Welle der Hilfsbereitschaft

Jasmin Hahn, die eine Buchhandlung in Limbach betreibt, hat per Facebook eine Unterstützergruppe zur Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen. Nun ist ihr Laden zum Sammel- und Umschlagpunkt für Hilfsgüter aller Art geworden.

Die Tür zu Jasmin Hahns Buchhandlung mitten im Limbach steht nicht still an diesem Mittwochmorgen. Unablässig klingelt die kleine Türglocke. Doch die Menschen, die den Laden betreten, wollen meist nichts kaufen, sie wollen spenden. Spenden für die inzwischen 65 Flüchtlinge in der Gemeinde. Seit Montag geht das so, seit dem Morgen nach der spontanen Willkommens-Aktion vor dem Limbacher Rathaus am Sonntag (wir berichteten). Denn: Kurzerhand hatte Jasmin Hahn nach Ende der Kundgebung eine eigene Facebook-Gruppe zur Unterstützung der Flüchtlinge gegründet, bis zum Mittwochmorgen haben sich dort über 400 Bürger aus dem Ort virtuell zusammengefunden. Doch bei der Hilfebekundung per Mausklick bleibt es nicht, Jasmin Hahns Laden ist seitdem zu einem der zentralen Sammel- und Umschlagpunkte für Hilfsgüter aller Art geworden: Kleider, Spielsachen, Hygiene-Artikel und vieles, vieles mehr. Und es melden sich jeden Tag Helfer, die all das sortieren und organisieren, was den Flüchtlingen ihren Start in Deutschland erleichtern soll. Am Mittwochmorgen sind das unter anderem Kerstin Idris, Lena Hubertus und Mirella Meißner.

Im Gespräch mit unserer Zeitung an diesem umtriebigen Mittwoch macht Hahn keinen Hehl daraus, dass sie von der Resonanz auf das, was sie selbst schlicht "Nachbarschaftshilfe" nennt, völlig überrascht ist. "Das ist der Knaller! Das hätte ich nicht gedacht. Man merkt, es schlägt ein Herz in der Gemeinde, es ist Empathie vorhanden." Dreh- und Angelpunkt für viele Impulse bei diesem Hilfsangebot ohne große Hemmschwelle ist besagte Facebook-Gruppe "Refugees Welcome Limbach Kirkel Altstadt Willkommen".

Hier kommen Flüchtlinge und Bürger schnell in Kontakt, es werden konkrete Sachspenden und Hilfen angeboten, die Flüchtlinge selbst nehmen aktiv am Geschehen teil und nutzen die Gruppe zur eigenen Vernetzung. Dabei sei es, wenn es dann um konkrete Hilfestellung geht, wichtig, den Flüchtlingen mit Respekt zu begegnen. Jasmin Hahn: "Viele sind hoch gebildet, haben in ihren Herkunftsländern vor dem Krieg ein Leben geführt wie wir auch." Da gelte es, diese Menschen mit Würde zu behandeln und sie nicht zu Bittstellern zu machen.

Neben diesen emotionalen Aspekten gelte es natürlich auch, die Welle der Unterstützung auch logistisch zu meistern. "Noch ist der Durchlauf an gespendeten Dingen gut", sagt Hahn und verdeutlicht damit, dass man noch nicht in die Not gekommen sei, Spenden längerfristig zu lagern. Auch hier sei das Facebook-Netzwerk sehr hilfreich, und würde dazu führen, dass nachgefragte Sachen schnell bei denen ankämen, die sie benötigten. Gerne gesehen seien aber nicht nur Sachspenden, sondern auch zupackende Hände, um die Hilfsbereitschaft der Bürger in geordneten Bahnen zu halten.

Neben all diesem Engagement hat sich Hahn noch ein weiteres Projekt ausgedacht, eine gezielte Hilfe, um den Flüchtlingen die deutsche Sprache zu vermitteln, so genannte "Wörterbuch-Patenschaften". Mit einer kleinen Geldspende, rund zehn Euro pro Wörterbuch, sollen Bürger so den Flüchtlingen einen grundlegenden Zugang zu Sprache der neuen Heimat ermöglichen. Denn, so Jasmin Hahn: "Die Flüchtlinge sind ungemein engagiert und wissbegierig. Sie wollen die Schule beenden oder weiter studieren."