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Heftiger Streit um höheres Rentenalter

Heftiger Streit um höheres Rentenalter

Berlin. Aus der umstrittenen Rente mit 67 könnte langfristig womöglich die Rente mit 70 werden. Dafür plädierten gestern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Sozialverbände und Gewerkschaften reagierten empört

Berlin. Aus der umstrittenen Rente mit 67 könnte langfristig womöglich die Rente mit 70 werden. Dafür plädierten gestern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Sozialverbände und Gewerkschaften reagierten empört. DIW-Präsident Klaus Zimmermann warnte, die weiter steigende Lebenserwartung belaste angesichts der schrumpfenden deutschen Bevölkerung die Rentenkassen so erheblich, dass starke Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen drohten. "Eine langsame Lebensarbeitszeitverlängerung auf 70 Jahre ist der humanste Ansatz, mit der Herausforderung umzugehen." Auch aus Sicht von IW-Direktor Michel Hüther ist ein späterer Renteneintritt unumgänglich: "Die Zielmarke liegt dann bei 70 Jahren." Dies solle aber mit "mehr Flexibilität für den früheren und den späteren Rentenbeginn" kombiniert werden. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, wies die Forderung der Institute als "utopisch" zurück. Ihr Amtskollege vom Sozialverband Deutschland, Adolf Bauer, sprach von einer "Sommerloch-Forderung", die "interessenbezogen und sachlich nicht begründet" sei. Beide Verbände forderten stattdessen das Aus für die Rente mit 67, da bereits diese faktisch eine Rentenkürzung sei. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel bezeichnete die Rente ab 70 als "absurd und lebensfremd". Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird nach derzeitiger Gesetzeslage zwischen 2012 und 2029 schrittweise auf 67 Jahre steigen. Die SPD, die dies in der großen Koalition mitbeschlossen hatte, rückt inzwischen davon wieder ab. SPD-Chef Sigmar Gabriel knüpft ein höheres Renteneintrittsalter nun daran, dass die Arbeitschancen der Älteren steigen. , A 4: Meinung ddp/dpa