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"Im Interesse der Patienten" Viele Worte, keine Taten

"Im Interesse der Patienten" Viele Worte, keine Taten

Zweibrücken/Mainz. Innere Medizin und Chirurgie - das sind mit großem Abstand die Schwerpunkte des Evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken. Innere Medizin und Chirurgie - das sind mit großem Abstand auch die Schwerpunkte des Nardini-Klinikums St. Elisabeth in Zweibrücken. Schon der Blick auf die Bettenbelegung lässt erahnen - hier ist Kooperationspotenzial

Zweibrücken/Mainz. Innere Medizin und Chirurgie - das sind mit großem Abstand die Schwerpunkte des Evangelischen Krankenhauses in Zweibrücken. Innere Medizin und Chirurgie - das sind mit großem Abstand auch die Schwerpunkte des Nardini-Klinikums St. Elisabeth in Zweibrücken. Schon der Blick auf die Bettenbelegung lässt erahnen - hier ist Kooperationspotenzial. Kooperationspotenzial, über das schon seit über einem Jahrzehnt gesprochen wird. Doch die Fronten zwischen den Krankenhaus-Verantwortlichen schienen zuletzt verhärtet, der Gesprächsfaden gerissen. Bis diese Woche erst das evangelische und dann das katholische Krankenhaus im Pfälzischen Merkur ihren Willen zur Kooperation bekundeten. Die Gespräche sollen wieder aufgenommen werden, wenn Anfang 2013 auch im Nardini-Klinikum der Führungswechsel abgeschlossen ist. Das von Malu Dreyer geführte rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hatte zuletzt vor zwei Jahren öffentlich auf eine Kooperation der beiden Nachbarkliniken gedrungen. Dies hat sich auch nicht dadurch geändert, dass sich das katholische Krankenhaus mittlerweile mit dem St.-Johannis-Krankenhaus Landstuhl zum Nardini-Klinikum verbunden hat, ergab am Freitag eine Merkur-Anfrage bei Ministeriums-Sprecherin Beate Fasbender-Döring: "Das Gesundheitsministerium erwartet von Krankenhäusern am gleichen Standort eine gute Kooperation und hat deshalb auch in Zweibrücken die Initiative ergriffen, die Kooperation zwischen beiden Krankenhäusern zu vertiefen." Hätte eine Kooperation, etwa durch Konzentration bestimmter Fachbereiche und damit personeller wie technischer Ressourcen in einem Gebäude, aus Sicht des Ministeriums auch Vorteile für die Qualität der medizinischen Versorgung? Fasbender-Döring antwortet, eine Kooperation liege "im Interesse der Patientinnen und Patienten, soll aber auch dazu beitragen, Wirtschaftlichkeitspotentiale zu nutzen und harte Konkurrenzkämpfe zu vermeiden, die letztlich zulasten der Versorgung gehen".Der Ärztemangel - viele Kliniken geben viel Geld aus, um im Ausland Mediziner anzuwerben und Ärzten attraktive Angebote zu machen (wir berichteten) - ist für das Ministerium ein weiter Grund, auf eine Kooperation zu drängen. Fasbender-Döring schreibt: "Die Entwicklung auf dem Krankenhausmarkt, zum Beispiel der immer stärker zunehmende Fachkräftemangel in ländlichen Regionen, verstärkt den Druck zu effizientem Wirtschaften. Das gilt auch für Zweibrücken." Das Ministerium könne Kooperationsgespräche aber nur initiieren: "Es ist an den Krankenhäusern, sich mit einem Ergebnis ihrer Bemühungen an das Ministerium zu wenden. Bisher haben sich noch keine konkreten Ansatzpunkte ergeben. Jetzt müssen auch erst einmal die anstehenden personellen Veränderungen in der Führung beider Krankenhäuser abgewartet werden." In welcher Höhe strebt das Ministerium Kosteneinsparungen durch eine Kooperation in Zweibrücken an? Fasbender-Döring nennt noch keine Zahlen, "da sinnvolle Bereiche für mögliche Kooperationen, wie zum Beispiel in den Funktionsbereichen, sehr unterschiedlich sein können". Zweibrücken. Die Beschäftigten des Evangelischen Krankenhauses beobachteten die Kooperationsdebatte mit großer Gelassenheit, berichtet Mitarbeiter-Vertreterin Silvia Bezold. Zwar stehen "Kooperation" und "Synergieeffekte" bekanntlich oft auch für Personalabbau - doch weil die Beschäftigten schon seit über einem Jahrzehnt in der Zeitung von Kooperationsplänen lesen, glaube kaum jemand mehr daran. Und "im Kleinen" gebe es ja auch schon Kooperationen, etwa bei der Krankenpfleger-Ausbildung. Eine gemeinsame Trägerschaft dagegen sei kaum vorstellbar, "weil dann einer 51 Prozent haben müsste - soweit ist die Ökumene nicht". Die Mitarbeitervertretung von St. Elisabeth hatte kürzlich im Merkur von Unruhe wegen der "angespannten personellen Situation" in der Klinik berichtet. Auch am Evangelischen Krankenhaus sei die personelle Situation angespannt, sagt Bezold - schränkt aber ein: "Das ist mittlerweile an jedem Krankenhaus in Deutschland so, es gibt immer weniger Pfleger für immer mehr Patienten, die Arbeit wird immer intensiver." lf

"Der immer stärker zunehmende Fachkräftemangel verstärkt den Druck."

Gesundheitsministerium

Hintergrund

Im Landeskrankenhausplan 2010-2016 des Mainzer Gesundheitsministeriums steht: "Die Schaffung eines Verbundkrankenhauses ist auch aus gesundheitspolitischen Gründen geboten, wenn Krankenhäuser eines annähernd gleichen Einzugsgebietes sich nur durch den Aufbau nicht bedarfsnotwendiger Parallelstrukturen lebensfähig zu halten versuchen." lf