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Schwarzer Humor vom Feinsten bringen Filme des Österreichers Josef Hader

DVD-Tipp : Wenn der Sensenmann ein Österreicher wär . . .

. . . ließe sich das Ableben mit mehr Heiterkeit nehmen: Filme mit dem großen Stoiker Josef Hader zelebrieren köstlichen schwarzen Humor auch auf DVD.

Diese drei Österreicher waren und sind ein Glücksfall für das Kino – und in Corona-Zeiten auch für das Heimkino: Haas, Hader, Murnberger. Mit tiefschwarzem Humor, böse, blutig und herrlich komisch begeistern ihre Krimis. „Jetzt ist schon wieder was passiert…“ – mit diesem Satz des Erzählers mit der sonoren Stimme fängt jeder der Filme an. Und dann öffnen sich menschliche Abgründe, geht es um Begierde, Sex, Gewalt und Tod.

Alles begann im Jahr 2001 mit „Komm, süßer Tod“, der Verfilmung des 1998 erschienenen gleichnamigen Romans von Wolf Haas, der zusammen mit Schauspieler und Kabarettist Josef Hader und Regisseur Wolfgang Murnberger auch das Drehbuch verfasste. Der junge Murnberger (Jahrgang 1960) gewann übrigens für sein Regiedebüt „Himmel oder Hölle“ 1991 den Preis der saarländischen Ministerpräsidenten beim Saarbrücker Max Ophüls Festivals. Das österreichische Cinéasten-Trio legte später mit „Silentium“, „Der Knochenmann“ und „Das ewige Leben“ drei weitere Romanverfilmungen nach. Diese vier Werke sowie „Wilde Maus“ von Josef Hader (2017) hat der Verleih Majestic derzeit als DVD und als Video On Demand im Programm.

Im Mittelpunkt der herrlich absurden Geschichten steht der Ex-Polizist Brenner, wunderbar lakonisch gespielt von Josef Hader. Der erste Streich des kongenialen Trios, „Komm, süßer Tod“, spielt in Wien und seziert gnadenlos das Milieu der Rettungsdienste. Denn da tobt zwischen den Anbietern ein erbitterter Konkurrenzkampf. Brenner und sein junger Kollege Berti (Simon Schwarz) arbeiten bei den Kreuzrittern. Doch der Rettungsbund macht ihnen das Leben schwer, schnappt ihnen die Kunden vor der Nase weg. Dem Brenner ist das alles scheißegal, er interessiert sich eigentlich für nichts und möchte nur seine Ruhe haben. Doch dann wird ein Blutbankchef zur Ader gelassen, ein Rettungsfahrer brutal eliminiert und zu allem Überfluss taucht auch noch Brenners Jugendfreundin Klara (Barbara Rudnik) auf. In weiteren Rollen sind, wie in allen Filmen der Reihe, famose Darstellerinnen und Darsteller zu sehen, hier zum Beispiel Nina Proll und Klaus Michael Lade, die in diesem Krimi mit viel Wiener Schmäh für eine denkwürdige und so gar nicht jugendfreie Szene sorgen.

Von Wien geht es nach Salzburg. Dort spielt „Silentium“ (2004) und diesmal geht es um einen Skandal, in den die ehrwürdigen Festspiele und ein Knabenkonvikt verstrickt sind. Als Nonnen getarnt werden Zwangsprostituierte nach Österreich verfrachtetet und Freiern angeboten. Stecken der Festspielpräsident (Udo Samel) und der Präfekt (Joachim Król) unter einer Decke? Schaut die Salzburger Polizei absichtlich weg? Brenner, der als Kaufhausdetektiv in Salzburg arbeitet, und sein alter Freund Berti (Simon Schwarz) geraten in einen gefährlichen Strudel. Murnberger inszeniert den bitterbösen Krimi in bewährter Manier, mit Hochspannung, mit Anspielungen an biblische Motive (Kreuzgang, Judaskuss) und diesmal sogar mit gruseligen Splatter-Elementen.

Die erfolgreichste Krimi-Groteske folgte 2009 mit „Der Knochenmann“. Brenner wird von seinem Freund Berti, der in Wien eine Autoleasingfirma betreibt, in die tiefste Provinz geschickt, nach Klöch in die verschneite Steiermark nahe der slowakischen Grenze, um einen gewissen Horvarth aufzutreiben, der seine Leasingraten nicht bezahlt. Widerwillig macht sich Brenner auf den Weg und wird im Wirtshaus Löschenkohl, bekannt für seine knusprigen Backhendl, eisig empfangen. Hier gehen merkwürdige Dinge vor, und es entwickelt sich eine bitterböse, kannibalische Geschichte, die an den Klassiker „Fargo“ von Joel und Ethan Coen erinnert. Nicht nur wegen der des Nachts ziemlich lärmenden Knochenmehlmaschine, in der die Hühnerreste zu Futtermehl verarbeitet werden. Großen Anteil an dem köstlich-schaurigen Geschehen ums Fressen und Gefressenwerden haben auch die exzellenten Charakterdarsteller Sepp Bierbichler und Birgit Minichmayr.

Konnte Brenner von Glück sagen, dass er in der Steiermark nur einen Finger einbüßen musste, so kommt es im vierten Teil weitaus schlimmer. In „Das ewige Leben“ (2015) kehrt der Antiheld nach Graz zurück, in die Stadt seiner Jugend. Dort wird munter gemordet und Brenner fängt sich einen Kopfschuss ein. Als er aus dem Koma erwacht, will er seinen vermeintlichen Mörder suchen – doch alle behaupten, er habe auf sich selbst geschossen… Die skurrile Geschichte lebt diesmal nicht so sehr von der Krimihandlung, sondern von präzise gezeichneten Milieustudien und, wie in allen Filmen, auch diesmal wieder von der hervorragenden Besetzung, unter anderem mit Tobias Moretti, Nora von Waldstätten und Roland Düringer.

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