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Gute Noten vom Professor

Gute Noten vom Professor

Uni oder Musik-Karriere? Der Präsident der Saar-Uni entschied sich 1981 für die Wissenschaft. An diesem Donnerstag holt ihn jedoch seine Vergangenheit wieder ein. Denn dann steht Volker Linneweber zusammen mit fünf weiteren Professoren am Plattenteller. Es könnte heftig werden.

"DJs neigen zu wortfaulem Autismus", schreibt der Kulturwissenschaftler Ulf Poschardt in seinem Buch "DJ Culture". Glücklicherweise gilt das nicht für jene, die im Hauptberuf Hochschullehrer sind. Von ihnen lassen sich interessante Einblicke in die Kunst des Plattenauflegens gewinnen.

Einmal im Jahr tauschen Professoren der Saar-Uni ihren Talar gegen die Turntables, um den Studenten mal nicht zu zeigen, wie eine Anamnese erstellt oder ein Gesetzestext ausgelegt wird, sondern wie man Party macht.

Eine Art Star-DJ ist Frank Spinath. Der Psychologe, der das NOTP-Publikum bereits mehrfach begeisterte, spielt nebenberuflich in einer eigenen Band. Mit seinem Projekt "Seabound", das elektronische Musik mit düsteren Texten produziert, ist er schon durch die USA und Russland getourt - natürlich in den Semesterferien.

Eigene Stücke hat Spinath bei seinen Auftritten als DJ bislang noch nicht gespielt. Obwohl er sie immer dabei hatte. Eventuell ist es dieses Jahr ja soweit: Spinath rückt nicht mit einer fertigen Playlist an; er will die Auswahl der Songs von der Stimmung vor Ort abhängig machen. Tendenziell könnte es "ein bisschen härter" werden.

Eine Neigung zu härteren Klängen teilen die meisten seiner Kollegen, die am Donnerstag auflegen. Informatik-Professor Holger Hermanns beispielsweise, der nach 2012 zum zweiten Mal dabei sein wird, outet sich als Anhänger der Fun-Metal-Band J.B.O. (James Blast Orchestra). Und Chemie-Professor Gregor Jung stellt schon mal klar: "Was ich überhaupt nicht ertrage, sind die Schmusesongs, die von aktuellen deutschen Songschreibern produziert werden und anschließend die Radiostationen fluten."

Jung wurde durch die Punkmusik seiner älteren Brüder geprägt, die in einer Band namens "Konsumgeil" spielten. "Viel weiter habe ich mich nicht entwickelt, ich bin also irgendwo in den 80ern zwischen Punk, NDW und New Wave stehen geblieben", erklärt er selbstironisch.

Der Präsident legt auf

Für die diesjährige Party hat Jung sich etwas Besonderes überlegt. "Dieses Mal möchte ich das Erbe verstorbener Künstler hochhalten, wobei ich auch etwas weniger bekannte Interpreten wie Klaus Nomi und Divine anspielen möchte. Ansonsten werde ich aber bekannte Songs präsentieren, zu denen wir früher selbst getanzt haben. Das erscheint mir die beste Art, sich der Kunstwerke und damit der Personen zu erinnern."

Der Mediziner Sven Gottschling, der zum ersten Mal auftritt, hört in seiner Freizeit "Heavy Metal und Schlimmeres". Die Organisatoren seien also durchaus gewarnt gewesen, als sie ihn einluden. Für die Playlist habe er sich aber Sachen überlegt, die tanzbar sind - vorwiegend aus den Bereichen Metal, Grunge, Punk. Es wird also nicht eine Stunde lang Slayer und Metallica auf die Ohren geben.

Ein besonderer Höhepunkt dürfte der Auftritt von Uni-Präsident Volker Linneweber werden. Kurz vor seinem Abschied vom Amt spielt der Psychologe noch mal als DJ auf. Dabei fügt sich seine Auswahl in den Tenor des Abends. "Meine Playlist wird eher rockige Titel vorwiegend aus den 80ern umfassen, die mich zu meiner Zeit beeindruckten und die man auch gelegentlich noch hört."

Linneweber hat einen durchaus beachtlichen musikalischen Hintergrund. Von 1968 bis 1980 spielte er in verschiedenen Bands, erst Rock und Pop, später Jazz. "Aus der letzten Formation ‚plöp' sind immerhin zwei Profis hervorgegangen", erzählt er. "Spätestens mit meiner Promotion 1981 habe ich aber die Entscheidung getroffen, meine Keyboarder-Ambitionen doch nicht zum Beruf zu machen."

Musik spielte im Leben des scheidenden Uni-Präsident schon von klein auf eine wichtige Rolle. "Ich habe als braves Kind in einer sehr Musik-affinen Familie zunächst Klavier und Querflöte, später Orgel gespielt und sogar das sogenannte C-Examen parallel zum Gymnasium erworben", erzählt er. "Ich kann mich erinnern, samstags in verrauchten Kneipen musiziert zu haben und sonntags dann die Orgel zu spielen."

Inzwischen sind Ausflüge ins Nachtleben für Linneweber die Ausnahme. Er freut sich aber ebenso darauf wie die Juristin Annemarie Matusche-Beckmann: "Feiern gehört meines Erachtens zum Uni-Leben dazu", sagt sie. "Wer viel arbeitet, darf auch viel feiern. Die Profs haben die Herausforderung am Mischpult angenommen - und freuen sich jetzt über jeden Studenten, der dabei ist."

Los geht's am Donnerstag um 21 Uhr im Audimo auf dem Uni-Campus (Geb. E 2.2) Das genaue Programm ist auf der Facebook-Seite des Asta zu lesen.

 Bei der „Night of the Profs“ hören Studenten ihren Dozenten nicht nur andächtig zu, sondern tanzen in ihrem Takt – wie diese Fans des Psychologie-Professors Frank Spinath. Foto: Uni
Bei der „Night of the Profs“ hören Studenten ihren Dozenten nicht nur andächtig zu, sondern tanzen in ihrem Takt – wie diese Fans des Psychologie-Professors Frank Spinath. Foto: Uni Foto: Uni

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