Saarländischer Bauherrenpreis: Saniertes Bauernhaus in Einöd zeigt Potenzial von Bauen im Bestand

Saarländischer Bauherrenpreis : Wie sich Alt und Neu harmonisieren lassen

Einer der von der Saarländischen Architektenkammer verliehenen Bauherrenpreise ging 2018 an den Umbau eines Bauernhauses in Homburg-Einöd.

„Eigentlich wollten wir nur ein Zimmer mehr“, sagt Rolf Sommer und durchwandert sein auf immerhin 300 Quadratmeter Wohnfläche angewachsenes Bauernhaus in Homburg-Einöd. Im April dieses Jahres war alles fertig, rund 220 Quadratmeter wurden durch den Ausbau der ehemaligen Scheune und Umbauten im Wohnhaus hinzugewonnen. Die Architektenkammer des Saarlandes verlieh einen ihrer Bauherrenpreise 2018 an die Eigentümer Silke und Rolf Sommer und den Architekten Lothar Burger und würdigte damit den Erhalt alter Bausubstanz.

Es ist im Zweifel billiger und einfacher, am Ortsrand neu zu bauen und die alten Häuser zu verlassen, was leider zur Folge hat, dass Dorfkerne mit ihren gewachsenen Strukturen marode werden. Es sei denn, es finden sich Menschen mit Zeit, Sachverstand und Gespür für das Alte. Beim kongenialen Trio Sommer/Burger kam all dies zusammen; bewährt hatte sich ihre Zusammenarbeit schon 1997, als das Anfang des 19. Jahrhunderts erbaute Haus in Familienbesitz durch ein paar beherzte Eingriffe zum wohnlichen Heim mit großem Innenhof wurde.

Den Innenhof betritt der Besucher durch ein großes Tor, rechts liegt das Wohnhaus, nunmehr verlängert durch den Umbau der direkt angrenzenden Scheune. Dem Tor gegenüber, rechtwinklig zu Scheune/Wohnhaus, befinden sich die alten Ställe. Sie dienen als Lagerraum. Links vom Eingangstor umschließen eine Garage im „Schuppenstil“ (Burger) und eine aus Abbruchsteinen errichtete Mauer das Grundstück. Ein prächtiger Ahorn im Hof, einladende Sitzplätze, ein Sommeridyll, das im Winter durch die großen Fensterflächen in Erd-und Obergeschoss des „neuen“ Hauses betrachtet werden kann.

Das „neue“ Haus beginnt hinter einer vollständig erhaltenen, mühsam freigelegten Fachwerkwand, der Wand zur ehemaligen Scheune. Wer Lothar Burger zuhört, merkt sofort, dass er immer vom Menschen her denkt. Sommers wollten sich ursprünglich nach oben ausbreiten. Rolf Sommer ist ein großer, stattlicher Mann; die Stiege eng und steil, Platz für eine größere Treppe gibt es nicht – keine gute Idee, befand der Architekt und schlug den Ausbau in die Horizontale vor. Damit dieser in Erdgeschoss und Obergeschoss auf ebenem Niveau erfolgen konnte, mussten die tragenden Balken der Scheune tiefer gelegt werden. Und noch ein paar „Kleinigkeiten“ waren notwendig, so der völlige Neubau des Schornsteins. Ein Kamin über Eck –  verglast und altes und neues Wohnzimmer verbindend – bildet nun den eleganten Abschluss und lässt kaum ahnen, welcher Aufwand hier betrieben wurde. Das Haus wurde barrierefrei konzipiert, auch Platz für einen Aufzug eingeplant.

Damit das Ganze überhaupt hält, erdachte Lothar Burger eine Art „tragendes Zentrum“ in der Mitte des Hauses – eine L-förmige Stahlträgerkonstruktion, deren Tragearme dort hinragen, wo sie gebraucht werden, ohne die Optik zu beeinträchtigen. Das Ehepaar Sommer und der Architekt Burger suchten die Harmonisierung von Alt und Neu, nicht den Kontrast: zeitgemäßes Wohnen unter Einbeziehung und Erhaltung des Alten. Ideen wurden aus dem Sichtbaren, Vorhandenen entwickelt, aber ohne die erfahrenen und bewährten Handwerker hätten sie nicht umgesetzt werden können. Der Holzhändler wurde gebeten, alte Eichenbalken zu beschaffen, an allen Details wurde gefeilt, bis die in ästhetischen Fragen wenig kompromissbereiten Sommers zufrieden waren. Das neu gebaute Bad im Erdgeschoss verschließt der Nachbau einer Stalltür; die steinernen Futtertröge, die sich im Raum befanden, stehen heute, mit Blumen bepflanzt, im Innenhof.

Wichtig war den Naturliebhabern neben Wiederverwertung auch der Einsatz ökologischer Materialien wie Zellulosefasern für die Dachdämmung. Das Dach bekam Gauben mit Fenstern, direkt unter dem Dach ist Platz für Gäste und einen Fitnessraum. Besonders gern und oft hält sich das Ehepaar Sommer in der Küche auf, der wohl aus den 70er Jahren stammende Anbau wurde schon im ersten Bauabschnitt 1997 auf zwei Seiten mit hohen, schmalen Fenstern bestückt – ein gemütlicher heller Raum in der Art, wie man sie an niedersächsischen Bauernhäusern oft findet. Rolf Sommer ist gebürtiger Bremer.

Vielleicht macht das ebenso behutsame wie entschiedene Vorgehen der Bauherren und des Architekten auch anderen Mut, mal genauer hinzuschauen, was in ihrem alten Kasten an Potenzial steckt. Der Bauherrenpreis der Architektenkammer erhöht fraglos die Wahrnehmung solch wünschenswerter Initiativen.

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