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Ella Endlich im Lokschuppen Dillingen

Dillingen : Raus aus der Schublade, rein ins Leben

Auf ihrem aktuellen Album „Im Vertrauen“ erzählt Ella Endlich Geschichten – sehr persönliche Geschichten von Freiheit, von Ängsten, vom Sich-freischwimmen und Fliegenlernen, vom Alltag und von besonderen Momenten im Leben. Am 22. Februar gastiert sie in der Dillinger Stadthalle.

Ella, das neue Album „Im Vertrauen“ ist das erste, das Sie komplett in Eigenregie produziert haben, mit ihrem eigenen Label „Unendlich Musik“. Dafür haben sie sich von Ihrem Management getrennt, Ihrem Partner, Ihrem Label – was hat Sie dazu bewegt?

Ella Endlich: Ich war eigentlich mein ganzes Leben lang bei verschiedenen Labels unter Vertrag, meinen ersten Plattenvertrag hatte ich mit 14, habe immer nach dem Leistungsprinzip gelebt, das unsere Gesellschaft heute prägt. Viele Menschen haben mir wichtige Entscheidungen abgenommen. Ich wollte näher am Publikum sein und freier, unabhängiger Musik machen können. Und ich habe das Glück gehabt, Mitstreiter zu finden, die mich unterstützt haben.

Sie haben großen Erfolg gehabt mit der Ballade „Küss mich, halt mich, lieb mich“, zur Melodie aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. In Ihren neuen Songtexten klingen Sie sehr nachdenklich, kritisch …

Endlich: Auf dem Konzert wird natürlich auch „Küss mich, halt mich, lieb mich“ zu hören sein. Aber es ist mir ein Anliegen, das auszudrücken, was mich beschäftigt, Menschen Mut zu machen, sich zu vertrauen, das zu tun, was sie bewegt, nicht wegen Partner, Job oder Geld. Sicher klingt manches auf dem neuen Album anders als vorher, und für manche Zuhörer ungewohnt. Aber ich spüre und höre auf den Konzerten, die bisher gelaufen sind, dass meine neuen Stücke sehr viele Menschen ansprechen, auch ganz andere Zuhörergruppen als zuvor.

Wollten Sie raus aus der Schlagerschublade? Denn Sie und Helene Fischer werden gerne verglichen, beide singen auf Deutsch, sind blond, gleich alt, beide haben eine große Fangemeinde – wie gehen Sie damit um?

Endlich: Wir kennen uns, wir respektieren uns, aber ich denke, das, was ich mache, ist doch ganz anders.

Sie sind 34 Jahre, haben bereits 20 Jahre Bühnenerfahrung, eine klassische Musical-Ausbildung, haben in Musicals gesungen und Theater gespielt, bei DSDS saßen Sie in der Jury. Wie ist die Erinnerung an Ihren ersten Auftritt?

Endlich: Da war ich zehn, bei der ZDF-Hitparade, Uwe Hübner hat moderiert, Michelle und Andrea Berg sind aufgetreten. Da habe ich bei Judy Weiss im Chor gesungen – es war eine gute Erfahrung, ich habe mich während des Auftritts sehr wohl gefühlt.

Wie wurde Musik Teil Ihres Lebens, Ihrer Karriere?

Endlich: Mein Vater Norbert Endlich hat die ersten Songs für mich geschrieben, ich bin im Studio ein- und ausgegangen und hatte dadurch auch keine Angst vor der Bühne. Die Karriere als Teenie-Star habe ich mir – wie wohl viele Jugendliche – als großen Spaß vorgestellt. Aber das war es nicht. Es war sehr anstrengend, ein hartes Business, das eigentlich nichts mehr mit Musik zu tun hatte.

Was war Ihr schönster Moment auf der Bühne?

Endlich: Bei der Tour jetzt habe ich beim Konzert in Cottbus ein Mädchen auf die Bühne geholt, beim Song „Wortetauscher“, und wir haben das ganze Lied gemeinsam gesungen, mit 700 Leuten – das war sehr bewegend. Und das ist das, um was es mir geht. Nicht, mich da oben auf der Bühne zu feiern und zu inszenieren, sondern mit den Menschen gemeinsam ein Erlebnis zu schaffen.

Sie sind derzeit nonstop auf Tour, für ihr eigenes Album, aber auch mit Götz Alsmann und der SWR-Bigband – pflegen Sie irgendwelche Rituale, um mit dem Tour-Stress und dem Leben aus dem Koffer klarzukommen?

Endlich: Ja, tatsächlich habe ich derzeit zwei Tourneen gleichzeitig und stehe fast täglich auf der Bühne. Wenn ich dann mal einen Tag „off“ habe, genieße ich den besonders. Stattdessen ist dann Ausschlafen, ein spätes Frühstück, „Waldbaden“, frische Luft tanken oder in die Sauna gehen angesagt.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Götz Alsmann und der SWR Big Band – Sie stehen damit in einer Reihe mit so prominenten Gästen wie Placido Domingo, Klaus Hoffmann oder Pe Werner…

Endlich: Die haben mich angefragt, weil sie wussten, dass ich schon öfter solche Auftritte gemacht habe, und in verschiedenen Stilistiken singen kann. Das Repertoire reicht ja von Schlager bis Jazz. Und das Konzept funktioniert ganz gut …

Ihre eigene Tour zum neuen Album „Im Vertrauen“ steht unter dem Motto „Endlich Ella live“ – was erwartet die Besucher in der Dillinger Stadthalle?

Endlich: Lieder, die die Menschen mitfühlen können, und Texte, die sie mitsingen können – Musik ist Hoffnung, kann auch Heilung sein, Energien freisetzen –, das ist auch die Magie des Abends. Es geht in meinen Songs auch um Botschaften, darum, Ängste zu überwinden, wie in „Schwimmen und Fliegen“ oder darum, zu sich selbst zu stehen wie in „Gut gemacht“. Meine Themen, meine Texte, meine Lieder gebe ich weiter und möchte damit etwas bewegen.

Sie sind auch Schirmherrin der Stiftung Fairplay.

Endlich: Ich möchte Menschen, gerade auch jungen Menschen, Kraft für ihre Träume geben, ihnen zeigen, wer sie sind und was sie können. Deshalb engagiere ich mich auch in der Stiftung Fairplay, wo es darum geht, Respekt und Fairness zu vermitteln, und auch darum, Kindern einen Zugang zur Kultur zu eröffnen. Das ist sehr wichtig. Ich habe selbst erfahren, wie sehr mich in meiner Ausbildung die Beschäftigung mit Puccini geprägt hat. Es ist wichtig, dass wir Kindern und Jugendlichen dieses Kulturgut weitergeben.

Ella Endlich gastiert im Rahmen ihrer Tour „Endlich Ella live“ am Freitag, 22. Februar, um 20 Uhr in der Dillinger Stadthalle (Konzert war ursprünglich im Lokschuppen geplant, wurde jetzt in die Stadthalle verlegt). Mit dabei ist die diesjährige DSDS-Gewinnerin Marie Wegener. Tickets gibt es im Vorverkauf für 39,50 Euro (Freie Sitzplatzwahl) inklusive VVK-Gebühren in Dillingen im First Reisebüro, Tabak Faas sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter der Ticket-Hotline (06 51) 9 79 07 70 oder online.

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