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Bessere Welt, bessere Männer

 Zwischen Macho und Weichei liegt das Matschei: Ingo Appelt begeisterte im Big Eppel. Foto: Anika Meyer
Zwischen Macho und Weichei liegt das Matschei: Ingo Appelt begeisterte im Big Eppel. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Eppelborn. Sie sind fast schon so etwas wie alte Bekannte, die Eppelborner und Ingo Appelt. Bereits zum dritten Mal gastierte der Comedian am Samstagabend im Kulturzentrum Big Eppel. Anika Meyer

"Seine Agentur hat bei uns angefragt", freute sich der Kulturbeauftragte Aloysius Scholtes. Und wie immer war er ein Publikumsmagnet: 530 Zuschauer. Ausverkauft.

"Ich bin heute hier, weil wir eine Art Weltverbesserungsprogramm brauchen", erklärte Appelt. Und das lieferte er gleich hinterher. Vor allem machte es sich der selbsternannte Konkursverwalter der Männlichkeit zur Aufgabe, seine Geschlechtsgenossen neuen Entwicklungen anzupassen, sie zu "verbessern". Getreu dem Titel seines Programms "Besser . . . ist besser." Dabei bekamen die Männer einiges auf die Ohren - aber nur so, wie sie es mögen. So manche Männerbrust im Saal konnte man förmlich anschwellen sehen, als Mann sich kollektiv in seinen Klischee-Schwächen suhlte: Triebgesteuert, gewaltliebend und unkommunikativ will man sein. Dabei wunderte sich Appelt dann selbst, wie die weibliche Hysterie um den Erotik-Roman "50 Shades of Grey" in das Klischee-Bild passt. Überhaupt, was die Frau denkt oder will, schien ihm rätselhaft. "Hart soll ein Mann sein und gebrochen. Ein Macho und ein Weichei. Ein Matschei also." Zum unkommunikativen Mann sei er selbst das Gegenbeispiel, behauptete er. Zurecht. Zwei Stunden lang schossen ihm die Pointen ungebremst aus dem Mund. Keine Atempause für Appelt, der energiegetrieben auf der Bühne hin und her tiegerte und keine Atempause für das Publikum, das sich vor Lachen kringelte. Und Appelt wusste die Spannung noch zu steigern: "Aus Versehen" verplapperte er sich immer wieder dermaßen, dass er vergaß, diesen einen Witz doch endlich zu Ende zu erzählen.

Die genialsten Sprüche kamen ganz unvermittelt abseits des Kernthemas. "Die Katholiken sind nur besser als die Islamisten, weil sie nicht so dürfen, wie sie wollen." Doch bei diesem heiklen Thema, das ein Ingo Appelt selbstverständlich nicht scheut, gab er sich erklärterweise Mühe, alle Religionen gleichberechtigt zu beleidigen.

Ein wenig Neid auf den Kollegen Dieter Nuhr ließ er da durchblitzen, der nach einer angeblichen Beleidigung des Islam in einer seiner Shows als Hassprediger tituliert worden war. "Nuhr Hassprediger ? Was bin dann ich? Ich renne seit Jahren durch die Republik und beleidige alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist!"

Seine Geschichte vom Supermarkt-Besuch mit "der flüsternden Gefahr" Nuhr mit Parodie auf denselben avancierte zu einem der Höhepunkte des Abends. Auch Kollege Mario Barth kam nicht ungeschoren davon. Außerdem hatte Appelt noch etwas ganz Besonderes im Gepäck: mittlerweile zu Klassikern gewordene Highlights seiner Shows der vergangenen Jahre.