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Neues Buch der Mundart-Päpstin

St Ingbert. Das neue, illustrierte Buch von Edith Braun umfasst 33 humorvolle und kuriose Erzählungen in saarländischer Mundart, darunter auch zahlreiche aus ihrer wöchentlichen SZ-Kolumne „Unsere Mundart“. jma

. Sie gilt als Koryphäe der saarländischen Mundartbewegung. Wenngleich das sachlich nicht ganz korrekt ist. Sie führt diese Gattung zwar an, hat sie eigentlich aber selbst erst ins Rollen gebracht. Manche bezeichnen sie auch als "Die saarländische Mundart-Päpstin". Die Rede ist natürlich von Edith Braun. Die inzwischen 92-Jährige las am Dienstagabend in der Stadtbibliothek aus ihrem aktuellen Werk "Em Leenche sei Hochzeitsnaachd unn annere Geschichte".

Kuriose Ausdrücke

"Man kann sich an ihren kuriosen Ausdrücken ergötzen", lobte auch in seiner Begrüßung Professor Gerhard Sauder. Der Vorsitzende des St. Ingberter Literaturforums (ILF) spielte damit auf die wöchentliche Kolumne "Unsere Mundart" der Autorin an, die diese seit 1996 in der SZ veröffentlicht. Das aktuelle Werk enthält zahlreiche dieser Zeitungsgeschichten von Braun. Nein, stellte die Linguistin gleich vorab klar, sie sei mit Ludwig Harig - trotz allen Respekts - nicht einer Meinung, was das Grundsätzliche zur saarländischen Mundart anginge. Der Sulzbacher Schriftsteller sieht vor allem das Saarbrücker Platt als eine Art "verwaschenes Hochdeutsch" an. So sei sie auch gegen Hörbücher. "Man muss die Texte auch lesen können", so Edith Braun. Nur wer schreibe, bleibe auch, bemühte sie treffenderweise das Sprichwort.

In ihrem Buch, illustriert durch Zeichnungen von Susanne Speicher, zeigte sich Edith Braun wieder einmal von ihrer vorwiegend humorvollen Seite. Dabei sind die 33 Geschichten keinesfalls banal. Sie offenbaren die Lebensweise aus einer früheren Zeit. "Jo, so war's" und "Ahhh", waren deshalb Sätze, die man des Öfteren am Dienstag in den gut besuchten Zuschauerreihen hören konnte. Etwa, wenn die Autorin vom "Schuhkaafe in de Palz" während der Saargebietszeit vortrug. Das hört sich trockener an, als die Geschichte ist. Oder, wenn sie aktuelle Bezüge zum Schenkverhalten beschreibt. Jeder hat alles, will stattdessen nur Geld. Da kommen manche Zeitgenossen auf die Idee, Zeitgutscheine fürs Autowaschen oder Rasenmähen zu verschenken. Der Haken: Mit dem Einlösen klappt es oft aus Zeitgründen nicht so ganz. Da hat sich die Schriftstellerin überlegt, dass sie die Gutscheine bei nächster Gelegenheit wieder zurückschenken wird.

Ins Schmunzeln gerät man auch leicht, wenn die in Dudweiler lebende Schriftstellerin "Sei erschder Fluch" vorliest. Luis hat Flugangst und meint wegen der Turbulenzen "durch die Wäschkisch se fliehe". Schier unendlich sind die Ratschläge, die man auch bekommen kann, wenn man die Freck hat. Doch, was hilft wirklich? Schließlich geht es einem "e bissje besser, als wie dod". Doch auch der muss einen Anfang haben, ist das Resümee, welches die saarländische Mundartpäpstin zog.