Auszeichnung: Der Günter Rohrbach Filmpreis 2017 geht an „Western“

Auszeichnung : Der Günter Rohrbach Filmpreis 2017 geht an „Western“

Fünf Filme ausgezeichnet – Improvisation, Komödie und Substanz im Mittelpunkt

Der siebte Günter Rohrbach Filmpreis, den die saarländische Kreisstadt Neunkirchen alljährlich vergibt, geht an die außergewöhnliche Produktion „Western“.
Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde jetzt in einer großen Preisverleihungsgala vergeben.
Im Finale wählte die Jury „Western“ aus fünf Filmen aus. Die Finalistenfilme deckten das ganze Spektrum vom Drama bis zur Komödie ab und überzeugten allesamt durch ihre Substanz.

Valeska Grisebach, die für Buch und Regie verantwortlich zeichnet, und Produzentin Janine Jackowski nahmen den Preis für „Western“ freudig entgegen: „Es ist eine ganz besonders große Freude den Günter Rohrbach Preis für unseren Film WESTERN im Namen aller Teammitglieder entgegenzunehmen. Es war ein langwieriges und aufregendes Abenteuer, diesen Film auf die Beine zu stellen. Die Dreharbeiten am anderen Ende von Europa mit einem großen Ensemble an nicht professionellen Darstellern und in fremder Sprache waren eine Reise ins Ungewisse. Es ist ein sehr schöner Moment, dass diese Arbeit jetzt ausgezeichnet wird und macht mich, macht uns alle sehr froh. Vielen herzlichen Dank dafür!“

Die diesjährige Juryvorsitzende Nicolette Krebitz, die im vergangenen Jahr beim Günter Rohrbach Filmpreis für ihren Film „Wild“ ausgezeichnet wurde, hielt die Laudatio auf diesen atmosphärischen Film. „Western “ schildert das Leben einer Gruppe von deutschen Bauarbeitern auf einer Baustelle in der bulgarischen Provinz. Das fremde Land weckt Abenteuergefühle bei den Männern. Gleichzeitig werden sie mit ihren Vorurteilen und ihrem Misstrauen konfrontiert. Für zwei der Männer wird ein nahe gelegenes Dorf zur Bühne für einen Konkurrenzkampf um die Anerkennung und die Gunst des Dorfes.

Als beste Darsteller wurden zwei hervorragende Schauspieler aus verschiedenen Werken mit einem Preisgeld von jeweils 3.000 Euro geehrt.
Lana Cooper, die in „Beat Beat Heart“ eine der Hauptrollen, die verspielte Romantikern Kerstin, darstellt, wurde unter anderem für ihre freie und doch verbindliche Improvisationskunst ausgezeichnet. Bei „Beat Beat Heart“ von Luise Brinkmann handelt es sich um eine improvisierte Komödie über Liebe, Sehnsucht und Beziehungen.
"Ich finde, der Preis geht an das gesamte Team. Denn ohne die tolle Crew, hätte ich auch keinen Raum gehabt so zu spielen wie ich es liebe. Nämlich frei. Danke Günter Rohrbach Filmpreis. Und danke liebe Jury," freut sich Lana Cooper.

Der Preis für die beste männliche Hauptrolle ging an Andreas Lust.
Lust verkörpert den Anspielpartner Gerwin bei einem Film-Casting, der für die prominenten Bewerberinnen Dialogsätze einspricht. Doch die „Anspielwurst“ Gerwin wittert die Chance, als Schauspieler wieder Fuß zu fassen.
Ohne fixes Drehbuch und mit improvisierten Dialogen zeigt die Komödie „CASTING“ von Nicolas Wackerbarth den ganz normalen Wahnsinn hinter den Kulissen des deutschen Filmbetriebs. Dies alles gelingt Lust auf intensiv zurückgenommene und doch expressive Weise.
Lust: "Ich freu mich wie ein Gugelhupf über diesen Preis, vor allem auch, weil er für meine Mitwirkung in einem Film vergeben wird, in dem ein nicht unbedeutendes Stück meiner Seele vergraben liegt. Vielen Dank."

