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Investitionsprogramm
Kreis sieht Nachholbedarf beim BBZ

Gearbeitet wurde am BBZ Homburg, der Paul-Weber-Schule, immer wieder. Unser Archivbild zeigt einen Bauzaun, der damals aufgestellt wurde, weil der Wind Ziegel vom Dach gefegt hatte. Die Kreisverwaltung sieht einen Investitionsbedarf von etwa 12 Millionen allein am BBZ Homburg auf sich zukommen.
Gearbeitet wurde am BBZ Homburg, der Paul-Weber-Schule, immer wieder. Unser Archivbild zeigt einen Bauzaun, der damals aufgestellt wurde, weil der Wind Ziegel vom Dach gefegt hatte. Die Kreisverwaltung sieht einen Investitionsbedarf von etwa 12 Millionen allein am BBZ Homburg auf sich zukommen. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Allein um dringend notwendige Arbeiten am BBZ Homburg zu stemmen, sind zwölf Millionen Euro nötig. Ein Betrag, den der Saarpfalz-Kreis ohne Hilfe nicht aufbringen kann, sagt die Verwaltung. Von Ulrike Stumm

Marode Schulen – das ist vielerorts leider schon Alltag. Nun sollen die beruflichen Schulen profitieren, ihnen hat die saarländische Landesregierung eine ansehnliche Summe in Aussicht gestellt: Insgesamt 37 Millionen Euro sollen bis Ende 2020 in ihre Infrastruktur und Ausstattung fließen. Der größte Batzen des Geldes kommt allerdings nicht allen Standorten zugute. Der Saarpfalz-Kreis etwa wird nur von einer deutlich kleineren Fördersumme profitieren.



Grundlegend besteht das Programm aus zwei Paketen (wir berichteten). Von Paket eins, ausgestattet mit rund vier Millionen Euro, können alle Berufsschulen profitieren. Das zweite, deutlich größere Paket umfasst 33,3 Millionen Euro (siehe auch Infobox). Mittel aus diesem Topf können Schulträger aber nur beantragen, wenn sie im ausgewiesenen GRW-Fördergebiet liegen – das sind die Landkreise Saarlouis, Neunkirchen und der Regionalverband.

Dem Saarpfalz-Kreis nützt dies also nichts. Dabei gibt es auch hier immensen Nachholbedarf. „Die Berufsbildungszentren sind landesweit in keinem guten Zustand, unabhängig davon, ob sie im Fördergebiet liegen oder nicht. Der Investitionsbedarf ist erheblich, sodass ihn auch Schulträger, die außerhalb des Fördergebietes liegen und damit als strukturstark gelten, nicht decken können“, teilte die Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit. Sie ist zuständig für die beiden BBZs in Homburg und St. Ingbert.

So belaufe sich der Finanzbedarf zur Deckung von dringend notwendigen baulichen und energetischen Sanierungen allein am BBZ-Standort Homburg auf etwa zwölf Millionen Euro. Am Standort St. Ingbert seien es circa acht Millionen Euro. Und dies seien Summen, die der Schulträger Saarpfalz-Kreis alleine, das heißt ohne Unterstützung des Bundes und des Landes, nicht wird aufbringen könne, machte die Verwaltung deutlich.

Warum aber profitiert der Kreis nicht? Die Festlegung der deutschen Fördergebiete hänge von einem so genannten Regionalindikatoren-Modell ab, nach dem die Arbeitsmarktregionen, die nicht unbedingt an Landkreisgrenzen festzumachen seien, nach der jeweiligen Struktur und Wirtschaftskraft in einem Ranking auf der Basis bestimmter Indikatoren und Quoten bewertet werden. Hiernach wird dem Saarpfalz-Kreis kein Förderbedarf bescheinigt. „Sicherlich handelt es sich um einen objektiven Maßstab, der dennoch überdacht werden sollte“, fordert der Kreis. Das kleinräumige Saarland könne auch als eine Arbeitsmarktregion betrachtet werden und müsste als strukturschwaches Land flächendeckend in die Förderung einbezogen werden.

 Bleibt also noch das Geld aus Paket eins. Auch hier ist vieles noch unklar. Die Richtlinien zu dem Programm würden aktuell noch bearbeitet, hieß es aus der Landesregierung. Es sei noch nicht bekannt, wie hoch der Anteil des Saarpfalz-Kreises an dem landesweiten Förderbetrag in Höhe von rund vier Millionen Euro letztendlich sein werde, ließ dann auch die Kreisverwaltung wissen. „Insofern kann zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht entschieden werden, ob und welche konkreten Maßnahmen an den beiden BBZ-Standorten Homburg und St. Ingbert realisiert werden.“

Die Mittel aus diesem Topf sollten in jedem Fall dem Unterricht zu Gute kommen, das bedeute in die Ausstattung fließen. Die genaue Verwendung werde in enger Abstimmung zwischen den beiden Schulleitungen, dem Kreistag und der Verwaltung festgelegt, sobald klar ist, über welchen Förderbetrag der Saarpfalz-Kreis verfügen kann.

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, Bildungsminister Ulrich Commerçon und Innenminister Klaus Bouillon hatten die Investitionsoffensive  als „großen Wurf“ bezeichnet, mit dem die Bedeutung der dualen Ausbildung für die Fachkräftesicherung und damit für die wirtschaftliche Zukunft des Landes unterstrichen werde. Im Saarland besuchen zurzeit etwa 30.000 Schüler und Schülerinnen berufliche Schulen.

Minister Commerçon hatte auf die „große Vielfalt an Schulformen“ der beruflichen Schulen im Saarland verwiesen. Diese vermittelten zum Beispiel „eine berufliche Grundbildung oder ermöglichen eine vollschulische berufliche Ausbildung, stellen aber auch den schulischen Teil einer dualen Berufsausbildung sicher“. Die Schulträger müssten in Modernisierung, Aus- und Umbau oder die technische Ausstattung dieser Schulen investieren. Das betreffe auch IT-Geräte und Software. Auch er kennt die bauliche Problematik: „An einigen Standorten erfordert schon das Alter der Gebäude ständig teure Investitionen, um die Funktionsfähigkeit des Systems zu erhalten“, so Commerçon.

Infos zu den Berufsbildungszentren in Homburg und St. Ingbert: www.bbz-homburg.de und www.bbz-igb.de.