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Wo Mitmenschlichkeit gelebt wird

Wo Mitmenschlichkeit gelebt wird

150 Jahre Friedenskirche in Merzig – das wurde mit einem großen Jubiläumsprogramm an zwei Tagen gewürdigt. Am gestrigen Montag klangen die Ferlichkeiten mit einem „Schulgottesdienst-Marathon“ aus.

Mit einem abwechslungsreichen Programm feierte die Evangelische Kirchengemeinde in Merzig am Sonntag und Montag das 150-jährige Bestehen ihrer Kirche. Als Gäste begrüßte Pfarrer Klaus Künhaupt zahlreiche Gläubige, aber auch Vertreter unterschiedlicher Konfessionen und Religionen. Auch ließen es sich einige Politiker nicht nehmen, den Mitgliedern der Kirchengemeinde zu ihrem Jubiläum zu gratulieren, wie etwa Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld .

Die Kirche war beim Festhochamt am Sonntagmittag dermaßen überfüllt, dass ein Teil der Gottesdienstbesucher in den Gemeindesaal wechseln musste, wohin der Gottesdienst übertragen wurde.

Geschichte im Rückblick

Schon vor dem Beginn der Messe waren aus dem Kircheninneren chorale Gesänge zu hören. Dort probte Dirigent Frank Paqué mit dem Evangelischen Gemeindechor und gab den letzten Schliff für den späteren Gesang. Pfarrer Klaus Künhaupt eröffnete den Festgottesdienst mit einer Begrüßungsrede, die sowohl einen kurzen Rückblick über die Geschichte der evangelischen Kirche in Merzig beinhaltete als auch ein paar grundsätzliche Aussagen über die aktuelle Lage aus kirchlicher Sicht. "An einem 9. November wurde diese Kirche eingeweiht. Über die Tragik dieses Tages sagt die Kirche eine Menge aus", blickte Künhaupt zurück. Er erinnerte an die Einweihungsfeierlichkeiten, zu denen sowohl der katholische Pfarrer als auch der jüdische Rabbiner als Ehrengäste eingeladen waren. Künhaupt machte deutlich, dass die jüdischen Mitbürger zu jener Zeit in der Kreisstadt gut integriert und hoch angesehen waren.

Dann wurde Künhaupt nachdenklich und zeigte die Schattenseite der evangelischen Kirche in Merzig auf. Denn als zum 73. Geburtstag der Kirche in Merzig die Synagoge angezündet wurde, die jüdischen Mitbürger misshandelt wurden, ihres Besitzes beraubt und später sogar ermordet wurden, habe der damalige Pfarrer Schwalfenberg dazu geschwiegen. "Im Falle von Schwalfenberg ist damit zu rechnen, dass er es sogar begrüßt hat", so Künhaupt. Die Zeugnisse darüber seien nach 1945 gründlich beseitigt worden. Es sei zweifellos das dunkelste Kapitel in der 150-jährigen Geschichte der Kirche. Wegen der Pogrome im Jahr 1938 sei es heute nicht mehr möglich, einen jüdischen Rabbiner zu begrüßen, weil es keine jüdische Gemeinde mehr gebe. "Deshalb freut es uns, dass Erika Hügel heute hier ist", begrüßte Künhaupt die Vertreterin der jüdischen Gemeinde Saarbrücken.

Begrüßt wurde auch Imam Cemaletin Torun, der als Vertreter der Muslime zum Festgottesdienst gekommen ist. Bemerkenswert, weil damit dokumentiert werde, dass auch die Mitbürger des muslimischen Glaubens, wie damals die Protestanten, Teil der Gesellschaft geworden seien und in Merzig ihre Heimat gefunden hätten, so Künhaupt. Als etwas Besonderes hat der Pfarrer die Beziehungen zu den römisch-katholischen Geschwistern aufgezeigt. Dechant Bernhard Schneider gehörte ebenfalls zu den Gästen wie eine Vielzahl seiner Kollegen, die es sich nicht haben nehmen lassen zu gratulieren.

Viel Lob

Nach dem Gottesdienst setzen sich die Feierlichkeiten im Gemeindesaal fort. Dort bedankte sich Bürgermeister Marcus Hoffeld für den tollen Gottesdienst, der schön und festlich gewesen sei. Aber auch für die Kirchengemeinde selbst hatte er sehr viel Lob parat. "Hier wird sehr gute Arbeit geleistet. Es ist ein Treffpunkt aller Generationen und Konfessionen , Mitmenschlichkeit wird hier gelebt", sagte Hoffeld. Nach den Grußworten von Erika Hügel und Pfarrer Schneider war dann das Blechbläserensemble "Heiligs Blechle", für die musikalische Gestaltung zuständig.

Am Montag klangen die Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem "Schulgottesdienst-Marathon" aus: In rascher Folger fanden für die Kinder aller Grundschulen in der Kreisstadt jeweils halbstündige Gottesdienste statt, insgesamt nahmen rund 1000 Schüler daran teil. Sie konnten dann anschließend an sechs Mitmachstationen ins kirchliche Gemeindeleben hineinschnuppern. Am Nachmittag beschloss eine Andacht die Feierlichkeiten.

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Auf einen blickDie Predigt an diesem Tag hielt der Vizepräses der evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius. Er ging unter anderem auf die geänderte Namensgebung der Kirche ein. "Seit dem vergangenen Jahr trägt sie den Namen Friedenskirche", stellte Pistorius fest. Nach seiner Auffassung besteht heute die Mission der Christen darin, Frieden in der Welt zu tragen und nicht Gewalt und Krieg. "Unsere Mission als Christenheit ist es, mit Respekt allen Menschen zu begegnen - allen Menschen aller Nationen, aller Religionen und aller Weltsichten." mir