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis des Saarländischen Rundfunks geht an den deutschen Filmstar Herbert Knaup für die Darstellung der Vaters Karl Holzer in dem Drama „Toter Winkel“ von Stephan Lacant.
„Toter Winkel“ zeigt die Gefahr der Alltäglichkeit des Bösen in der deutschen Mittelschicht und wie man sich dazu verhalten kann. So geht der Vater Holzer der Frage nach, ob sein Sohn ein rechtsradikaler Terrorist ist. Er nähert sich der Antwort wie das Häuten einer Zwiebel. Diese Darstellung gelingt Herbert Knaup auf verstörende berührende Art und Weise.
Knaup: „Ich bedanke mich sehr für die Wertschätzung meiner Arbeit an so einem aufwühlenden Projekt. Dank dem Regisseur Stephan Lacant erreicht der Film eine betroffen machende Tiefe.
Die Thematik weist darauf hin, wie wichtig es ist, innerhalb der Familie die Anlagen von Angst und Hass vor dem Fremden zu erkennen und in Toleranz und Begegnung zu verwandeln.“

Der Preis der Saarland Medien GmbH (3.500 Euro) ging in diesem Jahr an den Kameramann des Films „Western“ Bernhard Keller für seine naturalistischen fast dokumentarischen Bilder. Auch dafür lobte ihn Regisseur Nicolas Wackerbarth in seiner Laudatio.
Keller freute sich sehr über diesen Preis: „Herzlichen Dank an die Jury für diesen Preis! Im Besonderen freue ich mich darüber, diese Anerkennung nicht für ein bildgewaltiges Werk zu bekommen. Viel mehr lag meine Aufgabe bei diesem Film im Begleitenden eine Form der Abstraktion und Bildgestaltung zu finden. Dies war nur durch Valeska Grisebachs großes Vertrauen in meine Arbeit möglich, der ich hier auch von Herzen danke.“

Mit dem Preis des Oberbürgermeisters (2.500 Euro) wurde Simon Verhoeven für das Drehbuch zu der Erfolgskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ ausgezeichnet.

Die Jury lobte unter anderem Verhoevens Mut, die Flüchtlingsproblematik durch eine Komödie zu vermitteln. Das Drehbuch liefere dazu die passende Leichtigkeit und Knappheit der Dialoge. Dies funktioniere ohne überzeichnete Stereotypen. Das Buch bietet die Grundlage für das starbesetzte Ensemble für feine Darstellungskunst ohne die Rollencharaktere durch Überzeichnung bloßzustellen. Dies sei eine besondere Kunst und ein besonderes Handwerk, so Oberbürgermeister Jürgen Fried in seiner Laudatio für Autor Simon Verhoeven, der auch die Regie übernommen hatte.
Da Verhoeven bei der Verleihung verhindert war, nahm Flüchtlings-Darsteller Eric Kabongo die Trophäe stellvertretend entgegen.

Die Moderation des Abends lag in den bewährten Händen von Sabrina Staubitz. Für den musikalischen Part waren Starschauspieler Burghart Klaußner, der Juryvorsitzende 2016, und seine Band zuständig. Dabei überzeugten sie mit Chansons der besonderen Art.

Der Günter Rohrbach Filmpreis wird seit 2011 an deutschsprachige Fernseh- und Kinofilme verliehen, deren Fokus auf dem Themenfeld „Arbeitswelt und Gesellschaft“ liegt. Aus insgesamt 87 Bewerbern wählte die Jury um die Vorsitzende Nicolette Krebitz die Preisträger aus.

