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Die Lust am großen Ganzen

Die Lust am großen Ganzen

Eine Handvoll Kurzfilme, einer davon in New York preisgekrönt, zeigt der Saarbrücker Regisseur und Kameramann Tim Klein am Freitag im Kino Achteinhalb. Wir haben mit ihm über seine Arbeit gesprochen, über die Freuden und auch die Hürden.

Bescheidenheit ist eine Zier. Als Filmemacher müsse man sich, unter anderem, "gut verkaufen", sagt Tim Klein. Aber wenn der Saarbrücker dann von seinem Film "Sekundenschlaf" erzählt, den er 2015 mit Freund und Kollege Marc André Misman gedreht hat, erwähnt er nicht die vier Preise, die die beiden dafür beim New Yorker Online-Festival "100 Hour Film Race" gewonnen haben. Danach gefragt, sagt er nüchtern, dass dies weder die Berlinale noch Cannes sei, protzen müsse man ja nicht. Jener "Sekundenschlaf", ein schwarzhumoriges Zwei-Personen-im-Auto-Stück, ist einer von sechs Kurzfilmen, die Klein am Freitag beim Werkstattgespräch des Saarländischen Filmbüros im Kino Achteinhalb zeigt, wo er auch über seinen Werdegang als Regisseur, Autor und Kameramann erzählt.

Ein klassisches filmisches Erweckungserlebnis hatte Klein, Jahrgang 1981, nicht; bei den Großeltern sah er erstmals den "Paten" im Fernsehen, "Krieg der Sterne" im Kino - aber weniger als einzelne Filme interessierte ihn das große Ganze, "aus einer kleinen Idee einen ganzen Film entstehen zu lassen". Nur - wie geht man das als Beruf an? Mit Praktika, Selbstversuchen mit der elterlichen Kamera und, 2005 bis 2007, einer Ausbildung beim Saarländischen Rundfunk zum Kamera-Assistenten. Bei der Filmhochschule Ludwigsburg hatte er sich auch beworben, vergeblich.

Sein Abschluss beim SR war der Kurzfilm "Der Anfang vom Ende", die erste richtige Regiearbeit mit all ihren Freuden ("ich konnte mich richtig ausprobieren") und Hürden: "Zehn Leute, die vor einem stehen und darauf warten, dass man ihnen sagt, was sie tun sollen - daran muss man sich erstmal gewöhnen." Völlig überzeugt ist er von dem Beziehungskistenfilm heute nicht mehr, "ich musste ein paar Mal lachen, als ich ihn wieder gesehen habe", aber immerhin: ein Anfang. Danach arbeitete er zeitweise weiter beim SR, half bei anderen Filmen aus, als Assistent oder Beleuchter, meist bei Filmhochschul-Produktionen und überregional ("im Saarland geht nicht viel"). Von da verschlug es Klein nach Thailand, wo er seine Liebe zum Tauchen mit der zum Filmen verband, indem er mit Unterwasserfotografie experimentierte; dann studierte er Kamera in New York, "sehr praxisbezogen", was bedeutet: "Man muss lernen, mit null Geld etwas auf die Beine zu stellen."

Aus dieser Zeit laufen bei dem Werkstattgespräch Filme, die Klein schrieb, fotografierte und inszenierte, aber auch einer ist zu sehen, bei dem er "nur" der Kameramann war - für Klein kein Fall der Ego-Zurückstellung, sondern schlicht der filmischen Arbeit, des Weiterkommens, Weitermachens. "Ich muss nicht immer Regie machen, nicht mal immer Kamera machen, es geht darum, schöne Projekte auf den Weg zu bringen." Um das zu tun, baut Klein, der seit Anfang des Jahres in Berlin-Friedrichshain lebt, gerade eine kleine Produktionsfirma auf, mit eigener Ausrüstung. "Ich will einen Weg finden, dass das funktioniert." Einfach ist dies alles nicht. Auf die Frage, wie man als Filmemacher so durchkommt, sagt Klein: "Wenn Sie es wissen, sagen Sie's mir." Glück und langen Atem brauche man mindestens. Zurzeit arbeitet er an einer Dokumentation, von der im Achteinhalb zumindest ein paar Minuten zu sehen sein werden: "Tapetenwechsel" über ein Ehepaar, sie 90 Jahre alt, er 95, die nach 60 Jahren aus ihrer Saarbrücker Wohnung ausziehen: Die Treppen wurden einfach zu viel. Ein Film über Verlust, Liebe - und die eigene Familie: Denn die beiden Eheleute sind Kleins Großeltern, bei denen er einst das Kino kennenlernte.

 Tim Klein an der Kamera.
Tim Klein an der Kamera.

Freitag, 20 Uhr, im Kino Achteinhalb (Sb).