| 20:31 Uhr

Gersheimer Theaterwoche
Der ganz normale Probenwahnsinn

Szene aus dem Stück der Gruppe "So ein Theater": Der lesende Klaus Haas, die stehende Karin Döring, Lina Becker, Vanessa Forsch, Philipp Groh mit dem Arm am Stuhl gelehnt.
Szene aus dem Stück der Gruppe "So ein Theater": Der lesende Klaus Haas, die stehende Karin Döring, Lina Becker, Vanessa Forsch, Philipp Groh mit dem Arm am Stuhl gelehnt. FOTO: Wolfgang Degott
Gersheim. Die 32. Gersheimer Theaterwoche ist mit einer Komödie der Theatergruppe „So ein Theater“ zu Ende gegangen.

Rund 1600 Besucher kamen zu den neun Vorstellungen der 32. Gersheimer Theaterwoche, die mit der Premiere der neuen Inszenierung der Theatergruppe „So ein Theater“ aus Niederwürzbach zu Ende ging. Das zehnköpfige Ensemble spielte die Komödie „Mord on Backstage“ und brachte den realistischen Probenwahnsinn auf die Bretter des Kulturhauses.


Seit August vergangenen Jahres hatten die Akteure, die aus Breitfurt, Hassel und Niederwürzbach stammen, in ihrem Proberaum, dem Missionshaus von Breitfurt, die Szenen und Aufzüge einstudiert und präsentierten sich in der Folge in toller Spiellaune, krönten damit die Vorbereitung, die unter der Führung von Regisseurin und Leiterin Veronika Kesel, abgelaufen war.

Die Kriminalkomödie war ihre vierte Inszenierung, die sie in Gersheim spielten, insgesamt ihr neuntes Stück seit der Gründung im Jahre 2009. Als sich der Vorhang öffnete, blickte das Publikum in einen zweigeteilten Raum. Links die Bühne, wo ein Theaterstück geprobt wird, rechts den Backstage-Bereich, in dem sich die pausierenden Schauspieler aufhalten. Das Stück handelte vom Regisseur Heini Feinstaub (gespielt von Gideon Grünholz und seiner Laientruppe). Viele Jahre führten sie zusammen erfolgreich Lustspiele auf. Durch diesen Erfolg fühlte sich der Regisseur angestachelt, selber ein Stück zu schreiben; allerdings kein Lustspiel, sondern ein Drama à la Shakespeare. Dies schrieb er aber in einer Sprache, die die Schauspieler kaum verstehen, geschweige denn richtig aussprechen können. Je länger die Proben dauern, desto mehr demonstrieren die Schauspieler im Stück ganz unverhohlen ihre Unlust. Aber alle Auflehnung half nichts, die Aufführung war in vollem Gang.



Als Heini am Ende des zweiten Aktes vom Schicksal außer Gefecht gesetzt wurde, versuchen die verunsicherten Schauspieler, die Premiere trotz widrigster Umstände und gewaltigen Textaussetzern doch noch irgendwie zu Ende zu spielen. Gerade das Wechselspiel zwischen den Proben auf der Bühne und den Reaktionen hinter der Bühne gab dem Stück einen ganz besonderen Reiz. Es wurde immer wieder zwischen Textpassagen, die das Privatleben mit seinen Eheproblemen, Streitigkeiten zeigten und deren Vermischung mit der harten Theaterprobenrealität auf der anderen Seite dargestellt.

Schlussendlich war es eine Frage der Identitätsbildung, aus welchen Teilen sich die Realität der Menschen mehr zusammensetzte. Zu sehen waren außer Grünholz die neun Akteure Susanne Vicentini, Peter Krug, Philipp Groh, Karin Döring, Martin Schindler, Petra Enders, Nina Becker, Vanessa Forsch und Klaus Haas.