Serie Museen im Saarland: das Cloef-Atrium in Orscholz

Museum in Orscholz : Die Saarschleife, die aus Glas und Holz besteht

Das Cloef-Atrium in Orscholz ist der berühmten Flußkehre nachempfunden. Es zeigt historische Maschinen und Kunst aus der Region.

Die Konstruktion aus ganz viel Glas und Holz ist imposant, das Dach ruht auf Säulen, die an die Wandelhallen historischer Kurbäder erinnern sollen. Der hufeisenförmige Bau, der etwa so hoch wie ein dreistöckiges Wohnhaus ist, öffnet sich in Richtung des Parkplatzes, innen liegt ein kleiner Teich, über den eine Brücke führt. So präsentiert sich das Cloef-Atrium in Orscholz. Die Grundform des Gebäudes ist der Saarschleife nachempfunden, die sich gleich nebenan befindet. Kaum zehn Fußminuten entfernt ist der namensgebende Aussichtspunkt „Cloef“, der den Blick auf das berühmte Wahrzeichen des Saarlandes bietet.

Seit seiner Fertigstellung im Jahr 2004 dient der Bau als Besucher-, Tagungs- und Veranstaltungszentrum. Zudem empfängt hier ein Bistro Gäste. Wer im rückwärtigen Bereich des Atriums von innen durch die bis zum Dach hinauf reichenden Fenster schaut, hat fast das Gefühl, im dahinter liegenden Wald zu stehen. Die Eindruck, sich mitten in der Natur zu befinden, wird nicht nur dadurch verstärkt, dass auch innen Holz dominiert. Es dringt viel Tageslicht, aber kein die Idylle störendes Mobilfunksignal in das Gebäude ein.

Wer die Touristeninformation betritt, sieht sich einer kleinen, aber feinen Sammlung historischer Landwirtschaftsmaschinen gegenüber. Unter den Museumsstücken sind zwei Waagen, von denen eine altertümlich mit Gegengewichten auszutarieren ist, ein Entkerner für Mirabellen sowie ein Reinigungsapparat für Wein- und Saftflaschen, den Mitarbeiterin Erna Hein besonders gerne zeigt. Die meisten Stücke sind Stiftungen oder Leihgaben aus Heimatmuseen der Gegend, einige stammen zudem aus dem Bestand von Winzern der Region.

Ins Auge fällt eine alte Destillieranlage zum Brennen von Schnaps. Ihr Kessel wurde mit Brennholz erhitzt, worauf die aus Scheiten bestehende Dekoration der Maschine unmissverständlich hindeutet. Wenige Schritte weiter steht der Apparat, auf den man hier besonders stolz ist. Denn nicht nur, dass die Verschlussmaschine für Konserven noch immer funktionstüchtig ist. Tatsächlich verwenden die Mitarbeiter das Gerät heute wieder, nämlich um einen Verkaufsschlager zu versiegeln: Schnaps in der Dose. Die ungewöhnliche Idee sei für Wanderer gedacht, erklärt Hein. „Zur Dose gehört ein Nagel – mit einem Stein kommt man so selbst in der Wildnis an den Inhalt.“ Dieser stammt allerdings nicht aus der historischen Destillieranlage nebenan, sondern aus Alois Beckers Brennereimuseum in Tettingen-Butzdorf.

In der Regio- und Vinothek im Atrium werden seit fünf Jahren Delikatessen aus der Umgebung präsentiert und verkauft. Neben Wein, dem Dosenschnaps und anderen Alkoholika warten hier auch Säfte sowie Honig von lokalen Imkern auf Touristen. Bis 2014 wurde hier die Ausstellung „Weite Heimat“ gezeigt, die Besuchern die Natur des Saarlands näher bringen sollte. Doch diese Schau sei nicht mehr gut angekommen, daher habe man sich überlegt, stattdessen lokalen Erzeugern eine Bühne zu bieten. Denn „regional ist trendy“, weiß Mathias Hießerich, Geschäftsführer der Saarschleifen Touristik.

Über zu wenig Besuch muss sich das Cloef-Atrium nicht beklagen. Spätestens seit 2016, also seit der Eröffnung des Baumwipfelpfades, dessen Zugang sich nebenan befindet, ist der Touristenandrang groß. Mitarbeiterin Hein drückt es so aus: „Jeder Tag ist Sonntag.“ Inzwischen stehen auch genügend Parkplätze bereit, früher hätten die Leute ihre Autos überall in Orscholz abgestellt, erinnert sie sich. „500 000 Besucher kommen jedes Jahr hier her“, bestätigt Hießerich. Und das sei eine konservative Schätzung, betont der 60-Jährige.

Deshalb ist das Cloef-Atrium auch ein beliebter Ausstellungsort, vor allem für Künstler aus der Region. In dem Gebäudeflügel, der der Touristeninformation gegenüberliegt, können Malerinnen und Maler kostenlos ihre Werke zeigen. „Für die nächsten zwei Jahre ist der Ausstellungsbereich bereits ausgebucht,“ sagt Evelin Lackas, die bei der Saarschleifen Touristik auch für die Buchhaltung zuständig ist. Eine Bilderschau dauere meistens sechs bis acht Wochen. Länger könnten die Werke schon deshalb nicht gezeigt werden, weil sie in dieser Zeit viel Sonne abbekämen und auszubleichen drohten. Bei einer der ersten Ausstellungen habe man diese harte Lektion gelernt, erinnert sich Lackas. Dafür gibt es dank der hohen Decken auch Platz für besonders üppige Werke. Zuletzt präsentierte die Orscholzerin Luzia Burgard im Cloef-Atrium ihre Gemälde. Bei jeder neuen Ausstellung lädt die Einrichtung zu einer Vernissage ein. Die nächste findet am Sonntag, 22. September, um 15 Uhr statt, sie stellt die Malereien von Samah Hamwi aus Bethingen vor.

Darüber hinaus bietet das Cloef-Atrium regelmäßig Raum für Veranstaltungen, von Hochzeiten bis zu Theateraufführungen und Konzertabenden. Hier wird etwa das Erntedankfest gefeiert und Anfang Oktober zeigt der Bonsai-Club Deutschland im Atrium fernöstliche Gartenkunst.

Alle Serienteile zu den Museen im Saarland finden sich im Internet:

Durch die gläsernen Außenwände dringt viel Licht in die Regiothek. Vor den Fenstern geben eine Reihe historischer Maschinen einen Einblick in die landwirtschaftliche Arbeit früherer Zeiten. Foto: Ruppenthal
Die Regio- und Vinothek präsentiert und verkauft unter anderem Wein, Honig und Saft lokaler Erzeuger. Foto: Ruppenthal
Der Aussichtspunkt Cloef ist vom gleichnamigen Atrium innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichbar. Foto: rup
Diese historische Destillieranlage steht in der Regiothek des Cloef-Atriums. Auf dem Fass rechts daneben ist der Verkaufsschlager „Schnaps in der Dose“ zu sehen. Foto: Ruppenthal
Künstlern aus dem Umland bietet die Orscholzer Einrichtung eine Ausstellungsmöglichkeit. Foto: Ruppenthal

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