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Saarfilm-Geschäftsführerin plädiert für Kino-Öffnung

Kostenpflichtiger Inhalt: Kinos und Corona : „Masken könnten wir auch ausgeben“

Seit Mitte März sind die Kinos wegen der Corona-Pandemie geschlossen – in Saarbrücken sind auch das UT-Kino und das Passage-Kino betroffen. Was bedeutet das für diese Filmtheater? Wir haben Saarfilm-Geschäftsführerin Andrea Lauer gefragt.

Schmerzhaft „wie ein Schlag ins Gesicht“ sei es gewesen, sagt Andrea Lauer, „wie ein Abschied“, aber seitens der Politik „natürlich die richtige Entscheidung“: Am 16. März, abends nach der letzten Vorstellung, schloss die Geschäftsführerin der alteingesessenen und familiengeführten Saarfilm Theaterbetriebe die beiden Filmtheater UT und Passage-Kino. Die Wiederöffnung ist ungewiss, die Lage schwierig, die Umsätze aus Kinotickets und Thekenverkauf „auf null gegangen“, wie Lauer sagt. 32 Menschen arbeiten für die beiden Kinos mit sechs Leinwänden und können jetzt nichts tun. „Für die Festangestellten habe ich Kurzarbeitergeld beantragt und auch bekommen“, sagt Lauer, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis, meist Studierende, haben darauf keinen Anspruch, „die bekommen leider nichts, was mir für sie schrecklich leid tut“.

Lauers Hoffnung ist, dass „wir bald wieder öffnen können“ – auch vor dem Hintergrund, dass in Nordrhein-Westfalen der Kinobetrieb am 30. Mai wieder beginnen soll. Die verlangten Mindestabstände zu gewährlisten, sei problemlos möglich, sagt Lauer, mit jeweils zwei freien Plätzen zwischen den Kinogängern und entsprechend versetzten freien Plätzen in den Reihen davor und dahinter. „Die Kassen sind ohnehin mit Glas umbaut, an den Theken stellen wir Plexiglaswände auf, und Masken könnten wir auch ausgeben.“ Desinfektionsmittel sei ohnehin noch genug im Haus, aus den vergangenen Wochen vor der Schließung, als die Hygienevorschriften wegen Corona strenger wurden.

Nur: Wenn die Kino-Öffnung nicht bald kommt – können das die Kinos durchhalten? Der Verband der deutschen Kinos (HDF) zeichnet schon das Bild vieler Insolvenzen. „Das hängt einfach davon ab, ob die Kinos in der Vergangenheit Rücklagen bilden konnten oder nicht“, sagt Lauer. Für UT und PK habe sie einen Liquiditätsplan erstellt, „wir könnten mit Rücklagen bis September durchhalten. Das ist ein sehr langer Zeitraum, ich weiß nicht, ob das allen so geht.“ Glück im Unglück ist, dass das UT-Gebäude der Saarfilm gehört, also keine Miete anfällt, „auch wenn die Betriebskosten und Versicherungen weiterlaufen“.

Lauer würde es sogar begrüßen, die Kinopause länger auszudehnen, wenn es wegen Corona sein müsse – dann aber nur mit mehr Unterstützung der Politik, viel mehr als zurzeit. „Wir haben beim Bund eine Unterstützung beantragt – wenn ich die genehmigt bekomme, sind das einmalig 15 000 Euro. Ich will überhaupt nicht undankbar sein – aber es ist letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Zumindest eine Teilerstattung der Umsatzverluste wäre eine Rettung, „sonst können die Kinos das nicht überleben“. Grundsätzlich wünscht sich Lauer von der Politik, „dass Kinos in dieser Lage mehr gehört werden“.

Gänzlich ruht der Betrieb bei Saarfilm zurzeit aber doch nicht – die Kasse des Passage-Kinos bietet mit Popcorn und Nachos im Straßenverkauf zwar kein Kino-Flair, aber zumindest doch Kino-Aroma. „Das wird von Tag zu Tag besser angenommen“, sagt Lauer, „es ist vor allem eine Möglichkeit, mit dem Publikum Kontakt zu halten und zu zeigen, dass wir noch da sind“. An der PK-Kasse kann man auch Kinogutscheine für die Zeit nach der Krise kaufen (online sowieso), was sehr gut läuft – Michael Krane von der Camera Zwo berichtet für sein Kino Ähnliches. „Viele unserer Kunden haben sofort gefragt, wie sie helfen können, und Kinogutscheine gekauft“, sagt Lauer, „das hat mich sehr berührt.“

Wenn es denn wieder losgeht, wann genau auch immer, „dann werden wir sicher einsteigen mit den ‚Känguru-Chroniken‘“, sagt Lauer – einem jener Filme, die gerade gestartet waren, als sich die Corona-Krise zuspitzte. „Diese Filme zeigen wir nochmal, bis wir dann Neustarts zur Verfügung haben.“ Etwa, sollte wieder geöffnet sein, im Juli die „Mulan“-Realverfilmung von Disney und den geheimnisumflorten Agententhriller „Tenet“ von Christopher Nolan. Und auch den neuen James Bond, „Keine Zeit zu sterben“. Der hatte Anfang März als einer der ersten Filme seinen weltweiten Start verschoben – von April auf November. „Da war für jeden in der Branche offensichtlich, dass da einiges auf uns zukommt.“