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Tschernobyl Hilfe
18 Kinder kommen zur Erholung

Seit 24 Jahren kommen Kinder aus der Gegend von Tschernobyl ins Saarland. Hier ein Foto im Museum des Jean-Schaub-Hauses mit dem Vorsitzenden der Kinderhilfe, Peter Chodorski (3. von links) und dem Schatzmeister Herbert Keilbach (2.von rechts), das die Gruppe vom vergangenen Jahr zeigt.
Seit 24 Jahren kommen Kinder aus der Gegend von Tschernobyl ins Saarland. Hier ein Foto im Museum des Jean-Schaub-Hauses mit dem Vorsitzenden der Kinderhilfe, Peter Chodorski (3. von links) und dem Schatzmeister Herbert Keilbach (2.von rechts), das die Gruppe vom vergangenen Jahr zeigt. FOTO: Wolfgang Degott
Homburg/Mandelbachtal. In diesem Jahr gibt es ein Jubiläum: Das 1000. Kind kommt ins Saarland  — 1994 begann die Hilfsaktion für die Kinder aus Tschernobyl. Von Christine Maack

Im Sommer 1994 kamen erstmals sieben weißrussische Kinder aus der Nähe von Tschernobyl zur Erholung ins Saarland. In diesem Jahr, also nach 24 Jahren,  wird am 21. Juli die Tausender-Grenze überschritten: Innerhalb von 24 Jahren konnten sich zusammengerechnet 1007 Kinder im Saarland erholen.


Unsere Zeitung berichtete 1994 unter der Überschrift: „Tschernobyl-Kinder erholen sich prächtig“ über die Ankunft der Kinder: „Nach rund 40-stündiger Fahrt mit dem Omnibus treffen hier sieben Kinder, fünf Jungen und zwei Mädchen im Alter zwischen sechs und dreizehn Jahren aus Mosyr und Gomel, aus dem nördlichen Umfeld von Tschernobyl, müde aber wohlbehalten in Erfweiler-Ehlingen ein“.

Die Fahrzeit mit dem Bus sei dank der verbesserten Infrastruktur in Polen mittlerweile kürzer geworden und dauere nur noch 26 Stunden, die Verstrahlungsprobleme in Teilen von Weißrussland seien aber noch nicht überwunden, so Peter Chodorski, Vorsitzender der saarländischen Kinderhilfe.



Nach wie vor sei die Sommer-Erholung für die Kinder „eine wichtige gesundheitliche Hilfe und ein außergewöhnliches, bleibendes Erlebnis“. Die Kinder würden vor der Reise nach Deutschland ärztlich untersucht und seien nicht akut krank, so Peter Chodorski.

Allerdings sei ihr Immunsystem auf Grund der belasteten Umwelteinflüsse weitaus anfälliger gegen Krankheiten. Der vorrangige Zweck der Erholung sei es daher, das Immunsystem der Kinder zu stärken.

Die diesjährige Kindererholung findet vom 21. Juli bis 14. August statt. Es werden in diesem Jahr 18 weißrussische Kinder bei 13 saarländischen Gastfamilien unterkommen, es handelt sich dabei um zwölf Mädchen und sechs Jungen. Zu den 13 Gastfamilien, von denen sich einige schon seit Jahren engagieren, kamen in diesem Jahr fünf neue Familien hinzu.

Die weißrussische Betreuerin Larissa Tschetschko feiert ebenfalls eine kleines Jubiläum. Sie kommt bereits zum 20. Mal  als Betreuerin der weißrussischen Kinder zu der Gastfamilie Keilbach, die  in Mandelbachtal wohnt. Aber auch die Betreuerin Lusia Garbar ist schon seit einigen Jahren dabei.

Die Betreuerinnen, die sehr gut Deutsch sprechen,  haben eine wichtige Aufgabe, denn sie übersetzen alles und beseitigen auch sprachliche Missverständnisse,  die sich zwischen den Kindern und den Gastfamilien ergeben können. Die Smartphones mit ihren Übersetzungsprogrammen seien eine zusätzliche Hilfe, so die Erfahrung der Gasteltern. Denn eines ist auch klar: Es handelt sich bei dem Ferienprogramm nicht um einen Sprachurlaub, das heißt, die Kinder, die zwischen neun und 14 Jahren alt sind, können sich kaum auf Deutsch verständigen.

Deshalb gibt es Familien, die gleich zwei Kinder aufnehmen, damit nicht so viel Heimweh entsteht. Außerdem ist zweimal in der Woche ein Treffen aller Kinder vorgesehen, sodass sich Freunde und Freundinnen aus ihren heimatlichen Dörfern regelmäßig sehen.  Bisher, so Familie Keilbach aus Mandelbachtal, habe man gute Erfahrungen mit den Kindern gemacht: „Wir nehmen immer zwei Jungs unter zehn Jahren auf, das klappt sehr gut.“ Anfangs, in den 90-er Jahren, hatten Keilbachs zwei Jungen aufgenommen, weil der eigene Sohn damals im selben Alter war. Inzwischen ist der Sohn erwachsen, aber die Kinder kommen immer noch nach Mandelbachtal. Nur durch das persönliche Engagement der saarländischen Gastfamilien, die die Kinder aus den entlegenen weißrussischen Dörfern drei Wochen lang umsorgen, sei die Sommererholung immer wieder möglich, so Peter Chodorski.

Für Abwechslung im Ferienalltag sorgt auch diesmal wieder  ein von der saarländischen Kinderhilfe organisiertes und finanziertes Ferienprogramm. Dabei treffen sich die weißrussischen Kinder mit ihren Gasteltern und deren Kindern zu gemeinsamen Veranstaltungen und Spielen.

Diesmal stehen folgende Ausflüge auf dem Programm: Am 27. Juli besuchen die Kinder das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, am 28. Juli ist ein Spiele- und Zaubernachmittag im Martin-Bucer-Haus in Breitfurt geplant. Am 1. August geht es in den Neunkircher Zoo, am 4. August wird gemeinsam gewandert und am Lagerfeuer in Wattweiler gegrillt. Am 8. August findet  bestimmt einer der Ferien-Höhepunkt für die Kinder statt, denn sie dürfen eine Schiffstour an der Saarschleife machen. Das  Ferienprogramm für die Kinder aus Shitkowitschi endet am 11. August mit dem Besuch der Gartenschau in Kaiserslautern, wo die Kinder Spielplätze, Saurier und eine Lego-Ausstellung vorfinden.

Vermutlich werden sie auch diesmal gut erholt und voll mit neuen Eindrücken wieder in die Heimat zurückfahren.

Am 21. Juli kommen die 18 weißrussischen Kinder nach 26-stündiger Fahrt in dem Bliesgau-Dorf Ballweiler an und werden dort von ihren Gasteltern abgeholt, die aus dem ganzen Saarland anreisen.