Schöne Seiten und hässliche Flecken

Mal ganz „oldschool“ – Streetworker haben Jugendlichen Einwegkameras zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe: Sie sollten ihre Lebenswelt festhalten. Das Ergebnis ist jetzt im Bürger-Service-Büro in Spiesen zu sehen.

Es sind schöne Seiten, aber auch hässliche Flecken, die die rund 20 Jugendlichen aus dem Landkreis Neunkirchen mit Hilfe einer Einwegkamera festgehalten haben. Neben dem Stummplatz, der Gebläsehalle oder einer Rampe zum Skaten sind auch einige gesellschaftskritische Bilder dabei. Mal ist es ein Kaugummi übersätes Kopfsteinpflaster, mal ein Haus mit geschlossenen Rollläden oder eine Straße voller Schlaglöcher. "Die 14- bis 19-Jährigen haben sich mit Themen wie Sauberkeit, Natur, Sport, Politik und Marktgeschehen auseinander gesetzt", erläutert Anne Regitz, Streetworkerin des Landkreises. Horst Findeisen vom Jugendbüro Spiesen-Elversberg ergänzt: "Auf der einen Seite sieht man Eisenbahnromantik, dagegen steht dann der Bahnhof mit Mülleimer und die Aussage ‘Daumen hoch'. Und das nicht als Anerkennung, sondern abwertend gemeint." Man merke, so Regitz weiter, dass sich die Jugendlichen Gedanken über die Orte machen würden, in denen sie wohnten.

Insgesamt hat Regitz mit ihrem Kollegen Markus Wittling die 37 besten Bilder für die Fotoausstellung "Mein Ort" ausgewählt. Streetworker Wittling hat mit Regitz' Vorgängerin Monique Wälder das Projekt initiiert. "Es wurden an 40 Jugendliche Einwegkameras verteilt, zurückbekommen haben wir zirka 20 Kameras", erläutert Regitz.

Die Jugendlichen kommen aus dem gesamten Landkreis. Kameras wurden zum Beispiel am Neunkircher Bahnhof oder bei den Wiebelskircher Einkaufsmärkten ausgegeben. Von April bis Mai 2014 hatten die 14- bis 19-Jährigen dann Zeit zum Fotografieren. Das Endergebnis: 500 entwickelte Fotos. "Die Auswahl fiel schwer", sagt die Streetworkerin. Es kam vor allem auf die Bildqualität an, denn die Fotos der Einwegkameras mussten vergrößert werden. Im DIN-A3-Format sind die Fotografien jetzt im Bürger-Service-Büro Spiesen ausgestellt. Eine Interpretation der Bilder sei jedem Betrachter selbst überlassen, erklärt Horst Findeisen: "Es ist interessant zu sehen, wie die Jugendlichen ihre Außenwelt wahrnehmen."

Auch Reiner Pirrung ist begeistert von der Umsetzung des Fotoprojekts. "Heute im digitalen Zeitalter ist es für viele unverständlich, die Bilder nach dem Fotografieren nicht direkt anzusehen", erklärt der Spiesen-Elversberger Bürgermeister. So habe sich manch einer mehr Gedanken darüber gemacht, was er fotografiert. Und auch Anne Regitz fügt hinzu: "Da ist mal keine Bildbearbeitung möglich. Der Himmel ist dann mal nicht so blau, wie die Jugendlichen es wollten."

Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Februar im Bürger-Service-Büro im Rathaus Spiesen , Hauptstraße 116 zu sehen.