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Vom Elfenbeinturm auf die Wiese

Am Niederwürzbacher Kunstparcours lag auch der historische Annahof, in dessen Rund seit sieben Jahren die Kunstwiese geboten wird. Foto: Cornelia Jung
Am Niederwürzbacher Kunstparcours lag auch der historische Annahof, in dessen Rund seit sieben Jahren die Kunstwiese geboten wird. Foto: Cornelia Jung FOTO: Cornelia Jung
Niederwürzbach. „Hier steppt heute der Kunstbär“, sagte Petra Linz, Ortsvorsteherin von Niederwürzbach zur Begrüßung der Gäste auf der Kunstwiese. Und sie hatte nicht zu viel versprochen: Rund um den Weiher, im Annahof und in der Würzbachhalle gab es Kunst und Kunsthandwerk – zum Schauen und auch zum Kaufen. Cornelia Jung

Kunst, soweit das Auge blicken konnte, gab es am Sonntag an beinahe jeder Stelle rings um den Niederwürzbacher Weiher . Am Annahof fand die 7. Kunstwiese statt, am Ufer des Weihers schlängelte sich der Kunstparcours mit Installationen, Skulpturen, Performances , einem Kinderprogramm, Gemälden, Fotos, LandArt und noch vielem mehr entlang und in der Würzbachhalle hatte der Kunsthandwerkermarkt seine Pforten geöffnet, der sonst mit dem Weiherfest einherging. Letzteres gibt es nicht mehr, doch die Kunsthandwerker blieben. Bereits im vergangenen Jahr sollte dieses Kunstereignis stattfinden, was es aber wegen des schlechten Wetters nur in einer abgespeckten Variante gab. Nun, beim zweiten Anlauf, passte alles.


Die Kunst im Triple begeisterte die kunstinteressierten Besucher, die kamen, sahen und kauften, aber auch fachsimpelten und jede Menge Fotos schossen. Das war ein Kunstfestival für die Sinne, hier gab es nicht nur was für die Augen, sondern auch für die Ohren, fürs Herz und die Seele. Auch die Ortsvorsteherin von Niederwürzbach , freute sich, dass sie die Gäste und Künstler nun zu dieser "ein- und erstmaligen Großveranstaltung" begrüßen konnte. "Hier steppt heute der Kunstbär. Nehmen Sie sich die Zeit, die Kunst in vielfältiger Weise auf sich wirken zu lassen, schöpfen Sie Kraft und lassen sie sich inspirieren. Staunen Sie und entscheiden Sie ganz persönlich, was Ihnen gefällt und was nicht, und was hinter dem künstlerischen Schaffen an Kreativität und Ideenreichtum steckt", lud Petra Linz zum Gang auf dem Parcours ein.

Genau hinschauen lohnt sich



Auf dem lustwandelten die Besucher, die wirklich in alle Ecken, an Zäune, Sträucher und Bäume schauen mussten, um alles wahrzunehmen. Schmuck, kunstvolle Verpackungen, Gestricktes, Gehäkeltes, Getöpfertes, Genähtes, Geschriebenes und Gedichtetes, Geschnitztes, Kreatives aus Beton und Glas, Fotos, Gemälde, Installationen aus Naturmaterialien, Tanzeinlagen, Performances , Bekanntes und Überraschendes, das Angebot war überwältigend, die Kulisse des Weihers mit seinen historischen Gebäuden grandios. Die ausgestellte Kunst war so vielfältig, dass manch einer während des Rundganges seinen Kunsthorizont dermaßen erweitert hatte, dass er alles für möglich hielt. "Da vorn an der Bank war ein Kärtchen mit einer Nummer. Ich habe wirklich überlegt, ob es sich bei dem Paar, das da sitzt, um Aktionskunst handelt", sagte eine St. Ingberterin lachend. Auf einem Steg am Weiher war ein gemütliches Plätzchen eingerichtet worden. Erst bei näherem Hinsehen und beim Hören der Musik erschloss sich dieses Arrangement als 60er-Jahre-Installation.

Die Abdeckfolien, aus denen die Wassergeister auf einer der Brücken bestanden, raschelten leise im Wind, Lachen und Musik wehte über den See, nur selten von vorbeifahrenden Zügen unterbrochen. Aber selbst dort, wo sonst eher ein Schild vor dem Betreten der Gleise warnte, hieß es am Sonntag nur "Achtung Kunst". Was alles Kunst ist, entschied jeder für sich selbst. Kunst kann alles und überall sein. Selbst in der Würzbachhalle, wenn auch nur temporär. "Das hat damals viel Überzeugungsarbeit gekostet, dass so eine Halle nicht nur für den Sport geeignet ist", sagte Ulrike Maus von den Landfrauen, die an diesem Tag auch fürs leibliche Wohl sorgten, "vor allem ist die Verbindung der drei Veranstaltungen ein guter Weg, um unterschiedliche handwerkliche Begabungen darzustellen."

Die lockere Anordnung der Künstler mit ihren Stationen kam bei den Besuchern gut an. "Die Leute sind richtig froh", so Mia Sabine Groll, eine der Initiatorinnen der Kunstwiese am Annahof, "Ziel ist es, die Arbeiten aus dem steifen Kunstraum herauszuholen. Die Künstler sind ja ein Völkchen für sich. Das macht es so spannend und so bunt." Spannende Arbeiten, entspannte Gäste und im "Abspann" des gelungenen Kunstspektakels noch Livemusik. Was wollte man mehr. Es war einfach groß-ART-ig.