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Mandelbachtal
Geplante Schenker-Ansiedlung im Gemeinderat

Die SPD-Fraktionschefin im Gemeinderat Mandelbachtal Silvia Becker.
Die SPD-Fraktionschefin im Gemeinderat Mandelbachtal Silvia Becker. FOTO: Roman Schmidt, D-66440 Blieskast
Mandelbachtal. Im Mandelbachtaler Rat wies Daniel Kempf von den Christdemokraten Kritik der Freien Wähler am Saarpfalz-Kreis zurück. Von Jörg Martin

Der Gemeinderat Mandelbachtal hat sich in seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Mittwochabend mittels einer Resolution einstimmig gegen die geplante Ansiedlung des Güdinger Unternehmens DB Schenker am Flughafen Ensheim ausgesprochen (wir berichteten). Dem Antrag der Freien Wähler-Fraktion (FWG) schlossen sich sowohl die Union als auch die Grünen im Kommunalparlament an. Die Firma mit 500 Beschäftigten plant am Airport eine Hauptumschlagsbasis (HUB) für Südwesteuropa.


Zu Beginn der Sitzung im Ormesheimer Rathaus ging der Entwurf Silvia Becker zu weit. „Leicht übergriffig und merkwürdig“, fand die SPD-Fraktionsvorsitzende die Aufforderung, DB Schenker, die Landeshauptstadt Saarbrücken und alle im Stadtrat vertretenen Parteien sollten einen geeigneteren Standort für das geplante Projekt mit direktem Autobahnanschluss suchen. Sie stehe hinter der Resolution, sei aber der Meinung, die Angelegenheit sei das Problem der Nachbarkommune. Der Rat in Mandelbachtal mische sich besser nicht in die Belange Saarbrückens ein, da man dies umgekehrt sicher auch nicht möchte.

Daniel Wannemacher (Bündnis90/Die Grünen) stimmte der Sozialdemokratin zu und glaubt an einen Rückzug des Unternehmens in Saarbrücken. Wie Gerd Tussings (CDU) Recherchen bei seinem Parteifreund, Peter Strobel, dem Unionsfraktionsvorsitzenden im Saarbrücker Stadtrat, ergaben, stand das Thema dort nicht auf der Tagesordnung der letzten Sitzung, die zu Wochenbeginn stattfand. Caroline Reinhard (CDU) konnte beisteuern, dass die Pläne des Logistikers im Bauausschuss des Saarbrücker Rates behandelt wurden. Ein Ergebnis sei nicht bekannt, da das Gremium nichtöffentlich tagte. Gewohnt impulsiv und kritisch sah das Anliegen Gerhard Hartmann. „Wir haben ein Problem. Die Bürger befürchten noch mehr Verkehr. Die Toskana des Saarlandes wird zugemüllt“, glaubt der FWG-Fraktionschef. Es sei unverständlich, ein Gelände am Flughafen ins Auge zu fassen, welches über keinen direkten Autobahnanschluss verfügt. Er befürchte 700 Lkw pro Tag, davon alleine 500 über den Staffel (L 108) von St. Ingbert in Richtung Airport und der Rest über die Fechinger Heringsmühle. Auch Heckendalheim und Ommersheim wären stark betroffen. Hinzu kämen die Behinderungen für den Berufsverkehr, der durch den Speditionsverkehr stark beeinträchtigt werden würde.



Hartmanns Fraktion habe bereits 2007 auf das Thema der der Lkw-Maut ausweichenden Fahrzeuge hingewiesen. Schon jetzt weise alleine die Saarbrücker Straße in Ommersheim eine sehr hohe Belastung von Fahrzeugen aus. Hartmann geht schon jetzt von einem Fahrzeug pro Stunde von DB Schenker aus. Er würde sich gerne den Landrat „vorknöpfen“ wollen. Dieser tue nichts und verweigere sich der Debatte, kritisierte er. Die Werkzeuge wären da, meint der FWG-Fraktionsvorsitzende, doch sie würden nicht genutzt. Hartmann vermisse die Stellungnahme des Kreistages.

Es gäbe auch im Kreistag durchweg nur Ablehnung zu den Plänen, wusste Daniel Kempf (CDU) zu berichten. „Der Kreis macht seine Arbeit. Die Verkehrsüberwachung findet statt“, widersprach Kempf den Freien Wählern. Das Gros der Gemeinderatsmitglieder war der Meinung, Hartmann habe das Thema verfehlt. Mandelbachtals Bürgermeister Gerd Tussing drohte gar mit Entzug der Redeerlaubnis. Daraufhin erinnerte Dominik Stolz (FWG) an eine Stellungnahme der Kommunalaufsicht, wonach ein Wortentzug durch den Bürgermeister nicht rechtens sei, hieß es in der Ratssitzung.