1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Festival Euroclassic 2017: Friday Night in Zweibrücken

Festival Euroclassic 2017 : Friday Night in Zweibrücken

Mit einem grandiosen Konzert des Gitarren-Virtuosen Al Di Meola in der ausverkauften Festhalle verabschiedete sich das Euroclassic-Festival 2017 aus Zweibrücken.

Wen man auch fragte nach und während des Eurclassic-Konzerts von Al Di Meola in Zweibrücken – eines hatten alle gemeinsam: Nämlich das 1980 aufgenommene Album „Friday Night in San Francisco“ im Plattenschrank. Damals hatte sich der Italo-Amerikaner mit zwei ebenso berühmten und virtuosen, aber stilistisch anders gelagerten Gitarristen zusammengetan, nämlich mit dem Flamenco-Spieler Paco de Lucia und dem Rock- und Jazzgitarristen John McLaughlin.

Di Meola kann als so etwas wie das verbindende Element angesehen werden: Zunächst wurde er mit Fusion-Jazz in Chick Coreas Band „Return to Forever“ bekannt, bei seinem Konzert in der Zweibrücker Festhalle am Freitagabend war er dann stilistisch eher in der Folklore beheimatet.

Di Meola fährt bis heute beide Schienen, sowohl Rockjazz auf der E-Gitarre als auch die typischen Stile wie Flamenco oder Tango für die Akustikgitarre. Viele Kompositionen der argentinischen Tango-Legende Astor Piazzolla gab es in der ausverkauften Festhalle zu hören, einige Beatles-Stücke, denen jedoch etwas Mittelmeer-Flair beigemischt wurde, und natürlich Di Meolas eigene Kompositionen.

Mitgebracht hatte der 63-jährige einen weiteren Akustikgitarristen in Person von Kevin Zedeki und Fausto Beccalossi am Akkordeon. Allein das war schon eine Ansage, wohin die Reise gehen sollte: Weg vom Jazz, weg von der Elektronik. Wobei, letztere spielte dann doch eine leider zweifelhafte Rolle, denn Di Meola schaltete häufig seinem akustischen Gitarrenklang einen böse nach Plastikstreichern klingenden Synthesizer dazu – wohl um noch mehr Brillanz in den Höhen zu erhalten. Da wäre weniger mehr gewesen. Ansonsten konnte der Altmeister den zahlreichen Gitarristen im Publikum zeigen (der Zweibrücker Kulturamtsleiter Thilo Huble ließ diese am Anfang aufzeigen), dass er immer noch zu den schnellsten Solisten des Planeten gehört. Sein einstiger Mitstreiter Paco de Lucia hatte ja mal gesagt, die rasende Geschwindigkeit beim Gitarrenspiel sei etwas, das man nicht lernen könne – das sei angeboren oder nicht, eine Frage des Temperaments eben: Gemäß dieser Theorie mussten die übers Griffbrett rasenden Finger Di Meolas wohl an seinen italienischen Wurzeln liegen. Mimisch blieb er dabei fast durchgehend bei einer amerikanischen Coolness. Doch nicht nur mit der Schnelligkeit überzeugte der Virtuose, er verstand es auch, Akkordeonist Beccalossi akkurate Grundlagen zu schaffen bei dessen gefühlvollen Soli. Zedeki an der zweiten Gitarre wiederum erledigte sozusagen die Drecksarbeit und spielte all das, was Di Meola eben nicht gleichzeitig konnte, weil ja auch er keine vier Arme hat.

Ein bisschen Flair von „Friday Night in San Francisco“ kam bei der Zugabe „Mediterranean Sundance“ auf, einer Di Meola-Komposition von dem berühmten Album – und schließlich fand das Konzert ja an einem Freitagabend statt, wenn auch nicht in San Francisco. Am Ende gab es verdientermaßen stehenden Beifall – das letzte Euroclassic-Konzert dieser -Saison in Zweibrücken (das drittletzte insgesamt) war auch das beeindruckendste.

Matthias Wieland aus Bonn war extra wegen des Konzerts nach Zweibrücken gefahren. Er, der selbst Gitarre spielt, fand es großartig: „Ich habe ihn zum ersten Mal live gehört: Wenn man sich die Finger anschaut und das hört, ist das einfach grandios. Diese Kombination mit dem Akkordeon habe ich auch zum ersten Mal gehört: Auch die Tango-Stücke waren toll.“