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Metzgermeister wirbt auf allen Kanälen um Lehrlinge

Was darf's sein? Lyoner natürlich. Thomas Petermann (neben ihm seine Frau Sabine) und Stammkundin Jessica Usner. Foto: Jörg Jacobi
Was darf's sein? Lyoner natürlich. Thomas Petermann (neben ihm seine Frau Sabine) und Stammkundin Jessica Usner. Foto: Jörg Jacobi FOTO: Jörg Jacobi
Oberwürzbach. Ein Auszubildender arbeitet derzeit bei Metzgermeister Petermann in Oberwürzbach. Bei einem Besuch des Hauptgeschäftsführeres der Handwerkskammer berichtet er, dass sich das Berufsbild des Metzgers geändert habe. Yvonne Handschuher

Eine Stammkundin aus dem Ort und eine Kundin aus St. Wendel betreten gerade das Geschäft, als Fleischermeister Thomas Petermann im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt, wie schwer es sei, sich zum einen als Metzger "zu halten" und zum anderen geeignete Auszubildende zu finden. Er berichtet, dass es im Saarland vor 15 Jahren noch rund 500 Metzger gegeben habe, heute seien es noch 200. "Die Demografie schlägt im Saarland früh und hart zu", sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes , Arnd Klein-Zirbes, der auch mitteilt, dass im Saarland in den nächsten Jahren 2500 Betriebe vor der Übernahme stünden. Es habe ein "Run" auf leistungsstarke Jugendliche und Nachwuchskräfte begonnen. "Wir müssen neue Wege gehen", so Klein-Zirbes weiter. Heißt, dass die Handwerkskammer einen Projektmitarbeiter dafür abgestellt hat, der seit einigen Monaten Jugendliche, vor allem Studienwechsler, anspricht und versucht, sie für das Handwerk zu gewinnen. "Fakt ist, dass wir im Vergleich zum Vorjahr sieben Prozent mehr Ausbildungsverträge saarlandweit abschließen konnten", so der Hauptgeschäftsführer. Fakt sei aber auch, dass es landesweit derzeit 400 offene Lehrstellen gibt. In diesem Zusammenhang ginge es auch darum, Frauen für Männerberufe zu gewinnen. Auch über das Internet (Youtube) spricht die Handwerkskammer junge Leute an und geht so mit der Zeit.



Deswegen sei es laut Klein-Zirbes so wichtig, "Vorzeigeunternehmen" wie die Metzgerei Petermann zu haben. Klein-Zirbes: "Für Thomas Petermann ist Digitalisierung kein Fremdwort." Das kann der Metzgermeister bestätigen. Auch er hat bei Youtube bereits mit einem Film um Auszubildende geworben. Trotzdem habe sich dieses Jahr erst ein 31-jähriger Mann mit Hauptschulabschluss auf seine zwei offenen Azubistellen beworben, ein Auszubildender arbeitet derzeit bei Petermann.

Petermann erklärt, dass sich das Berufsbild des Metzgers geändert habe. "Wir sind heute eigentlich näher am Koch. Aber wir haben bessere Arbeitszeiten." Er sagt, dass die meisten Metzger mit dem Schlachten faktisch nichts mehr zu tun hätten. "Wir bilden hier bei uns in der kompletten Bandbreite aus. Wir fertigen 95 Prozent der Produkte selbst, wir zerlegen, wir machen unsere eigene Salami", wirbt der Metzger für seinen Beruf und seinen Betrieb. Selbstbewusst sagt er: "Wer bei uns fertig ist, kann überall arbeiten." Bei Petermann nehmen die Auszubildenden auch an einem Austausch mit Frankreich teil und auch er hat regelmäßig französische Praktikanten bei sich in der Metzgerei. Auch die soziale Komponente wird in dem Oberwürzbacher Fachbetrieb groß geschrieben: "Wir helfen, wo wir können. Egal, ob es Probleme in der Schule gibt oder ob es im Elternhaus nicht stimmt." Froh ist Petermann darüber, dass er auch schon einen behinderten Auszubildenden zur Gesellenprüfung geführt hat. "Wir sind einfach stolz auf unseren Beruf", so der Metzgermeister, der bei seinen Kunden mit seiner Regionalvermarktung punktet, abschließend.

Die Azubi-Hotline der saarländischen Handwerkskammer ist unter der Telefonnummer (0681) 5 80 98 09 zu erreichen.