Im Einsatz für die Kapelle

Im Einsatz für die Kapelle

Wallesweilerhof. Es vergeht kein Tag, an dem die St. Annenkapelle auf dem Wallesweilerhof keinen Besuch erhält. Unzählige Spaziergänger und Radfahrer kehren ein und halten kurz inne. Aber nur die wenigsten wissen, dass das Kapellchen nicht der Pfarrei St. Remigius Bliesen gehört, die die Katholiken auf dem Hof seit langer Zeit seelsorgerisch betreut

Wallesweilerhof. Es vergeht kein Tag, an dem die St. Annenkapelle auf dem Wallesweilerhof keinen Besuch erhält. Unzählige Spaziergänger und Radfahrer kehren ein und halten kurz inne. Aber nur die wenigsten wissen, dass das Kapellchen nicht der Pfarrei St. Remigius Bliesen gehört, die die Katholiken auf dem Hof seit langer Zeit seelsorgerisch betreut. Und das, obwohl das kleine Gotteshaus auf Winterbacher Bann steht. Die St. Annenkapelle ist Eigentum einer großen Erbengemeinschaft, die, wie zu erfahren war, zurzeit kaum "fassbar" ist. Sie ist jedoch für die Unterhaltung der Kapelle zuständig. "Allerdings ist kein Geld da", sagte Gerhard Maldener aus Bliesen, der zu dieser Erbengemeinschaft gehört, im Gespräch mit der SZ: "Im Moment ist es unmöglich, alle Erben zu ermitteln." Die im Grundbuch eingetragenen Eigentümer sind inzwischen verstorben. Da keine andere Regelung getroffen worden ist, trat die gesetzliche Erbfolge ein. Erben des Grundstücks und des Gebäudes sind alle Kinder und Kindeskinder der früheren Eigentümer. Sie belaufen sich nach Schätzungen von Gerhard Maldener auf etwa 300. 200 von ihnen dürften noch leben - und die große Familie verzweigt sich immer weiter.Aus eigener Tasche bezahltDie Pflege der St. Annenkapelle, die in der Liste der saarländischen Denkmäler steht, liegt Maldener sehr am Herzen. Den einen oder anderen Geldschein, zum Beispiel für eine Dachreparatur, hat er bereits aus eigener Tasche genommen und noch ein paar Mitstreiter gefunden. Einen Außen- und einen Innanstrich konnte er vor Jahren ohne große Kosten einfädeln. Um den Fortbestand der Kapelle zu sichern und auf Anraten von Juristen, rief Maldener im Frühjahr mit Erfolg dazu auf, einen "Verein zur Erhaltung der St. Annenkapelle auf dem Wallesweilerhof" zu gründen, dessen Vorsitzender er geworden ist. Stellvertreter ist Michael Federkeil, Schriftführer Josef Maldener und Kassiererin Klaudia Jung. Der Verein hat inzwischen 40 Mitglieder. "Ich hoffe, dass es noch mehr werden und dass wir auch die eine oder andere Spende bekommen", sagte Maldener. "Der Verein ist inzwischen auch beim Amtsgericht eingetragen und als gemeinnützig anerkannt." Von den Mitgliedsbeiträgen und Spenden werden Reparaturen und die Beiträge für die Gebäude- und Haftpflichtversicherung bezahlt. Alte SchiffsglockeIn der St. Annenkapelle stehen noch die Bänke aus dem Vorgängerbau. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch das steinerne Altarbild mit der Muttergottes. Zur Ausstattung gehören ebenso die Statuen der heiligen Anna und des heiligen Sebastian. An einer Wand hängen 16 kleine Kreuze mit den Namen von Opfern des Zweiten Weltkrieges. Vom Turm erklingt ab und zu die kleine Glocke, die in der St. Annenkapelle läutete, die einst im heutigen Wendelinuspark stand. Bei der Glocke soll es sich um eine ehemalige Schiffsglocke handeln. Am kommenden Donnerstag, 23. Juli, wird ab 18.30 Uhr in der Kapelle wieder eine heilige Messe gefeiert. Sie hat wegen des Festes der heiligen Anna am 26. Juli seit 1983 einen festen Platz gefunden. gtrKontakt: Gerhard Maldener, Waldstraße 2, 66606 Bliesen, Telefon (06854) 4 43. Spendenkonto-Nummer 4 85 12, Bankleitzahl 592 510 20, Kreissparkasse St. Wendel.

RückschauZur Geschichte der St. Annenkapelle: 1843 erscheint auf einer Katasterkarte von Winterbach an dieser Stelle ein Gebäude. 1849 erfolgt eine Flurteilung, damit zwei Viehställe errichtet werden können. 1877 wird einer der Ställe zum Wohnhaus umgebaut, das heute noch benutzt wird. 1894 wird erstmals die Kapelle genannt, die wohl aus dem anderen Viehstall entstanden war. Es geht dabei um die Eigentumsverhältnisse. Eigentümer waren jeweils die Besitzer des Wallesweilerhofes. Beim Amtsgericht St. Wendel als Eigentümer eingetragen waren damals Michel Maldener, Stefan Meldener, Jakob Maldener Nikolaus Hans und Margarethe Friedrich geborene Hans. Das Amtsgericht wollte jedoch wissen, ob die Kapelle "zu religiösen Zwecken" benutzt wird und fragte bei Pfarrer Theis in Alsweiler, der auch für Winterbach zuständig war, an. Der Geistliche antwortete, "dass die Kapelle zu öffentlichen gottesdienstlichen Zwecken nicht gebraucht wird und auch im Eigentum der Kirchengemeinde nicht stehe". Der letzte Eintrag im Grundbuch erfolgte 1907, als Nikolaus Maldener und seine Frau Maria geborene Rauber als Eigentümer hinzu kamen. 1960 wurde die Kapelle abgerissen und auf Initiative von Hans Oberinger neu errichtet. Dechant Nikolaus Schwinden aus St. Wendel segnete sie am 11. Juli 1961 ein. gtr

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