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Tanzsport
Wenn das Hobby zum Lebensgefühl wird

Kathie Krick (stehend Sechste von links) und Vereinsvorsitzender Rolf Eutenmüller (liegend), hier bei der Feier zum 40-jährigen Vereinsbestehen der TG Blau-Gold, können sich auf ihren Vorstand verlassen.
Kathie Krick (stehend Sechste von links) und Vereinsvorsitzender Rolf Eutenmüller (liegend), hier bei der Feier zum 40-jährigen Vereinsbestehen der TG Blau-Gold, können sich auf ihren Vorstand verlassen. FOTO: Cornelia Jung
St. Ingbert. Die Tanzsportgesellschaft Blau-Gold St. Ingbert besteht seit vier Jahrzehnten und gehört zu den ältesten ihrer Art im Saarland. Von Cornelia Jung

Die Tanzsportgesellschaft Blau-Gold St. Ingbert feierte gerade erst ihren 40. Geburtstag, zählt aber damit bereits zu den ältesten Tanzsportvereinen im Saarland. Er war der erste Verein, der in die damals neuerbaute Stadthalle einzog. Deshalb sind die Farben und Formen des Mäanders, der sich durch den gesamten Saal zieht, auch Bestandteil des Namens und des Logos der TG Blau - Gold. Damals waren es 78 Gründungsmitglieder, die Helga Neumann zur ersten Vorsitzenden wählten. Sie verhalf dem Verein in ihrer sechsjährigen Amtszeit zu Anerkennung und Erfolg. Am Anfang hatten die Tänzer mit Vorurteilen zu kämpfen, denn man sagte diesem Sport nach, dass er kostspielig sei.


„Man braucht vor allem Freude am Tanzen und bequeme Schuhe“, versicherte Neumann vor vier Jahrzehnten den Zweiflern. Und auch heute ist die TG kein exklusiver Club mit Snobs und Privilegierten, sondern einer mit 120 Mitgliedern, die vor allem Spaß an der Bewegung und der Geselligkeit haben. Einige Gründungsmitglieder gehören dem Verein auch heute noch an. Zahlreiche Landes- und Vizemeister brachte die TG hervor und auch neue Veranstaltungsformate. Jugendcup, das Ingo-Turnier, „St. Ingbert tanzt“ und natürlich der legendäre Winterball dienten nicht nur der Präsentation des Vereins, sondern vor allem dafür, Tanz als Breitensport „salonfähig“ zu machen.

Tanzen verbindet Generationen und schon längst gehören nicht nur Standard und Latein zum Repertoire, sondern auch Zumba. Männer sind in diesem Metier „Mangelware“, wie der jetzige Vereinsvorsitzende Rolf Eutenmüller sagt und dass obwohl das Tanzen der einzige Bereich des Lebens sei „wo der Mann das Sagen hat und die Führung übernimmt“. Eutenmüller schwärmt als „Nichttänzer“, der lieber die Moderation von Bällen und Turnieren übernimmt, von diesem „ästhetischen, wunderschönen Sport, der immer in schönem Ambiente mit angenehmen Menschen“ stattfindet. Der „Selbstläufer“ Winterball braucht keine Werbung mehr, die dort auftretenden Tanzpaare sind Legenden. „Da kommen die Stars, die wir aus dem Fernsehen kennen“, so Eutenmüller, „es gibt wohl keinen Weltmeister, der noch nicht in St. Ingbert war.“

Für so einen kleinen Verein sei das „gigantisch“. Erreicht werden könne das nur durch die „enorme Harmonie im Vorstand“, wie er sagt. Er muss lachen, wenn er auf die Tanzsportordnung von 1913 zu sprechen kommt, bei der mit einer Seite alles gesagt war. „Heute hat allein die Kleiderordnung 50 Seiten“, plaudert er aus dem Nähkästchen des Turniersports. Für die Turnierpaare der vergangenen Jahre waren die Vorschriften kein Problem. Derzeit stellt die TG mit Axel und Susanne Brauner den Vizelandesmeister der Senioren II in der S(onderklasse)-Klasse, aber der Verein ist auch mit Paaren in der D- und C-Klasse Standard im Seniorenbereich erfolgreich. Dies ist auch ein Verdienst der langjährigen ehrenamtlichen Trainerin Kathie Krick, selbst mehrfache Landesmeisterin der S-Klasse und Wertungsrichterin für Standard, Latein, Formation, die von Anfang an dabei ist – zuerst als Tänzerin, dann als Jugendwartin bis zur heutigen Haupttrainerin. Sie ist die Frau mit dem am längsten andauernden Vorstandsamt.

Leicht gemacht wird ihr und ihren Mitstreitern die Arbeit, „weil bei Veranstaltungen immer genügend Helfer aus dem Verein da sind“, wie sie zur Matinee anlässlich des Vereinsjubiläums bemerkte. Auch die Tatsache, dass es bei vereinsinternen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten „immer um die Sache geht“, wie ihr Ehemann Rolf Eutenmüller sagt, „wir hatten in unserer Tanzlaufbahn noch nie einen Streit. Das macht die Arbeit so toll.“ Tanzen sei mehr als ein Hobby, es sei ein Lebensgefühl. Bei der TG gibt es die Ausbildung vom ersten Tanzschritt bis zur Perfektion, und das für alle Alters- und Leistungsgruppen.



Der kleine Verein setze nicht auf endlose (Mitglieder-)Expansion, sondern darauf, den Tanzsport in seiner traditionellen Form aufrecht zu erhalten und die Wünsche der Tänzer umzusetzen. Neid und Konkurrenzdenken seien Fremdwörter im Verein, Vertrauen, Respekt und Harmonie dagegen essentiell für dessen Fortbestehen. Ans Aufhören denken Kathie Krick und Rolf Eutenmüller nach 29 beziehungsweise 25 Jahren Vorstandsarbeit nicht.