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Neujahrskonzert der Bergkapelle in der Stadthalle St. Ingbert

Neujahrskonzert in St. Ingbert : Mit dem „Vergnügungszug“ ins neue Jahr

Zum 19. Mal lud die Bergkapelle St. Ingbert zum Jahresauftakt zu ihrem Neujahrskonzert ein. Vor einem voll besetzten Haus entführten die Musiker in die Welt der Operette.

Dass ein der Bergbautradition verpflichtetes Orchester noch anderes drauf hat, als „nur“ bekannte „Untertage-Melodien“ zu spielen, beweist die Bergkapelle St. Ingbert vor allem jedes Jahr mit ihrem Neujahrskonzert. Angelehnt an den Ritus der Wiener Philharmoniker, die ebenfalls das Jahr mit einem solchen Auftritt am 1. Januar beginnen, läutete das saarländische Orchester zum 19. Mal ein gerade begonnenes Jahr musikalisch ein. So wie beim großen Vorbild auch, steht bei den St. Ingbertern die leichte Muse im Vordergrund. Nun ist die Stadthalle kein Wiener Musikverein, das Orchester nicht das weltberühmte Wiener Ensemble und auch das Publikum gehört nicht der Upper Class an, aber genau das macht den Charme und Erfolg dieser Veranstaltung aus.

Dem Anlass entsprechend begrüßt mit einem Glas Sekt, den nach allen Seiten ausgeteilten guten Wünschen zum neuen Jahr, nahmen die dem Anlass entsprechend festlich gekleideten Gäste gemütlich Platz, wohl wissend, was ihnen danach an Ohrenfreuden geschenkt wird. Gleich zu Beginn, die Instrumentalisten schritten durch den Mittelgang zur Bühne, wünschten sie gemeinsam ein „Prost Neujahr“. Das vergangene Jahr sei durch den 180. Vereinsgeburtstag sehr turbulent gewesen. So sei man auf 78 Termine gekommen. Eine stolze Zahl für das Laienorchester, die aber auch von einer gewissen Professionalität zeugt. „Ohne Fleiß kein Preis“ heißt es bekanntlich, so wie es auch ohne Probe kein tolles Konzert gibt. Sowohl Musiker als auch das Publikum hatten ihre helle Freude an diesem Konzert, das gleichzeitig das kulturelle Jahr in der Stadt einläutete.

Bereits das erste Stück hatte es dabei in sich, denn mit „Danza final“ aus der Ballett-Suite „Estancia“ des Argentiniers Alberto Ginastera wurde es technisch anspruchsvoll und man war „flott unterwegs“, wie eine Zuhörerin anmerkte. „Wenn Sie die ersten Titel in Ihrem Programm lesen, werden Sie sich wundern“, sagte Dirigent Matthias Weißenauer zu Beginn, denn dort dominierten Rhythmen aus Südamerika und Frankreich. Nach dem großen Erfolg solcher Titel beim Publikum im vergangenen Jahr, habe man das Programm nicht nur so zusammengestellt, um Freude und gute Laune zu verbreiten. Vielmehr sei es im ersten Teil eben auch darum gegangen, den beiden Solisten Enrico Orlando und Anne Caroline Grimaldi-Luig die Gelegenheit zu bieten, Lieder aus deren Heimat zu präsentieren. Und der bolivianische Tenor und die aus Frankreich stammende Sopranistin nutzten ihre Chance, gaben Volkslieder oder Chansons zum Besten.

Natürlich gaben sich auch die Strauß-Dynastie und Franz Lehar mit Polkas, Operetten und Walzern die Ehre, wie es für ein solches Konzertereignis zu Beginn des Jahres üblich ist. Bei Philip Parkers „Clowns“ dirigierte Weißenauer im Clownskostüm, während das Orchester rote Nasen aufhatte und Luftballons durch die Luft balancierte, von denen der ein oder andere dem Temperament des am Ende des Taktstocks agierenden Musikers zum Opfer fiel.

Spielfreude merkte man allen Akteuren in jeder Minute des Auftritts in der Stadthalle an, der auch immer wieder von überraschenden und amüsanten Kleinigkeiten begleitet wurde. So gab es für den Konzertmeister vor der Operette „Das Land des Lächelns“ ein paar Stäbchen fürs Dirigat, beim „Vergnügungszug“ übernahm Schaffner Weißenauer höchstselbst die Kontrolle der Tickets. Und beim „Carneval in Venedig“ streifte er durchs Orchester, um Medaillen an die Solisten zu verteilen. So beschwingt wie das Jahr mit der Bergkapelle begann, könnte es, ginge es nach dem vielfach erklärten Willen des Publikums, weitergehen – ohne Sorgen und mit einer Menge Vergnügen.