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Drei Darsteller distanzierten sich später von Woody Allen.

„A rainy day in New York“ auf DVD : New York, New York, vorwiegend heiter

Woody Allens Komödie „A rainy day in New York“ erscheint jetzt bei uns fürs Heimkino. In den USA brachte der Verleih den Film nicht ins Kino, drei Darsteller distanzierten sich später von der Arbeit mit Allen. Hintergrund sind Missbrauchsvorwürfe, die seit 1992 bekannt sind.

Eine merkwürdige Meldung aus der vergangenen Woche: Woody Allens jüngstes Werk war für wenige Tage der erfolgreichste aktuelle Kinofilm weltweit. Wie kommt’s? Während fast alle Filmtheater noch geschlossen waren, öffnete Südkorea seine Kinos wieder. Und in denen spielte „A rainy day in New York“ um die 300 000 Dollar ein. Keine große Summe, aber sie reichte für die weltweite Kino-Spitze.

Das könnte ein schräger Gag aus einem Woody-Allen-Film sein, der noch ein bisschen absurder wird mit Blick auf die Veröffentlichungs-Geschichte des Films: Allen dreht den Film 2017, im selben Jahr erneuert Allens Adoptivtochter Dylan Farrow ihre Vorwürfe, Allen habe sie 1992, als sie sieben Jahre war, sexuell missbraucht. Die Vorwürfe erhob 1992 erstmals Mia Farrow, die damalige Ehefrau von Allen. Zu einer Anklage kam es nach zwei Untersuchungen nicht, Allen bestreitet die Vorwürfe bis heute.

Als Dylan Farrow die Vorwürfe im Zuge der #MeToo-Bewegung erneuert, will das Studio Amazon „A rainy day in New York“ in den USA nicht mehr ins Kino bringen. Drei Darsteller aus dem Film, Timothée Chalamet, Rebecca Hall und Selena Gomez (für die die Vorwürfe gegen Allen nichts Neues gewesen sein können), spenden ihre Gagen, bereuen öffentlich, mit Woody Allen gearbeitet zu haben, und geloben, es nie wieder zu tun; ebenso wie Ellen Paige und Greta Gerwig, die in früheren Allen-Filmen auftraten, als die Vorwürfe auch bereits bekannt waren. Als Schauspielerin Scarlett Johansson, die mit Allen „Matchpoint“ drehte, für ihn Partei ergreift, wird sie in den „sozialen Medien“ hart angegangen, unter anderem als „Verräterin“ an der #MeToo-Bewegung. Amazon beendet den Fünf-Filme-Vertrag mit Allen. Der 84-Jährige klagt und dreht seinen nächsten Film „Rifkin’s Festival“ (Premiere Ende des Jahres) in Spanien, unter anderem mit Christoph Waltz.

Gatsby (Timothée Chalamet), dem das Wochenende etwas entgleitet. Foto: Filmwelt/Jessica Miglio

Bei uns erscheint „A rainy day in New York“ nun fürs Heimkino und ist ein typischer später Allen (Buch und Regie): amüsant und flott, ohne dass es einen vom sprichwörtlichen Hocker haut, und dabei ein wenig melancholisch. Um das junge Paar Gatsby und Ashleigh geht es (Chalamet und Elle Fanning), das nach New York reist. Er will ihr seine Heimatstadt zeigen, sie möchte für ihre Collegezeitung den renommierten Filmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Dass der an einer großen Schaffenskrise laboriert und sein jüngstes Werk wider Erwarten für „dampfende Existenzialistenscheiße“ hält, lässt das Wochenende ganz anders geraten als geplant. Zwischendurch landet Ashleigh fast im Bett eines omnipotenten Schauspielstars (Diego Luna) und wird von einem frisch betrogenen Drehbuchautor (Jude Law) als Muse auserkoren (vom Kunstregisseur sowieso).

Derweil erlebt Gatsby eine ungeahnte Konfrontation mit seiner dominanten Mutter – eine der stärksten Szenen des Films – und trifft eine alte Bekannte aus Jugendzeiten wieder, die ihm nun ziemlich imponiert. Irrungen und Wirrungen en masse also in einem New York, das Kameramann Vittorio Storaro (wenn es nicht gerade ein bisschen regnet) gerne in ein goldenes, manchmal unwirkliches Licht taucht. New York ist hier eine Stadt der edlen Hotels, der lauschigen oder plüschigen Apartments, und irgendwie scheint das eine sehr ruhige und auch übersichtliche Stadt zu sein – wenn man die große Liebe wiedertreffen will, stellt man sich in den Central Park; sie wird schon bald vorbeijoggen.

Vorwiegend heiter ist das, aber hinter der Leichtigkeit, untermalt von nostalgischem Jazz, zeigt sich doch eine gewisse Illusionslosigkeit: Vor allem die Männer mittleren Alters sind hier pompöse und zugleich kleine Würstchen, die etwas verzweifelt der eigenen Bedeutung, der kollabierten Ehe oder der nächsten Eroberung nachlaufen. Da scheint Autor Allen mehr Vertrauen in die jüngere Generation zu haben, auch wenn die weibliche Hauptfigur Ashleigh ein blonder Ausbund an erschütternder Naivität ist. Gatsby dagegen – vielleicht ein jugendliches Allen-Alter-Ego – wirkt ein bisschen wie der pubertär-rebellische Holden Caulfield im Romanklassiker „Der Fänger im Roggen“, wenn auch weniger zornig auf den Rest der Welt. Das Happy End im Central Park gönnt man ihm von Herzen.

„A rainy day in New York“ ist als
DVD, Blu-ray und Download bei Filmwelt erschienen.