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„Die Spieler sind wie eine große Familie“

Beim Spielewochenende in Homburg amüsierten sich die Teilnehmer, hier Angelika, Wolfgang, Dagmar und Stefan, beim Kartenspiel. In Spielerkreisen ist es üblich, sich beim Vornamen zu nennen. Foto: Schäfer
Beim Spielewochenende in Homburg amüsierten sich die Teilnehmer, hier Angelika, Wolfgang, Dagmar und Stefan, beim Kartenspiel. In Spielerkreisen ist es üblich, sich beim Vornamen zu nennen. Foto: Schäfer FOTO: Schäfer
Homburg. In den Räumen der Homburger Jugendherberge rollten vor wenigen Tagen wieder die Würfel: Es trafen sich Liebhaber des klassischen Brettspiels aus der gesamten Region zum 13. Saändischen Spielewochenende, einer der größten und bedeutendsten Veranstaltungen ihrer Art. arl

In munterer Geselligkeit gruppierten sich auch in diesem Jahr die Besucher des Saarländischen Spielewochenendes um die Tischreihen der Konferenzsäle in der Homburger Jugendherberge, wo die regionale Spieleszene alljährlich zu einem der Saisonhöhepunkte lädt. Aus diesem Anlass waren zeitweise mehr als 200 Spieler in der Stadt; die Räumlichkeiten der Jugendherberge sind während dieser Zeit komplett ausgebucht. Die Gäste reisen jedoch nicht nur aus dem Saarland oder der benachbarten Pfalz an, sondern stammen ebenso aus dem Schwarzwald , Frankreich, Luxemburg und der Schweiz. "Die Besucherzahlen steigen beständig an, deshalb war vor sieben Jahren auch der Umzug von der Jugendherberge Weiskirchen in die modernere Anlage nach Homburg erforderlich gewesen", berichtet Stefan Ziemerle, zweiter Vorsitzender der "Spielelagune Saar " und Mitglied des Organisationskomitees. Neben dem Saarländischen Spielewochenende veranstaltet der Verein auch regelmäßig Spieletreffs in Ottweiler, Püttlingen, Saarbrücken, St. Ingbert und Zweibrücken. Spielen wird dabei immer mehr zum sozialen Event . "Früher verabredete man sich im familiären Kreis zu Spieleabenden, wenn die Verwandtschaft beisammensaß. Heute erlaubt es die Kommunikation über soziale Netzwerke, Leute in einem deutlich größeren Umkreis anzusprechen, die ähnliche Interessen haben wie man selbst", erklärt Ziemerle das mediale Phänomen der wachsenden Gemeinschaft an Hobbyspielern. Über das Internet werden auch Neuigkeiten bekanntgegeben, Termine vermeldet und natürlich auch Aufrufe zur Teilnahme an Großveranstaltungen wie dem Saarländischen Spielewochenende gestartet.

Auch wenn die Begeisterung für das traditionelle Brettspiel in Zeiten von Massendigitalisierung und der Dominanz von Video- und PC-Spielen auf den ersten Blick wenig zeitgemäß wirkt, rückt das gemeinsame Spiel, auch aufgrund seiner sozialen Komponente, immer stärker in das Blickfeld des öffentlichen Interesses. "Spielen ist ein wichtiger Integrationsträger", meint auch Stefan Ziemerle. "Man trifft sich gemeinsam, redet miteinander und lernt sich kennen. Die Spieler sind wie eine große Familie." Es ist auffällig, wie viele Eltern mit ihren Kindern die Veranstaltung besuchen, das Spielbrett gemeinsam herrichten und sich bei Snacks und Getränken ins Spiel stürzen. In den Veranstaltungsräumen angekommen, sieht man sich dann mit einer unglaublichen Auswahl an Brett- und Kartenspielen konfrontiert, die, auf Wandtischen und in Kartons sorgfältig positioniert, darauf warten, von den Gästen an den Spieltischen ausgepackt zu werden. Ungefähr 400 davon sind Vereinsbesitz der "Spielelagune Saar ", die restlichen Spiele wurden von einigen spielebegeisterten Sammlern mitgebracht, die sie den anderen Teilnehmern gerne zur Verfügung stellen. "Die Spieler sind ein sehr vertrauensvolles Völkchen. Angst, dass Spiele geklaut werden könnten, hat hier niemand", hört man aus der Spielergemeinde.

Veranstaltungen wie das Saarländische Spielewochenende bieten auch Gelegenheit, die neuesten Trends auf dem Spielemarkt zu begutachten und einige der Neuerscheinungen zum ersten Mal selbst auszutesten. Auch Spieleautoren nutzen die Veranstaltung, um Ideen und Inspirationen für die Entwicklung eigener Spiele zu sammeln.

Bei all der ernsthaften Diskussion über die Qualität der Spiele kommt der Spaß jedoch nie zu kurz. "Die Letzten gehen um 5 Uhr ins Bett. Nach ein paar Stunden Schlaf geht es weiter." Und so wird es vermutlich auch im nächsten Jahr wieder spät werden, wenn Groß und Klein am Saarländischen Spielewochenende zusammenkommen, um in einladender Atmosphäre Spielsteine zu rücken und Würfelbecher zu stürzen.

Mehr Informationen zu den Spieletreffs und weitere Veranstaltungen der Spielelagune Saar unter www.spielelagune-saar.de .