An der Saar-Uni gibt es ein Übersetzerstudium mit technischer Ausrichtung

Übersetzerstudium mit technologischem Fokus : Fachleute für Fremdsprachen

Dieser Studiengang der Saar-Universität bereitet Übersetzer auf die Berufswelt von morgen vor.

„Es gibt doch Dr. Google & Co. – warum braucht man überhaupt noch menschliche Übersetzer?“, werden Friederike Lessau und Rebecca Fox immer wieder gefragt, wenn sie erklären, was sie studieren. Lessau gehört zu den 92 Studierenden im Bachelor „Language Science“, Fox zu den 34 Masterstudierenden von „Translation Science and Technology“ an der Saar-Uni. Es ist ein Übersetzerstudium mit technologischem Schwerpunkt.

 In vielen Bereichen, wie bei kreativen Texten, Redewendungen und um Wortwitze sinngemäß in andere Sprachen zu übersetzen, sei ihre Arbeit unverzichtbar. Das steht für die Beiden fest. Sonst kommen zum Beispiel bei Gebrauchsanweisungen manchmal lustige, oft aber unverständliche Sätze heraus. „Übersetzer sind erst dann unnötig, wenn es gelingt, das menschliche Gehirn nachzubauen“, ergänzt Fox.

Die St. Ingberterin gehörte zu den Ersten, die in der heutigen Fachrichtung „Sprachwissenschaft und -technologie“ ein Studium aufgenommen haben. 2016 wurden die Fachrichtungen „Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen“ und „Computerlinguistik und Phonetik“ zusammengeschlossen. Eigentlich habe sie Psychologie studieren wollen – und dies sei nur ihr Plan B gewesen, blickt Fox zurück. Doch dann hat der 24-Jährigen gut gefallen, dass das Fach relativ klein und familiär ist und sie ihre Englisch- und Spanisch-Kenntnisse einbringen konnte. „Ich reise auch gerne“, ergänzt sie. Inzwischen ist sie im dritten Master-Semester.

 Friederike Lessau, die ihr viertes Bachelor-Semester absolviert hat, stammt aus Schleswig-Holstein. „Schon in der Schulzeit habe ich ein Auslandsjahr in Panama verbracht. Nach diesem wurde mir klar, dass ich unbedingt etwas mit Sprachen und am liebsten auch mit Übersetzen studieren möchte“, blickt sie zurück. Nach dem Abi machte sie einen Freiwilligendienst in Mexiko. Für den Studiengang hat sich die 22-Jährige entschieden, „da dieser sowohl die Sprachwissenschaft, als auch das Übersetzen beinhaltet – eine Kombination, die man ganz selten an anderen Unis findet.“ Und so fiel ihre Wahl auf die Saar-Universität.

Dass die neuen Studiengänge auch mit Technik und Programmierung zu tun haben, habe zunächst bei ihren Kommilitonen für Bedenken gesorgt. „Viele haben sich für ein Sprachstudium entschieden, weil dieses eben nichts mit Naturwissenschaften und Technik zu tun hat“, sagt Fox. Doch auch für Lessau steht inzwischen fest: Sie sei zwar kein Technikfreak, aber sehe ein, dass dieser Bereich wichtig ist. Und Fox ergänzt: „In vielen Stellenausschreibungen sind heute auch HTML-Kenntnisse erwünscht.“ Maschinelle Übersetzungsprogramme sind aus dem Alltag von Übersetzern nicht mehr wegzudenken. Wie diese funktionieren und mit welchen Infos Menschen sie füttern müssen, damit sie überhaupt arbeiten können, ist daher Teil des Masterstudiums an der Saar-Uni.

Natürlich müssen die Studierenden Fremdsprachen gut beherrschen. Für das Studium werden in den romanischen Sprachen jeweils unterschiedliche Kenntnisse vorausgesetzt. In Englisch ist tiefgreifendes Grammatik-Wissen erforderlich.

 Im Bachelor seien die Veranstaltungen zu einem großen Teil vorgeschrieben, sagen Fox und Lessau. In den ersten beiden Semestern gibt es in vielen Bereichen Einführungsvorlesungen. Zu diesen Vorlesungen in Statistik- und Programmierung raten die Studentinnen auch das Tutorium und den Vorkurs zu belegen. „Ab dem dritten Semester wird es dann so richtig interessant“, weiß Lessau. Im Master belegen die Studierenden dann zu einem Thema gleichzeitig eine Vorlesung und ein Seminar zur praktischen Anwendung.

Während ihres Bachelorstudiums hat Fox festgestellt, dass das Fach in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen steckt. Auch die Dozenten hätten zunächst Erfahrungen sammeln müssen und seien stark auf das Feedback der Studierenden angewiesen gewesen. Um praktische Erfahrungen zu sammeln, hat die Saarländerin in den Semesterferien auf eigene Faust ein Praktikum in einer Berliner Übersetzungsagentur absolviert. Weil viele ihrer Kommilitonen in der Regelstudienzeit durchkommen wollen, verzichteten sie jedoch oft darauf. Fox sagt, sie fände es gut, wenn hier ein Pflichtpraktikum vorgeschrieben würde.

An der Saar-Uni gebe es verschiedene Hiwi-Jobs, also Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte. So korrigiert Fox am Lehrstuhl für Soziologie für ein wissenschaftliches Magazin Texte in Deutsch und Englisch. Lessau transkribiert dagegen für ein Projekt Reden des Europäischen Parlaments. „Das Gute ist, dass man oft von Zuhause arbeiten kann“, sagt Fox. Was die Einteilung ihrer Arbeitszeiten angeht, seien die Hiwis häufig frei.

Lessau hat vor, nach ihrem Bachelor- noch ein Master-Studium anzuschließen. Danach möchte sie am liebsten in einer Agentur oder einem Unternehmen als Übersetzerin arbeiten. Bei Fox sind die beruflichen Pläne dagegen noch offen. Über die Möglichkeiten informieren an der Saar-Uni jedoch Veranstaltungen, bei denen die Studierenden Kontakte mit ehemaligen Absolventen knüpfen könnten, etwa die Karrieremesse „Next“. Die beruflichen Einsatzmöglichkeiten sind auf alle Fälle vielseitig und reichen von Übersetzungsbüros über Industrie-Unternehmen bis hin zur Tourismusbranche.

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