Oberbürgermeister Jürgen Fried, Initiator des Filmpreises und Jurymitglied zieht hochzufrieden Bilanz: „Der siebte Günter Rohrbach Filmpreis war eine beindruckende Woche für Filmfans – sowohl für Cineasten als auch für Filmschaffende. Mit den vielfältigen spannenden Einreichungen und der gelungenen Gala konnten wir erneut ein Highlight im Neunkircher Kulturleben präsentieren und unseren guten Ruf in der Filmbranche etabliert.“

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, benannt nach dem gebürtigen Neunkircher Dr. Günter Rohrbach, wurde 2011 zum ersten Mal vergeben. Günter Rohrbach zählt zu den größten deutschen Filmproduzenten. Am Wettbewerb teilnehmen können deutschsprachige Spielfilme mit einer Länge von mindestens 80 Minuten, die in den Themenbereich „Arbeitswelt und Gesellschaft“ gehören.

Der Günter Rohrbach Filmpreis 2017 wird unterstützt von der Sparkasse Neunkirchen, der LBS Saar, der Saarland Medien GmbH, der Saarländischen Landesregierung, dem Saarländischen Rundfunk, der Saarland Sporttoto GmbH, der Dr. Theiss Naturwaren GmbH, der Terrag GmbH, Maurer Sondermaschinenbau sowie der Torpedo Gruppe.

Überblick der bisherigen Preisträger:


2016:
Filmpreis: „Wild“, Regisseurin Nicolette Krebitz und Produzentin Bettina Brokemper
Darstellerpreis: Lilith Stangenberg, „Wild“ und Sebastian Koch, „Nebel im August“
Preis des Saarländischen Rundfunks: Lena Urzendowsky, „Das weiße Kaninchen“ und Ivo Pietzcker, „Nebel im August“
Preis der Saarland Medien GmbH: „24 Wochen“, Regisseurin Anne Zohra Berrached und Darstellerin Julia Jentsch
Preis des Oberbürgermeisters: Adolf Winkelmann, „Junges Licht“

2015:
Filmpreis: „Der Staat gegen Fritz Bauer“, Regisseur Lars Kraume und Produzent Thomas Kufus
Darstellerpreis: Martina Gedeck, „Das Ende der Geduld“ und Burghart Klaußner, „Der Staat gegen Fritz Bauer“
Preis der Saarland Medien GmbH: Jan Georg Schütte, „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“
Preis des Oberbürgermeisters: Julian Maas und Christoph M. Kaiser, „Der Staat gegen Fritz Bauer“

2014:
Filmpreis: „Traumland“, Regisseurin Petra Volpe und Produzenten Lukas Hobi und Yildiz Özcan
Darstellerpreis: Katharina Schüttler, Sebastian Blomberg und Devid Striesow, „Zeit der Kannibalen“
Preis der Saarland Film GmbH: Judith Kaufmann „Traumland“
Preis des Oberbürgermeisters: Corinna Harfouch, „Der Fall Bruckner“ und Jördis Triebel, „Westen“

2013:
Filmpreis: „Freier Fall“, Regisseur Stefan Lacant und Produzent Daniel Reich
Darstellerpreis: Nadja Uhl und Senta Berger, „Operation Zucker“
Preis der Saarland Film GmbH: Edin Hasanovic, „Schuld sind immer die anderen“ sowie Alicia von Rittberg und Leonard Carow, „Und alle haben geschwiegen“
Preis des Oberbürgermeisters: Hanno Koffler und Max Riemelt, „Freier Fall“

2012:
Filmpreis: „Ein Jahr nach morgen“, Regisseurin Aelrun Goette und Produzentin Alexandra Kordes
Darstellerpreis: Barbara Auer und Ina Weisse, „Das Ende einer Nacht“
Preis der Saarland Film GmbH: Karl Markovics, Regiedebüt „Atmen“
Preis des Oberbürgermeisters: Gerti Drassl und Gerhard Liebmann, „Das Wunder von Kärnten“

2011:
Filmpreis: „Unter dir die Stadt“, Regisseur Christoph Hochhäusler
Darstellerpreis: Nicolette Krebitz, „Unter dir die Stadt"
Preis des Oberbürgermeisters: Anna Loos, „Die Lehrerin"

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