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Helfen: Ein Ehrenamt, das die Demut lehrt

Helfen : Ein Ehrenamt, das die Demut lehrt

Kinder-Hospizdienst Saar begrüßte nach erfolgreich absolviertem Kurs 14 neue Helfer aus dem ganzen Saarland.

(nig) Sekt perlt in den Gläsern im Besprechungsraum des Seniorenheimes St. Vincenz im benachbarten Neunkirchen. Fingerfood animiert zum Zugreifen und es kostet ein bisschen Überwindung, nicht schon mal die Päckchen zu öffnen, die, mit einer gelben Rose geschmückt, auf jedem Platz liegen. Tod und Sterben scheinen gerade Lichtjahre entfernt zu sein. Doch das täuscht: „Ich habe selbst ein Kind verloren“, sagt Heike Schuh mit ruhiger Stimme. Ihre Vorredner hatten „Zeit schenken“ ins Feld geführt, oder „weil es mich interessiert“ und „es ist wichtig, dass Leute das machen“. Von allen Beweggründen, warum man einen Vorbereitungskurs zur Begleitung und Pflege schwerstkranker Kinder absolviert, ist Heike Schuhs wohl derjenige, mit dem man am wenigsten rechnet.

Für Beate Leonhard-Kaul, Teamleiterin des Kinder-Hospizdienstes und Leiterin des Kurses, dürfte es dagegen der sein, der sie – bei aller Tragik – am meisten freut. Denn Heike Schuh ist nur hier, weil sie und ihre Lieben gute Erfahrungen gemacht haben mit dem Hospiz-Team. Derzeit bilden 93 Frauen und Männer den Ehrenamtspool. An diesem Abend erhört sich die Zahl um 14, alle Absolventen des diesjährigen Kurses bleiben dabei. Zwischen 25 und 65 Jahre alt, kommen sie meist aus einem sozialen Beruf oder studieren gerade in dieser Richtung, sind Erzieherin, Krankenschwester, Sozialpädagogin. Ein Heilpraktiker ist dabei, aber auch eine Bauingenieurin und Teilnehmerinnen mit kaufmännischer Ausbildung.

Die neuen Kurs-Absolventen werden ab sofort kleine und größere Patienten und deren Familien betreuen: ein weites Feld. Reicht doch das Spektrum der Tätigkeiten vom Krankenhausbesuch und Spazieren gehen über Gespräche mit den Eltern und Beschäftigung der Geschwister bis hin zu Botengängen oder Trauerbegleitung. Vieles davon hat Familie Schuh aus Riegelsberg selbst erlebt. Heike Schuh, die in einer Kinderarztpraxis arbeitet, erzählt es reflektiert und gelassen. Ihrer Tochter hatte von Geburt an eine geringe Lebenserwartung, mit acht Jahren mussten sie und ihr Mann ihr einziges Kind gehen lassen. Was nur erträglich wurde durch die Unterstützung des Kinder-Hospizdienstes. „Jetzt möchte ich ein bisschen was davon zurückgeben“, lächelt die 48-Jährige.

„Ich weiß, wie hilflos die Eltern sind und wie dankbar“, bestätigt Renate Schmidt aus Eppelborn. Als Kinderkrankenschwester hat sie das 43 Jahre lang in der Klinik hautnah miterlebt – und immer ein schlechtes Gewissen gehabt, sich nicht gebührend um sie kümmern zu können. „Man steht permanent unter Zeitdruck.“ Jetzt, als Rentnerin, kann sie endlich helfen. Ohne auf die Uhr schauen zu müssen.

Ein gutes halbes Jahr dauerte der Vorbereitungskurs, der 80 Theoriestunden und 20 Stunden in der Praxis umfasst. Angerissen wurden bei den abendlichen Treffen und den vier Tagesveranstaltungen Inhalte wie Palliativversorgung, Musik- und Schmerztherapie, Wahrnehmung/Kommunikation, Hygiene, Ethik oder Erfahrung mit dem Tod, dem Sterben und der Trauer.

So souverän die Teilnehmer mit dieser Thematik umgehen, so verwundert bis geschockt reagiert ihr persönliches Umfeld. „Warum tust du dir das an“, sei da oft der Tenor. Dabei ist dieses ungewöhnliche Ehrenamt für die Helfer oft ein Gewinn: „Man wird demütiger“, nickt Jutta Beck, Sozialpädagogin aus Saarbrücken. „Vieles relativiert sich und man denkt: Du hast viel Glück gehabt im Leben.“