandidaten vor : Sven Meier betont die Sachlichkeit

Am 26. Mai findet neben der Kommunal- und Europawahl auch die Abstimmung über den Oberbürgermeister statt. Drei Bewerber treten in St. Ingbert zur Wahl an. Wir stellen sie vor. Heute der Kandidat der SPD.

Sven Meier tritt bei der Kommunalwahl am 26. Mai als SPD-Kandidat für den Posten des Oberbürgermeisters an. Der gebürtige Lübecker ist bereits seit 35 Jahren kommunalpolitisch in St. Ingbert engagiert. Sein Wahlkampfmotto ist dabei gleichzeitig auch das der SPD: „Modern - Sicher - Sozial“ lautet der Slogan, den Meier beim Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung vorgestellt hat. Doch ein Wort ist Sven Meier viel wichtiger, und das lautet: „Sachlichkeit“. Ganz bewusst habe die SPD den Wahlkampf in diesem Jahr nicht so groß angelegt wie bei der letzten Oberbürgermeisterwahl, verrät der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes. „Insgesamt versuchen wir als Opposition uns nicht dazu verleiten zu lassen, an den teils sehr persönlich geführten Diskussionen teilzunehmen“, sagt Meier. Und so fokussiert sich der OB-Kandidat eher auf Themen als auf Selbstdarstellung.

Daher präsentiert sich auch Meier im Wahlkampf: als Gegenentwurf zu OB Hans Wagner. „Mit Facebook-Spielchen kann man keine Stadt regieren und mit Bergmannsampelmännchen macht man eine Stadt nicht zukunftssicher“, adressiert Meier an seine Mitbewerber. Deshalb sei es sein Ziel „sachorientiert und sinnvoll mit dem Stadtrat zusammenzuarbeiten“ und in St. Ingbert „zukunftsfest“ zu werden. Als wichtiges Ziel nennt Meier die Erschließung neuer Flächen für Gewerbe und Wohnen. „Wir brauchen Expansionsmöglichkeiten, auch für bestehende Unternehmen. Wir waren auf dem Kleber-Nord-Gelände nicht schnell genug, deshalb ist die Festo auch nach Neunkirchen abgewandert“, sagt Meier. Es sei recht aufwendig, neue Flächen zu erschließen. Der amtierende OB habe das versäumt, auch beim Wohnungsbau. Ein Beispiel hierfür sei die Fideliswiese, für die verschieden Möglichkeiten existiert hätten. „Über die hätte man reden müssen. Wir brauchen nämlich bezahlbaren und sozialen Wohnraum. Stattdessen wurde die Bürgerschaft aufgehetzt“, sagt der SPD-Kandidat.

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hält Meier für ein wichtiges Thema. „Eigentlich müssen wir als städtischer Träger von Kindertagesstätten dafür sorgen, dass wir eine Abdeckung von 50 Prozent hinbekommen. Wir stehen aktuell bei 39 Prozent“, so Meier. Deshalb müssten dringend neue Kita-Plätze geschaffen werden, auch in Abstimmung mit den großen Arbeitgebern vor Ort. „Die Öffnungszeiten müssen da flexibel beispielsweise an Schichtmodelle angepasst werden.“ Überhaupt sieht Meier die Politik bei vielen Sachfragen in der Pflicht, sei es die Erhaltung der Musikschule, der VHS oder die Fertigstellung der Baumwollspinnerei. „Wir verfügen in St. Ingbert zum Beispiel mit Albert Weisgerber über ein breites kulturelles Angebot. Das muss für alle zugänglich sein“, sagt der OB-Kandidat. Hans Wagner habe sieben Jahre Zeit gehabt das zu realisieren. Aber passiert sei „gar nichts“. Für die Baumwollspinnerei hält Meier einen Zeitrahmen von vier Jahren für realistisch. Deren Fertigstellung sei sowohl „touristisch wie auch pädagogisch“ wünschenswert.

Um diese Vielzahl an Projekten im Falle eines Wahlerfolgs realisieren zu können, will Meier auf eine gute Kommunikation mit dem Stadtrat setzen. Das sei in einer diversifizierten Parteienlandschaft zwar schwierig, aber Teil der Aufgabe eines Bürgermeisters. „Dafür muss man aber entsprechende Strukturen schaffen, man muss mit Mitgliedern des Stadtrates sprechen und nicht bloß den eigenen Interessen frönen“, sagt Meier. „Der OB ist nicht dafür da, den Stadtrat ständig zu konfrontieren, er ist ein Mehrheitsbeschaffer.“ Auch das habe der amtierende Oberbürgermeister in seiner Amtszeit versäumt. „Es ist schon erstaunlich, wo der Amtsinhaber meint, seine Mehrheit finden zu müssen“, sagt Meier im Hinblick auf das viel diskutierte Treffen zwischen Hans Wagner und Vertretern der AfD. „Insbesondere dann, wenn man sieben Jahre lang keinen Austausch mit den gewählten Vertretern der Stadt hinbekommen hat. In meinen Augen war das eine klare gegenseitige Wahlkampfunterstützung zwischen AfD und dem amtierenden Oberbürgermeister.“

In den Reihen der SPD gebe es noch keine Absprachen für die Zeit nach der Wahl. Man hoffe aber auf ein ähnliches Ergebnis wie beim letzten Urnengang. „Zweitstärkste Kraft im Stadtrat ist drin, da habe ich keine Befürchtungen“, sagt Meier. Einen weiteren Blick in die Glaskugel gestattet er sich allerdings nicht, insbesondere nicht im Hinblick auf den Ausgang der OB-Wahl. Einen letzten Seitenhieb auf Wagner kann sich Meier jedoch nicht verkneifen: „Erfahrungsgemäß gewinnt der amtierende Oberbürgermeister in St. Ingbert nicht immer.“

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